Kunst statt Kippen

Ina-Ulrike Karos und Thomas Poppen freuen sich über den neuen Kunstautomaten an ihrer Fassade.
 
In den Schachteln sind kleine Kunstwerke und Beipackzettel mit Infos zu den Künstlern.

An einem Automaten beim Fotogeschäft Karos kann man sich jetzt kleine Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen ziehen

BURGDORF (fh). Von weitem sieht er einem alten Zigarettenautomaten ziemlich ähnlich und wer vier Euro in den Münzschlitz wirft, kann aus einem der zehn Schächte tatsächlich eine Schachtel in dem typischen Format entnehmen. Doch statt Kippen sind darin kleine Gemälde, Miniatur-Skulpturen, Grafiken oder Collagen verpackt: An der Fassade des Fotogeschäfts Karos zur Straße Am Brandende hin hängt Burgdorfs erster Kunstautomat.
An der gleichen Stelle befand sich Jahrzehnte lang ein Automat, aus dem man früher auch außerhalb der Öffnungszeiten analoge Filme ziehen konnte. "Er ist schon seit rund 20 Jahren außer Betrieb gewesen, weil er durch die Digitalfotografie überflüssig geworden war. Aber wir haben ihn nie abgenommen", sagt Inhaber Thomas Poppen. Dann habe er mit seiner Frau im NDR-Fernsehen einen Beitrag über die Kunstautomaten gesehen, die es beispielsweise auch schon in Hannover und Celle gibt. "Da wir uns beide für Kunst interessieren, hat uns das sofort gefallen", sagt er.
Und so wurde der alte Film-Automat kurzerhand durch einen neuen Kunstautomaten ersetzt. Er stammt von einem Zwei-Mann-Unternehmen: Lars Kaiser aus Potsdam kümmert sich vorrangig um den Kontakt zu den Künstlern und Andreas Petzke aus Oschersleben um die technische Umsetzung. Seit sie 2001 auf die Idee gekommen sind, haben die beiden bereits mehr als 200 Automaten in ganz Deutschland aufgehängt und befüllen sie mit den Werken von mittlerweile 300 Künstlern. "Wir wollen damit Kunst ins tägliche Leben bringen", sagt Kaiser.
Die beiden haben auch den Automaten in Burgdorf angebracht, und werden ihn jetzt regelmäßig befüllen und warten. "Wir stellen nur den Platz zur Verfügung und müssen und sonst um nichts kümmern", sagt Poppen, der sich über den neuen Hingucker an seiner Fassade freut. Denn der Automat ist nicht nur mit kleinen Kunstwerken befüllt, sondern auch von außen bunt bemalt. "Ich konnte zwischen vier unterschiedlichen Motiven wählen und habe mich für dasjenige entschieden, das am freundlichsten wirkte", so der Inhaber des Fotogeschäftes.
Wer sich etwas aus dem Automaten ziehen möchte, kann zwischen regionaler und überregionaler Kunst wählen - von welchem Künstler sie stammt und ob es Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen oder Collagen sind, ist aber eine Überraschung. In jeder Schachtel liegt ein Beipackzettel mit Informationen zu dem jeweiligen Künstler. "Wenn einem etwas gefällt, kann man also mal gucken, was er sonst so macht und eventuell sogar Kontakt aufnehmen. Gerade für unbekannte Künstler ist das eine tolle Chance", so Poppen, der sich auch selbst schon eine Schachtel aus dem Automaten gezogen hat. Der Automat werde bereits gut angenommen. "Jeden Tag wird er benutzt. Wir wurden auch schon angesprochen, weil ein 50-Cent-Stück im Schlitz festklemmte", sagt der Fotograf.
Die Ähnlichkeit zu einem alten Zigarettenautomaten kommt übrigens nicht von ungefähr. Kaiser und Petzke verwenden für ihr Projekt tatsächlich ausrangierte Modelle aus den fünfziger bis siebziger Jahren, lassen sie von unterschiedlichen Künstlern gestalten und erwecken sie wieder zum Leben.