Kunst bewegt trotzdem

Kunst am Amtsgericht begeisterte: Bettina Richter (links) und Tochter Inga betrachten das Reliefbild „Welterbe Plastikmüll“ von Künstlerin Ursula Knaack. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Zahlreiche Besucher genossen das besondere Ambiente der kleineren Version von Kunst in Bewegung. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Ausstellung am Amtsgericht lockt über den Tag verteilt mehrere Hundert Besucher an

Großburgwedel (bgp). Das Wetter hätte besser nicht sein können: Bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen genossen über den Tag verteilt mehrere Hundert Besucher das anregende Flair von Kunst am Amtsgericht. Da die alljährliche dezentrale Veranstaltung Kunst in Bewegung (KIB) Corona bedingt abgesagt werden musste, hatten sich die Organisatoren nach zwangsweiser Umplanung eine kleinere Freiluftveranstaltung einfallen lassen. Für die Einhaltung der Hygieneregeln waren kreative Lösungen gefragt: Schon am Eingang erhielten die Besucher eine kurze Beratung über den Ablauf und konnten sich dort registrieren. 150 Personen durften sich gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten, auf dem Maskenpflicht herrschte. Die versüßte das KIB-Team den Gästen, indem sie ihnen weiße Stoffmaske mit dem Emblem von Kunst in Bewegung überreichten. Eine Voranmeldung per Smartphone und Desinfektionsständer auf dem Gelände erleichterten den Einbahnrundgang mit AHA-Effekt, der nicht nur für den Infektionsschutz (Abstand-Hygiene-Alltagsmasken), sondern vor allem für die Kunst galt. Auf den Flächen vor dem Amtsgericht präsentierten 23 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten aus Kunsthandwerk, Malerei und Bildhauerei. Selbst Radierungen und Schmuckarbeiten waren an den Ständen zu finden.
Die künstlerische Runde vor dem altehrwürdigen Fachwerkbau wurde sehr gut angenommen. Bettina Richter bummelte mit Tochter Inga aus Hannover durch die Ausstellung: „Ich freue mich, dass Kunst in Bewegung in einer abgespeckten Version doch noch möglich wurde.“ Seit fünf Jahren lebe sie in Burgwedel und habe immer KIB besucht. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise habe sie die Befürchtung gehabt, dass die Kunstausstellung ganz ausfallen werde. Umso größer sei die Freude, das Kunstangebot jetzt an einem so schönen Ort zu haben.
Eingehend betrachten die beiden Besucherinnen ein Bild von Ursula Knaack. Das reliefartig gearbeitete „Welterbe Plastikmüll“ spricht sie besonders an. Angefertigt ist es aus Orangen- und Zitronennetzen, Plastikmülltüten und handgegossenen Puppenköpfen aus Gips. Auf den ersten Blick wirkt das Bild poppig bunt und lustig. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die von der Künstlerin dargestellte Problematik immer größer werdender Müllberge aus Plastik. „Dramatik und Schönheit“ zugleich habe sie mit dem Bild erfassen wollen, sagt Ursula Knaack. Mit der diesjährigen zentral stattfindenden Ausstellung ist sie zufrieden: „Es ist einfach schön, dass wir hier alle zusammen sind“. Das sei immerhin ein Vorteil gegenüber den weiter verstreuten Ausstellungsorten von „Kunst in Bewegung“. „Der persönliche Austausch unter den Künstlern ist nach der langen Zeit der Isolierung in den Ateliers besonders positiv“, freut sich Knaack.
In der Zwischenzeit wetzt Kalle Schridde vom KIB-Organisationsteam mit Plexiglasmaske vor dem Gesicht über das Gelände und schaut, ob alles in Ordnung ist. „Wir sind froh, dass es nun doch noch geklappt hat, die Stimmung unter den Künstlern und den Gästen ist wirklich gut“, freut sich Schridde. Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller war auf seinem Bummel durch die Freiluftausstellung beeindruckt: „Das ist wirklich Klasse gelungen“, lobte er die Kunst am Amtsgericht.