Kulturtradition für Nichtverreiste

Rika Uhle, Janne Klein und Roland Baumgarte ließen in der Martin-Luther-Kirche die Töne wohlig erklingen. (Foto: Holger Staab)
 
Das Konzert für Nichtverreiste lockte auch in diesem Jahr wieder viele Besucher an. (Foto: Holger Staab)

Trio begeisterte in Ehlershäuser Kirche und sorgte für Abwechslung

Ehlershausen (st). Ludwig van Beethoven hat in diesem Jahr sein Jubiläumsjahr. Im Dezember 1770 wurde er in Bonn geboren und so jährt sich seine Geburt zum 250. Mal. Aber nicht nur die Musik des berühmten Komponisten, sondern auch eine bunte Mischung aus Instrumentalstücken und Liedern, zum Beispiel von Johann Sebastian Bach oder Frédéric Chopin lockten knapp 50 Besucher am vergangenen Sonntag in die Martin-Luther-Kirche in Ehlershausen zum „Konzert für Nichtverreiste“.
Das Konzert hat schon Tradition und im Jubiläumsjahr von Beethoven und wegen der Corona-Pandemie sollte das Konzert den Menschen, die lange auf Kulturveranstaltungen verzichten mussten, eine Abwechslung bieten. Dafür war ein Trio der treibende Faktor: Roland Baumgarte aus Burgwedel mit seinem Violoncello, Janne Klein aus Hannover am Klavier und am Mikrofon Rika Uhle aus Burgwedel sorgten für allerlei Kurzweil und viel Beifall.
Seit einigen Jahren sorgt das Konzert für diejenigen, die nicht in die Ferien fahren, sondern in der Sommerzeit mit Balkon und Garten Vorlieb nehmen, für eine gute Stimmung fernab vom Alltag. Und das seit 2013 mit einer kleinen Pause 2014, also zum siebten Mal in der kleinen Ramlinger Kapelle. „Corona machte die intime Atmosphäre in Ramlingen aber zunichte“, meinte Sängerin Rika Uhle und so wich das Trio nach Ehlershausen in die größere Martin-Luther-Kirche aus. Der Ortswechsel aufgrund der geltenden Abstandsregelungen lohnte sich, denn so konnte das Konzert stattfinden und alle Regeln befolgt werden.
Die erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer bereuten ihr Kommen nicht. Klein, Uhle und Baumgarte freuten sich über die Resonanz und gaben so manchen Anlass für kräftigen Applaus. Besonders gefragt und natürlich den frühen Abend bestimmend, waren die Stücke von Beethoven zu seinem 250. Geburtstag. Einer der Höhepunkte waren die sieben Variationen über „Männern, welche Liebe fühlen“, die Baumgarte so ankündigte: „Männer haben auch Gefühle, zum Beispiel Hunger und Durst und natürlich auch die Liebe“, meinte der Cellist. Beethoven hat über dieses Thema sein Stück geschrieben. Zudem kredenzte das Trio noch „Rondo Allegro aus der Sonate Pathetique“, „Sonatine“ und das „Mailied“ von dem berühmten Deutschen der 1827 in Wien starb.
Auch andere Komponisten kamen nicht zu kurz und die „Polonaise Brillante op.3“ von Chopin und Lieder und Texte wie „Wir machen Musik“ oder „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ wechselten sich mit Beethovens Werken ab. Eine besondere Überraschung hielt das Trio bereit, als Baumgarte über Corona referierte, zunächst eine Strophe vom „Erlkönig“ zum Besten gab und dann den Text in acht weiteren Abschnitten zusammen mit Rika Uhle mit Blick auf das Wort Corona vortrug. Hier bezog er sich auf das Werk von Goethes Muse Mademoiselle Schröter, die pikanterweise mit Vornamen „Corona“ hieß.
Den Besuchern gefiel jedes Stück und so bekam das Trio viel Applaus und durfte nicht ohne die Zugabe „Sing ein Lied, wenn du mal traurig bist“ ihre abwechslungsreiche Darbietung schließen. Die drei Musiker wollen auch im nächsten Jahr an ihrer Tradition festhalten und das Kulturprogramm in Ramlingen und Ehlershausen mit dem „Konzert für Nichtverreiste“ ergänzen. Ob die Veranstaltung dann wieder in der intimen Ramlinger Kapelle durchgeführt wird, oder in Ehlershausen stattfindet, das wird wohl erst kurzfristig geplant.