"Kopfüber kommt man auf neue Ideen"

Kinder- und Jugendbuchautorin Nikola Huppertz gestaltet mit den Teilnehmern der Schreibwerkstatt die Stellwände in der Mensa der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule.
 
Mehriban zeigt den Ausdruck ihrer Geschichte. Das Bild dazu hat sie selbst gestaltet.

Teilnehmer der Schreibwerkstatt präsentieren ihre Arbeitsergebnisse auf Stellewänden

Burgdorf (fh). Daria, Lina und die anderen Teilnehmer der Schreibwerkstatt können kaum noch erwarten, dass Anfang Dezember endliche das Buch „Writing for future“ erscheint, in dem ihre eigenen Geschichten und Gedichte versammelt sind. Wochenlang haben sie mit Unterstützung der Kinder- und Jugendbuchautorin Nikola Huppertz an ihren Texten zu den Themen Umwelt-, Tier- und Klimaschutz gefeilt und sie zusammen mit dem Illustrator Tobias Krejtschi schließlich auch noch passend bebildert.
Eigentlich wollten die zehn Sechstklässler der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule ihr Buch bei einer Lesung öffentlich vorstellen. Zusammen mit Huppertz haben sie dafür in den Herbstferien extra noch Vorlesen und Präsentieren geübt. Doch wegen der gestiegenen Infektionszahlen und der verschärften Corona-Regeln müssen sie auf eine große Veranstaltung für Mitschüler, Eltern und Interessierte verzichten. Stattdessen sind die Jungen und Mädchen nun einen ganzen Nachmittag lang geschäftig durch das Foyer und die Mensa ihrer Schule gewuselt.
Um ihren Mitschülern und Lehrern einen Eindruck von ihrer Arbeit zu vermitteln, haben sie nicht nur Ausdrucke ihrer Texte, sondern auch viele Fotos aus der Schreibwerkstatt mit Reißzwecken an große Stellwände geheftet. „Das hier bitte nicht, das ist doch voll peinlich“, sagt Daria und hält Nikola Huppertz ein Bild unter die Nase, auf dem sie bäuchlings über einem Stuhl hängt und mit ausgestrecktem Arm auf dem Zettel schreibt, der vor ihr auf dem Boden liegt. „Gerade das muss unbedingt dabei sein“, widerspricht die Jugendbuchautorin lachend.
Daria lässt sich schnell überreden und pinnt das Foto an einen freien Platz auf der Stellwand hinter ihr. Schließlich hat ihr und den anderen Teilnehmern die Schreibwerkstatt auch deshalb so viel Spaß gemacht, weil sie selbst ausprobieren durften, wie und wo ihnen die besten Geschichten und Formulierungen einfallen: ob in der Stadtbücherei, im Döner-Imbiss oder im Garten, ob stehend, sitzend oder liegend. „Die besten Ideen kommen halt manchmal auch kopfüber!“, weiß Huppertz.
Seit Juni haben die zehn Jungen und Mädchen nachmittags in ihrer Freizeit an der Schreibwerkstatt teilgenommen. Und wenn es nach ihnen ginge, würden sie am liebsten weitermachen. „Es ist schade, dass es jetzt schon vorbei ist“, sagt Lina. Und Daria ergänzt: „Manchmal haben wir uns nach einem langen Schultag getroffen, um noch an unseren Geschichten zu arbeiten. Aber es hat trotzdem immer mega viel Spaß gemacht!“
Kurz vor den Herbstferien mussten sie ihre handgeschriebenen Geschichten abgegeben. Danach hat Huppertz sie mit dem Computer abgetippt, Rechtschreibfehler korrigiert und sie in Form gebracht. „Ich habe dafür eine ganze Woche lang von morgens bis abends am Schreibtisch gesessen“, so die Autorin. Danach ging das Buch dann ins Lektorat des Mitteldeutschen Verlags und ist jetzt im Druck.
Die Schreibwerkstatt gehört zu dem bundesweiten Programm „Kultur macht stark“, das vom Bundesministrium für Bildung und Forschung gefördert wird und vor allem sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen kulturelle Bildung und Teilhabe ermöglichen soll. „Wir wollen gerade auch die erreichen, die sonst nicht so viel lesen und schreiben“,
erläutert Petra Zink, die sich
seit Jahrzehnten für die Leseförderung in Burgdorf einsetzt
und jetzt zum zweiten Mal
in Folge eine solche Schreibwerkstatt nach Burgdorf geholt hat.
Das Buch „Writing for future“ versammelt auf 80 Seiten zehn größere Geschichten und rund 20 Gedichte und andere Kurztexte der Schüler. Es erscheint im Mitteldeutschen Verlag und kostet 10 Euro. Beim Verlag ist es bereits vorbestellbar, ab Anfang Dezember ist es auch im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783963115097).