Klimaschutz und Wohnungspolitik

Die Stadt will bald mit der Vermarktung des Baugebiets zwischen Weserstraße und B188 beginnen. (Foto: Archiv/Franka Haak)

Stadt stellt Pläne für die Vermarktung des Baugebiets nordwestlich der Weserstraße vor

Burgdorf (fh). Bei der Vermarktung des Baugebiets zwischen Weserstraße und B188 geht die Stadt neue Wege: Die Grundstücke für die Doppelhäuser verkauft sie nicht direkt an Privatpersonen, sondern an sogenannte Bauträger. Diese Unternehmen erwerben jeweils ein Baufeld, das Platz für mehrere Häuser bietet, kümmern sich um Bau und Erschließung und verkaufen die einzelnen Doppelhaushälften dann schlüsselfertig an die künftigen Eigentümer. Bauausschuss und Verkehrsausschuss haben dem Angebotsverfahren mit kleinen Änderungen bereits zugestimmt, die endgültige Entscheidung trifft der Verwaltungsausschuss am 5. Oktober in nicht-öffentlicher Sitzung.
In der Vergangenheit hat die Stadt Baufelder für Einfamilien- und Doppelhäuser vor der Vermarktung selbst in Parzellen aufgeteilt und diese dann anhand vorher festgelegter Kriterien an die Interessenten verlost. Indem sie diesmal die Bauträger zwischenschaltet, will sie verhindern, dass ein privater Bauherr ein Grundstück für ein Einzelhaus erwirbt, stattdessen dann ein Doppelhaus baut und die zweite Hälfte mit Preis­aufschlag weiterverkauft, so wie das im Baugebiet „An den Hecken“ vielfach geschehen sei.
Wenn ein Bauträger einen Bereich mit mehreren Häusern erschließt, ließen sich zudem die Vorgaben der Stadt hinsichtlich der Energieversorgung, des Lärmschutzes und der städtebaulichen Qualität besser umsetzen und steuern. Ein Nachteil für die künftigen Eigentümer: Sie haben kaum Einfluss auf Planung und Gestaltung ihres Hauses. Außerdem ist es der Stadt nicht möglich, bestimmte Bewerbergruppen zu bevorzugen, zum Beispiel junge Familien, die in Burgdorf bisher zur Miete wohnen.
Der kürzlich beschlossene Bebauungsplan hätte in den entsprechenden Bereichen des Gebiets prinzipiell auch Einfamilienhäuser zugelassen. Dafür könnten bis zu 14 Parzellen geschaffen werden. Doch bei der Vermarktung schreibt die Stadt jetzt Doppelhäuser vor, damit sich unterm Strich mehr Menschen den Traum vom Eigenheim erfüllen können. Schließlich ist die Warteliste lang: Bei der Liegenschaftsabteilung sind rund 1400 Interessenten für Wohnbauland registriert. Und nicht zuletzt hätten Doppelhäuser auch energetische Vorteile aufgrund der prozentual geringeren Außenfläche.

25 Prozent geförderter Wohnungsbau

Zusätzlich zu den Doppelhäusern sind auf dem rund 7,7 Hektar großen Areal Reihenhäuser vorgesehen, die nach dem gleichen Prinzip vermarktet werden sollen. Außerdem sollen Mehrfamilienhäuser mit Miet- und Eigentumswohnungen entstehen. Und auch dabei gibt es ein Novum: Die Stadt schreibt vor, dass die Investoren mindestens 25 Prozent Sozialwohnungen errichten müssen. Sie werden staatlich gefördert und deshalb zu vergleichsweise günstigen Mietpreisen angeboten.
Linken-Ratsherr Michael Fleischmann fordert die Quote von 25 Prozent schon seit langem für alle Baugebiete. Die Stadtverwaltung hatte bisher stets argumentiert, dass das potenzielle Investoren abschrecken könnte. Auch diesmal schlug sie lediglich zehn Prozent vor. Doch auf Betreiben der SPD im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Bauausschusssitzung wurde die Mindestanforderung angehoben.

Grundstücke für besondere Wohnformen


Als weitere Komponente sind in dem Neubaugebiet Flächen für besondere Bauvorhaben vorgesehen. Dort könnten zum Beispiel Mehrgenerationenprojekte oder andere gemeinschaftliche Wohnformen umgesetzt werden. Zudem umfasst das Areal auch ein Mischgebiet, das zur Hälfte mit Wohnungen und zur Hälfte mit Büros oder anderem adäquaten Gewerbe bebaut werden soll.
Die Stadt hat für alle Grundstücke Mindestpreise festgelegt: für die Reihen- und Doppelhäuser sind es 275 Euro je Quadratmeter und für die Mehrfamilienhäuser und besonderen Wohnformen 185 Euro je Quadratmeter. Bewerber können auch mehr bieten. Die Höhe ihrer Kaufangebote fließt bei der Vergabe zu 20 Prozent ein. Den Schwerpunkt bilden mit 80 Prozent aber die inhaltlichen Kriterien, beispielsweise hinsichtlich Klimaschutz, sozialem Wohnungsbau und städtebaulicher Qualität.

Kriterienkatalog für die Auswahl der Bewerber

Fossile Energieträger sind in dem Baugebiet komplett ausgeschlossen. Statt Öl und Gas sollen zum Heizen beispielsweise sogenannte Wärmepumpen genutzt werden. Zudem können Bewerber Punkte sammeln, wenn sie hohe energetische Standards einhalten, eine Dach- oder Fassadenbegrünung, Solaranlagen und Ladepunkte für E-Autos einplanen. Und bei den Mehrfamilienhäusern sind Bewerber im Vorteil, wenn sie möglichst viele Wohnungen ganz unterschiedlicher Größe schaffen und dabei einen hohen Anteil von Sozialwohnungen vorsehen.
Während sich die Kriterien zu Klimaschutz und Wohnungspolitik objektiv messen ließen, könnten die städtebaulichen Aspekte wie Aufenthaltsqualität und Sichtachsen nur subjektiv bewertet werden. Speziell für diesen Bereich soll deshalb eine Kommission gebildet werden, der neben Bürgermeister Armin Pollehn, weitere Mitarbeiter der Verwaltung sowie Ratspolitiker aus dem Bauausschuss und dem Verkehrsausschuss angehören.