Klassenzimmer bleiben leer

Seit Montag bleiben die Burgdorfer Klassenräume leer. (Foto: Symbobild/Pixabay)

Schulen und Kitas in Burgdorf sind seit Montag geschlossen / Laut den Schulleitern reagieren Eltern und Schüler besonnen auf die ungewohnte Maßnahme

BURGDORF (fh). Wie überall in Niedersachsen sind die Schulen und Kitas auch in Burgdorf seit Montag geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus möglichst einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen. Zusammen mit den Osterferien haben die Schüler und auch Kindergartenkinder nun fünf Wochen am Stück bis zum 17. April frei. Erst Freitagvormittag hatte die Landesregierung diesen Beschluss offiziell verkündet. "So kurz vor dem Wochenende war das natürlich ein wenig unglücklich. Wir hätten uns etwas mehr Vorlauf gewünscht", sagt Heiko Blumenstein, Schulleiter der Astrid-Lindgren-Grundschule.
Unruhe oder gar Panik habe die Entscheidung aber trotzdem nicht ausgelöst. "Die Schüler waren erst einmal begeistert, dass sie frei haben", berichtet Blumenstein. Und auch die Eltern hätten entspannt und besonnen reagiert. "Wir haben keine hektischen Anrufe bekommen und es stand am Montagmorgen niemand vor der Tür, um mit uns über die Maßnahme zu diskutieren", lobt Blumenstein. Diesen Eindruck bestätigen seine Kollegen von den anderen Burgdorfer Schulen. "Die Informationswege über Homepage, E-Mail und Schulelternrat haben gut funktioniert. Es gab anscheinend nur noch wenig Klärungsbedarf", sagt beispielsweise Saskia van Waveren Matschke, Schulleiterin der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule.
Die Notfallbetreuung sei am Montag nur zurückhaltend in Anspruch genommen worden, teilt Stadtsprecher Sebastian Kattler mit. In der Astrid-Lindgren-Grundschule und in der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule (RBG) wurde beispielsweise kein einziges Kind angemeldet; zum Gymnasium wurden zwei Schüler zur Betreuung gebracht, aber schon nach kurzer Zeit wieder abgeholt. Das liegt wohl auch daran, dass ganz klar definiert ist, welche Eltern dieses Angebot nutzen können - nämlich nur diejenigen, die in der sogenannten kritischen Infrastruktur beschäftigt sind, also beispielsweise im Gesundheitswesen, bei der Polizei oder im Bereich der Strom-, Gas- und Wasserversorgung. "Trotzdem kann es von Tag zu Tag variieren, wie viele Plätze gebraucht werden", sagt Michael Loske, der Schulleiter des Gymnasiums.
Die beiden weiterführenden Schulen, RBG und Gymnasium, haben schnell reagiert, als sich vergangene Woche die zweiwöchige Schließung abzeichnete. "Wir haben in allen Klassen noch einmal eine Einführung in die Lern- und Kommunikationsplattform iServ gegeben und die E-Mail-Verteiler aktualisiert", sagt Schulleiter Michael Loske. Ganz ähnlich ist laut van Waveren-Matschke die Gesamtschule vorgegangen. So wolle man sicherstellen, dass die Lehrer in den zwei Wochen bis zu den Ferien mit ihren Schülern in Kontakt bleiben können, betonen beide.
Die Kinder und Jugendlichen erhalten auf diesem Weg beispielsweise kleine Aufgaben, werden ermuntert, in Kleingruppen übers Internet Referate zu erarbeiten und können per Chat miteinander diskutieren. "Noch wichtiger als die fachliche Begleitung ist uns dabei aber die soziale Komponente", betont Loske. Denn vielen Kindern und Jugendlichen gebe der Schulalltag auch Orientierung, Sicherheit und Struktur.
Vor allem den Schüler der gymnasialen Oberstufe und denjenigen, die an der RGB kurz vor den Prüfungen zum Hauptschulabschluss stehen, solle das aber auch dabei helfen, am Ball zu bleiben und den Stoff weiter zu verinnerlichen. Dabei hat das Gymnasium den Vorteil, dass es dort wegen der Umstellung von G8 auf G9 zur Zeit keinen Abschlussjahrgang gibt.
An den Beruflichen Gymnasien Wirtschaft und Technik der BBS Burgdorf stehen hingegen nach den Osterferien die ersten Abiturprüfungen für die rund 70 Schüler der 13. Klassen an. "Da hätten wir die zwei Wochen natürlich gern noch für die Vorbereitung gehabt", gibt Schulleiter Reiner Behrend zu. Es werde aber niemand hängen gelassen: "Die Lehrer stehen per E-Mail in Kontakt mit ihnen und stellen ihnen Aufgabenpakete zum Selbststudium zur Verfügung", betont der Schulleiter. Ganz so viel Zeitdruck wie die Abiturienten haben die Auszubildenden vor ihrem Abschluss nicht, denn die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat ihre Prüfungen bereits verschoben.
Anders als an den allgemeinbildenden Schulen, haben an der BBS übrigens nur die 900 Vollzeitschüler frei. Die rund 2700 Auszubildenden sind hingegen verpflichtet, in dieser Zeit, in ihren Betrieben zu arbeiten. "So wie auch in den Ferien oder bei Schulausfall", erläutert Behrend.
Er selbst sehe die Situation ohnehin gelassen. "Im Großen und Ganzen ist das doch alles recht gut geregelt. Da habe ich schon ganz andere Chaoserfahrungen gemacht", sagt er. Im Rahmen von Projekten der Entwicklungshilfe habe er drei Jahre in Pakistan, fünf Jahre in Saudi-Arabien und fünf Jahre in Abu-Dhabi gearbeitet. "Vor diesem Hintergrund relativieren sich einige Problem. Ich denke, das mit der zweiwöchigen Schulschließung bekommen wir hin", so Behrend.