Kirchengemeinden wägen ab

Wann wieder Gottesdienste in der Burgdorfer Pauluskirche stattfinden, hat die Gemeinde noch nicht entschieden.
 
Sabine Preuschoff, Superintendentin des Kirchenkreises Burgdorf. (Foto: Stefan Heinze)

Gottesdienste sind von diesem Wochenende wieder erlaubt, aber vielerorts beraten die Verantwortlichen noch, ob und wie sie die Auflagen erfüllen können

BURGDORF/UETZE (fh). Gottesdienste sind in Niedersachsen jetzt wieder zugelassen – doch am morgigen Sonntag werden die Kirchengemeinden in Burgdorf und Uetze davon noch kaum Gebrauch machen. Das liegt auch an den umfangreichen Vorgaben der Landesregierung: So müssen beispielsweise Hygienemaßnahmen getroffen werden und es muss sichergestellt sein, dass Personen, die nicht zum gleichen Haushalt gehören, einen Abstand von 1,50 Metern einhalten – sowohl beim Betreten und Verlassen als auch beim Aufenthalt in der Kirche. „Die Lockerung weckt bei vielen Menschen eine gewisse Erwartungshaltung, aber wir können nicht einfach wieder alles so machen wie vorher. Für viele Gemeinden sind die Auflagen eine Herausforderung“, sagt Superintendentin Sabine Preuschoff.
Ergänzend zum Erlass und in Abstimmung mit der Landesregierung hat die Landeskirche umfangreiche Handlungsempfehlungen für die Gottesdienste veröffentlicht, in denen sie unter anderem das Tragen eines Mundschutzes fordert. Darüber hinaus solle es zunächst weder Abendmahl noch Gemeindegesang geben. „Damit müssen wir auf vieles verzichten, was einen Gottesdienst eigentlich auch ausmacht“, so Preuschoff. Gerade in kleinen Kapellen in den Dörfern könnten wegen der Abstandsregeln außerdem nur sehr wenige Besucher zugelassen werden. „Jede Gemeinde muss sich überlegen, wie sie das gewährleisten kann, ob sie beispielsweise ein Anmeldeverfahren und Platzkarten einführen will“, erläutert sie.
Im Einzelfall sei abzuwägen, ob alle Auflagen erfüllt werden können und ob man Gottesdienste in dieser Form überhaupt feiern möchte oder lieber weiter an Video-Übertragungen und anderen digitalen Angeboten festhalten wolle. „Diese Entscheidung muss jede Gemeinde für sich selbst treffen und gegebenenfalls ein Schutzkonzept entwickeln, das ihren räumlichen Voraussetzungen entspricht“, betont die Superintendentin. Sie habe die Kirchenvorstände dazu ermutigt, sich damit Zeit zu lassen und mit Ruhe und Besonnenheit darüber zu beraten. Auf keinen Fall solle die Gesundheit von Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Gemeindemitgliedern aufs Spiel gesetzt werden. „Zumal viele von ihnen zur Risikogruppe gehören“, so Preuschoff. Ihre Botschaft an die Gemeinden: „Ihr dürft jetzt wieder, aber müsst nicht sofort!“
Auch wenn Gottesdienste in den zurückliegenden Wochen untersagt waren und teilweise auch weiterhin nicht stattfinden werden, stehe das Gemeindeleben nicht still. „Kirchliche Arbeit umfasst ja viel mehr als das. Gerade die Seelsorge hat in dieser Situation eine besondere Bedeutung“, betont Preuschoff. Außerdem hätten die Gemeinden viele kreative Alternativen entwickelt, um weiterhin für die Menschen da zu sein. „Trotzdem habe ich aber wieder Sehnsucht nach Gemeinschaft und freue mich deshalb, dass wir nun wieder vor Ort Gottesdienste feiern dürfen“, sagt Preuschoff.
Vorstellbar seien beispielsweise häufigere kürzere Andachten anstelle eines langen Gottesdienstes, einerseits um mehr Menschen den Besuch zu ermöglichen, andererseits weil das Infektionsrisiko bei längeren Zusammenkünften höher sei. Gerade in den Sommermonaten seien auch Freiluftgottesdienste möglich, bei denen es leichter sei, Abstand zu halten, und die Ansteckungsgefahr geringer sei als in geschlossenen Räumen. Auch der Kirchenkreis wolle in den kommenden Wochen noch weitere Ideen entwickeln und die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden fördern, um sich gegenseitig zu helfen.

Das sagen die Kirchengemeinden in Burgdorf und Uetze:

* St. Pankratius Burgdorf
Die St.-Pankratius-Gemeinde bietet am 10., 17. und 24. Mai weiter Video-Gottesdienste an, die auf der Internetseite www.pankratius.de veröffentlicht werden. Voraussichtlich am 13. Mai entscheidet das Pfarramt zusammen mit dem Kirchenvorstand, wann, wo und in welcher Form es wieder Gottesdienste geben soll. Die Kirche auf dem Spittaplatz steht ab Ende Mai wegen der Orgel- und Innenraumsanierung nicht zur Verfügung. „Wir werden Gottesdienste feiern und freuen uns darauf! Aber wir werden vermutlich an verschiedenen Orten feiern: Dann und wann weiterhin im Internet, mal im Gemeindehaus an der Lippoldstraße und wahrscheinlich viel öfter draußen in den kommenden Sommermonaten“, sagt Pastor Dirk Jonas.

* St. Paulus Burgdorf

Der Kirchenvorstand der St.-Paulus-Gemeinde hat gestern über das weitere Vorgehen beraten (nach Redaktionsschluss). Bis zum 13. Mai soll es einen Austausch mit den anderen evangelischen Gemeinden geben. „Die Sonntagsgottesdienste in den Kirchen leben ganz wesentlich davon, dass Menschen sich begegnen. Das ist ein Dilemma: Wie feiert man ein Kontaktgeschehen in Zeiten der Kontaktbeschränkung?“, überlegt Pastor Matthias Paul. Es gelte nun zu erörtern, was unter Beachtung der Auflagen möglich sei. Auch eine gewisse Selbstbeschränkung der Kirchengemeinden zieht er in Betracht – also eventuell nicht alle Möglichkeiten auszureizen. „Wir müssen uns überlegen, wie wir mit den übrigen ‚Leidtragenden‘, zum Beispiel den Theatern und anderen Kultureinrichtungen solidarisch bleiben“, gibt er zu bedenken.

* Kath. St.-Nikolaus-Gemeinde Burgdorf

Bis auf weiteres feiert die St.-Nikolaus-Gemeinde keine öffentlichen Gottesdienste. Immer sonntags ab 12 Uhr wird auf der Internetseite www.st-nikolaus-burgdorf.de eine Messe übertragen. Am morgigen 10. Mai wird ab 10 Uhr ein Gottesdienst für die Erstkommunionkinder bereitgestellt. Über das künftige Vorgehen werden die Gemeindegremien entscheiden.

* Martin Luther Ehlershausen-Ramlingen-Otze
Am morgigen Sonntag findet in der Martin-Luther-Gemeinde Ehlershausen-Ramlingen-Otze zunächst kein Gottesdienst statt. Der Kirchvorstand wird demnächst beraten, wann und wie das wieder möglich wäre. Das Vorgehen soll bis zum 13. Mai mit den anderen evangelischen Gemeinden abgestimmt werden.

* Hänigsen-Obershagen

Die Gemeinde Hänigsen-Obershagen will bis Ende August keine Gottesdienste in den Kirchen und Kapellen anbieten. „Wir teilen die Sehnsucht vieler Menschen, dort zusammenzukommen und miteinander zu feiern, können die damit verbundenen Auflagen in unseren Gebäuden gegenwärtig aber nicht im vollen Umfang erfüllen“, begründet Pastor Steffen Lahmann. Weiterhin sollen auf der Internetseite www.kirche-haenigsen-obershagen.de wöchentlich Andachten in Text und Film zur Verfügung gestellt werden.

* Dollbergen-Schwüblingsen

Am morgigen Sonntag, 10. Mai, feiert die Kirchengemeinde Dollbergen-Schwüblingsen zunächst keinen Gottesdienst. Gestern Abend hat der Kirchenvorstand über das weitere Vorgehen beraten (nach Redaktionsschluss). „Dabei müssen wir in Betracht ziehen, dass unsere Gemeinde zwei sehr kleine Kirchen hat“, sagte Pastor Tibor Anca vor der Besprechung.

*Uetze-Katensen

Die Gemeinde Uetze-Katensen will die Gottesdienstpause zunächst um etwa vier Wochen verlängern, da sie den gesundheitlichen Schutz der Teilnehmer aktuell nicht gewährleisten könnte. Deshalb werden unter anderem der Himmelfahrtsgottesdienst am 21. Mai und die Jubiläumskonfirmation am 7. Juni abgesagt. Zum Pfingstfest wollen die Gemeinden Uetze-Katensen und Dollbergen-Schwüblingsen einen Video-Gottesdienst bei Youtube einstellen. Außerdem sollen Gottesdienste in veränderter Form im Freien angeboten werden. Der Kirchenvorstand wird diese Entscheidung immer wieder überprüfen.

* Dedenhausen-Eltze
Am morgigen Sonntag, 10. Mai, feiert die Kirchengemeinde Dedenhausen-Eltze ab 9 Uhr einen Freiluft-Gottesdienst vor der St.-Urban-Kirche, Unter den Eichen 9, in Dedenhausen.