Kinderschutzbund eröffnet Bastelladen

Freuen sich auf die Eröffnung des Bastelladens unter Regie des Kinderschutzbundes: Annegret Lange-Kreutzfeldt (von links), Aleksandra Stasiak, Svenja Schüler, Alexander Dedden und Sabine von Echten.
 
Im Bastelladen finden Kunden eine Fülle an Objekten aus Holz und Pappmaché, die nach Herzenslust gestaltet werden können.
 
Der Bastelladen wird auch künftig eine Vielzahl von Kleinigkeiten für kreative Projekte aller Art anbieten.

Sozialer Zweckbetrieb soll jungen Menschen berufliche Perspektiven bieten

Burgdorf (fh). Ob bunter Tonkarton, lustige Wackelaugen oder glitzernde Perlen und Pailletten - all das haben Familien mit Kindern und Hobby-Bastler bis Oktober im Bastelladen Queck an der Hannoverschen Neustadt 40 bekommen. Rund fünf Monate nach der Schließung des Traditionsgeschäftes gab es am Dienstag, 1. März, jetzt ein Comeback unter neuer Regie. Der Kinderschutzbund Burgdorf hat den Bastelladen als sozialen Zweckbetrieb wiedereröffnet. "Wir wollen damit keinen Gewinn machen, sondern Menschen eine berufliche Perspektive eröffnen, die auf dem Arbeitsmarkt sonst kaum eine Chance haben", erläutert Annegret Lange-Kreutzfeldt vom Kinderschutzbund.
Der Verein ist schon seit langem Träger sogenannter Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose, früher auch Ein-Euro-Jobs genannt. "Zu den Einsatzorten gehören unsere Mensen in der Grundschule Burgdorf und in der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule, der Gärtnerbauhof der Stadt, die Fahrradwache am Bahnhof, der VVV und der Nachbarschaftstreff Ostlandring", zählt Alexander Dedden vom Kinderschutzbund auf. Bereits zwölf Menschen sei der Übergang aus diesen Maßnahmen in eine Festanstellung beim Kinderschutzbund gelungen. "Sie arbeiten jetzt zum Beispiel im Kleiderladen, im Büro, in den Mensen, in unserem Kinderspieltreff, in der offenen Ganztagsschule und im Nachbarschaftstreff", so Lange-Kreutzfeldt. Einige seien bereits seit mehr als zehn Jahren dabei und hätten sogar Teamleitungen übernommen.
Dieses Erfolgsmodell wolle der Kinderschutzbund mit dem Bastelladen nun weiter ausbauen. "Gerade für junge Menschen bietet sich dort die Chance auf eine höher qualifizierte Ausbildung", betont Lange-Kreutzfeldt. Aber auch für die Arbeitsgelegenheiten sei das eine Bereicherung. "An den Einsatzorten gibt es oft nur ein begrenztes Stundenkontingent, sodass bei Bedarf auch mehrere Tätigkeiten kombiniert werden können. Durch den Bastelladen wird das Spektrum noch abwechslungsreicher und interessanter", sagt sie. Von den Kunden wünsche sie sich Verständnis für diese Menschen, auch wenn sie sich nicht immer entsprechend der gesellschaftlichen Erwartungen verhielten. "Ein scheinbar unfreundliches Verhalten resultiert oft einfach aus Unsicherheit", so Lange-Kreutzfeldt. Viele bräuchten Zeit, um sich in die Strukturen einzufinden und Selbstvertrauen zu gewinnen.
Sie habe für den Kinderschutzbund regelmäßig beim Bastelladen Queck eingekauft. Als sie von der bevorstehenden Schließung hörte, sei ihr sofort der Gedanke in den Sinn gekommen, dass der Kinderschutzbund das Geschäft übernehmen könnte. "Es bot sich einfach an, weil es gleich neben unseren Büros und unserem Kleiderladen liegt", begründet sie. Auch inhaltlich passe das Thema Basteln gut zum Kinderschutzbund. "Und nicht zuletzt wollten wir das Burgdorfer Traditionsgeschäft auch gern erhalten", sagt Lange-Kreutzfeldt.
Doch zunächst galt es einige Hürden zu überwinden. "Wir mussten vor allem rechtlich klären, ob wir als gemeinnütziger Verein überhaupt ein solches Geschäft führen können und was dabei zu beachten ist", erläutert sie. Und auch finanziell sei das Projekt für den Kinderschutzbund eine große Herausforderung. "So ein Risiko sind wir bisher noch nie eingegangen. Wir hatten alle ganz schön Bauchschmerzen", sagt Lange-Kreutzfeldt. Doch Familie Queck habe sie bei dem Vorhaben von Anfang an ermutigt und unterstützt. "Sie haben uns eine hohe Wertschätzung entgegengebracht und unglaublich geholfen", betont sie.
Ganz seien die Unsicherheiten auch jetzt noch nicht verschwunden. "Schließlich hängt alles davon ab, ob die Burgdorfer das Geschäft wieder annehmen", sagt sie. Doch mittlerweile überwiege der Optimismus. "Seit wir hier umbauen und die Waren einräumen, klopfen immer wieder an die Passanten an die Tür und fragen ob sie schon etwas kaufen können oder wann wir endlich eröffnen", beschreibt sie.
Während der fünfmonatigen Pause habe der ein oder andere seinen Bastelbedarf sicherlich online bestellt, doch sie sei zuversichtlich, dass die Kunden wieder zurückkehrten. "Im Internet kann man zwar alles bekommen, aber dort werden die Utensilien meist nur packungsweise verkauft oder es gibt eine Mindestabnahmemenge. Unser großer Vorteil ist es, dass wir all die Kleinigkeiten, die man zum Basteln braucht, auch einzeln anbieten können", betont Lange-Kreutzfeldt. Ziel sei es, weiterhin eine große Auswahl für Familien, Schulen, Kitas und Hobby-Bastler zu bieten.
Hauptziel für die ersten Monate sei es deshalb, erst einmal, den Laden zum Laufen zu bringen. Dabei kommt Sabine von Echten eine entscheidende Rolle zu. Sie war langjährige Mitarbeiterin beim Bastelladen Queck und wurde jetzt vom Kinderschutzbund übernommen. "Wir sind froh, dass wir sie mit an Bord haben. Ohne ihren Erfahrungsschatz würden wir das nicht schaffen", sagt Lange-Kreutzfeldt. Im April kommt noch ein Mitarbeiter dazu, der sich vor allem um den betriebswirtschaftlichen Part kümmert. Für eine enge Verbindung zwischen dem Bastelladen und dem Kinderschutzbund soll Aleksandra Stasiak sorgen, die aktuell für das Büromanagement beim Kinderschutzbund zuständig ist.
Ergänzt wird das neue Team des Bastelladens durch Svenja Schüler. Sie absolviert ein Studium im Bereich Soziale Arbeit und wird sich deshalb insbesondere um die Begleitung der Langzeitarbeitslosen in den Maßnahmen kümmern sowie perspektivisch auch um die Auszubildenden. Der erste Ausbildungsplatz soll voraussichtlich ab August 2023 angeboten werden. "Wir brauchen erst einmal ein bisschen Zeit, bis sich alles eingespielt hat", begründet Lange-Kreutzfeldt.
In den zurückliegenden Wochen ist in dem Geschäft schon eine Menge passiert. Der Tresen ist bereits rot gestrichen und mit dem Markenzeichen des Kinderschutzbundes versehen - dem stilisierten fröhlichen Gesicht. Einige kleine Renovierungsarbeiten sind noch im Gange und Sabine von Echten sortiert mit ihrem Team die letzten Lieferungen von Bastelmaterialien in die Regale ein. Am 1. März öffnen sie dann erstmals die Türen für die Kunden. Er wird künftig montags bis freitags durchgehend von 10 bis 18 Uhr öffnen sowie samstags von 10 bis 14 Uhr.