Kinder bewerten Spielplätze

Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Christiane Gersemann (von links), Bürgermeister Armin Pollehn, Karin Goldmann vom Familienservicebüro und Stefanie Riessler von der Tiefbauabteilung stellen die Ergebnisse des "Spielplatzchecks" vor und wollen Kinder künftig stärker beteiligen.

Das Familienservicebüro der Stadt will Mitsprache der jüngsten Burgdorfer fördern

Burgdorf (fh). Schaukel, Rutsche oder doch lieber ein Klettergerüst? Wenn die Stadt Burg­dorf einen Spielplatz erneuert und alte Geräte austauscht, will sie dabei künftig auch die Kinder in die Entscheidung einbeziehen. Einen Anfang hat Karin Goldmann vom Familienservicebüro in diesem Jahr mit der Aktion „Spielplatzcheck“ gemacht. Dabei haben Kinder im Alter von zweieinhalb bis zwölf Jahren von Juli bis Oktober 24 der 53 städtischen Spielplätze bewertet und insgesamt 58 ausgefüllte Fragebögen abgegeben. „Zum Teil ist erkennbar, dass sie von mehreren zusammen bearbeitet worden, sodass insgesamt vermutlich noch deutlich mehr Kinder teilgenommen haben“, sagt Goldmann.
Auf einigen Spielplätzen wünschen sie sich einfach ein paar weitere Mülleimer oder generell mehr Sauberkeit. Aber vor allem haben sie viele ganz konkrete Wünsche für zusätzliche Geräte: zum Beispiel eine Seilbahn, ein Trampolin oder eine Drehscheibe. Und die Antworten zeigen, dass es gar nicht immer etwas ganz Neues, Spektakuläres sein muss: Unter die Frage, was ihm auf dem Spielplatz am Duderstädter Weg besonders gut gefalle, hat ein elfjähriger Junge zum Beispiel geschrieben: „Das Karussell von damals.“ Und trotz des tollen roten Feuerwehrautos wünscht sich auch auf dem Spielplatz an der Gartenstraße ein Kind „das alte Gerüst“ zurück.
Doch ganz besonders stark ist dieses Phänomen beim großen Spielplatz am Tiefenwiesenweg im Stadtpark ausgeprägt. „Da trauern ganz viele dem großen Rutschenturm hinterher“, hat Stefanie Riessler von der Tiefbauabteilung festgestellt. Diesen Wunsch wolle sie den Kindern gern erfüllen. „Aufgrund seiner Größe und der schönen Lage hat dieser Spielplatz für viele Familien einen besonderen Stellenwert, auch als Ausflugs­ziel am Wochenende“, begründet sie. Wenn möglich, wolle sie das schon im Laufe der nächsten zwei Jahre angehen. „Da im Doppelhaushalt dafür aber kein Budget eingestellt ist, müssen wir schauen, ob und wie wir das zeitnah finanzieren können“, dämpft sie allzu große Erwartungen.
Auch sonst könnten die Wünsche nicht alle sofort erfüllt werden, sie sollen bei künftigen Spielplatzsanierungen aber berücksichtigt werden. Die Fragebögen seien dabei nur als erster Schritt zu verstehen. „Wenn künftig ein Spielplatz erneuert werden soll, möchte ich am liebsten auch Workshops veranstalten, an denen sich zum Beispiel Kinder aus der Nachbarschaft beteiligen können“, beschreibt Goldmann die Zielrichtung. Dort sollen sie dann auch ganz konkrete Infos an die Hand bekommen, zum Beispiel wie viel Geld zur Verfügung steht, wie viel die Geräte kosten und was technisch überhaupt umsetzbar ist. „Dann können sie sich auf einer ganz anderen Ebene in die Diskussion einbringen“, so die Leiterin des Familienservicebüros.
Schließlich gehe es bei der Beteiligung von Kindern nicht darum, dass sie immer ihren Willen bekommen. „Es gehört auch zur Persönlichkeitsbildung, dass man sich nicht immer durchsetzen kann. Wichtig ist vor allem, dass sie sich ernst genommen fühlen“, betont Goldmann. Die Beteiligungsmöglichkeiten sollen übrigens nicht auf Spielplätze beschränkt bleiben, sondern seien auch in vielen anderen Bereichen möglich. Das lote sie gerade gemeinsam mit der Stadtjugendpflege und dem Kinderschutzbund aus.
Bürgermeister Armin Pollehn lobt diesen Ansatz: „Das ist für die weitere Entwicklung der Stadt wichtig, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes!“ Denn durch solche Partizipationsangebote könnten die Werte und Möglichkeiten der Demokratie an die nächste Generation weitergegeben werden. „Es geht darum, gemeinsam um Dinge zu ringen und Kompromisse zu schaffen“, betont er.