Kein Zeitplan für Raupers Hof

Politiker des Otzer Ortsrates und des Bauausschusses sowie interessierte Bürger haben gemeinsam die ehemalige Hofstelle Raupers besichtigt, um sich vor Ort über das Bauvorhaben zu informieren.

Bauausschuss setzt Projekt auf die Prioritätenliste: Wann die Stadt einen Bebauungsplan für die geplante Einfamiliensiedlung im Süden des Grundstücks aufstellt, ist aber weiter ungewiss

OTZE (fh). Die geplante Wohnbausiedlung auf der ehemaligen Hofstelle Raupers in Otze wird für die Investoren Jens Saatmann und Dominik Semrau zur Hängepartie: Auch nach einer gemeinsamen Sitzung des Otzer Ortsrates und des Bauausschusses am Montagabend ist weiter ungewiss, wann sie mit dem Bau der Einfamilienhäuser im südlichen Teil des Grundstücks beginnen können. Denn anders als für die Mehrfamilienhäuser im Norden brauchen sie nach Einschätzung der Stadtverwaltung für diesen Bereich einen Bebauungsplan. Das kostet Zeit.
Damit es vorangeht, hatte die CDU-Ortsratsfraktion den Antrag gestellt, diesen Prozess mit oberster Priorität voranzutreiben und umgehend Maßnahmen zur Aufstellung des Bebauungsplans einzuleiten. Diese Forderung haben die Politiker im Bauausschuss nun deutlich abgeschwächt. Sie empfahlen einstimmig, das Projekt auf die Prioritätenliste aufzunehmen - allerdings in den sogenannten "weißen Bereich", also ohne ihr einen Vorrang innerhalb der Liste zu zuweisen.
Dieser Entscheidung war eine kontroverse, teils auch emotionale Debatte vorausgegangen. Strittig war vor allem, welche Stellung dieses Projekt im Vergleich zu anderen Bauvorhaben einnehmen sollte. Der SPD-Politiker Karl-Heinz Dralle, der sowohl Mitglied im Ortsrat als auch im Bauausschuss ist, brachte dabei eine alte Forderung nach einem Baugebiet am Friedhofsweg wieder ins Spiel. "Dafür gibt es bisher keine konkreten Pläne und keine Investoren. Der Reifegrad des Projektes auf Raupers Hof ist hingegen weit fortgeschritten", hielt Ortsbürgermeisterin Ulla Träger entgegen. Es biete die Chance, zeitnah zusätzlichen Wohnraum in Otze zu schaffen. CDU-Ratsherr Klaus Köneke wurde noch deutlicher: "Es macht keinen Sinn eine Baustelle mit Bruchmaterial liegen zu lassen, um dann eventuell ein ganz neues Baugebiet zu entwickeln." Das Vorhaben der beiden Investoren überzeuge ihn, weil es den dörflichen Charakter erhalte.
Wie lange die Stadtverwaltung braucht, um alle Baumaßnahmen abzuarbeiten, die dort aufgeführt werden, ist derzeit nicht absehbar. "Wenn sich das über fünf bis sieben Jahre hinziehen sollte, wäre das für uns wirtschaftlich nicht darstellbar", kritisierte Jens Saatmann. Gemeinsam mit Dominik Semrau hatte er im Frühjahr 2018 den Zuschlag für das Grundstück erhalten. Ursprünglich peilten die beiden einen Baubeginn im Mai dieses Jahres an. Damals hatten sie nicht damit gerechnet, dass sie auch eineinhalb Jahre später noch immer auf den Startschuss warten würden.
Nun hoffen sie darauf, zumindest bald mit dem Bau der Mehrfamilienhäuser im Norden des Grundstücks beginnen zu können. Nach Einschätzung der Stadt ist dort kein Bebauungsplan erforderlich. Weil dieser Bereich schon jetzt deutlich dichter bebaut sei als der südliche Teil des Grundstücks und sich der Entwurf der Projektplaner gut in den Bestand einfüge, greife dort Paragraph 34 des Baugesetzbuches. Er erlaubt unter bestimmten Bedingungen neue Vorhaben innerhalb einer bestehenden Bebauung zu realisieren. "Den Antrag haben wir vor rund drei Monaten eingereicht, eine Genehmigung wurde uns aber noch nicht erteilt", sagt Semrau und ergänzt: "Wir sind bereit. Sobald sie vorliegt, können wir starten."
Der Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Andreas Fischer, bezeichnete die Empfehlung des Bauausschusses im Anschluss an die Sitzung als wichtiges Signal an die Verwaltung. Zumal dem letztlich die Politiker aller Fraktionen zustimmten. "Niemand hat das Vorhaben grundsätzlich in Frage gestellt", betonte er. Wie schnell es jetzt vorangehe, hänge davon ab, wann laufende Projekte abgeschlossen werden könnten, sodass wieder Kapazitäten frei würden. Dabei spiele auch eine Rolle, bis wann die Verwaltung geeignete Bewerber für die neu geschaffenen Stellen beispielsweise in der Gebäudewirtschaft finde. Die Politik habe dann aber das letzte Wort, ob die Mitarbeiter tatsächlich tätig werden sollen.
Und das wollen Jens Saatmann und Dominik Semrau, die als S&S Projektentwicklung firmieren, auf Raupers Hof umsetzen: Im nördlichen Teil des Grundstücks sollen drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt mindestens 18 Wohnungen entstehen. Mit jeweils zwei Geschossen plus ausgebautem Dachgeschoss fügten sie sich gut in die Nachbarbebauung ein. Für die Autos ist eine Tiefgarage vorgesehen, sodass überirdisch keine Parkplätze eingeplant werden müssen. Im südlichen Teil des Grundstücks sollen sich sieben bis zehn Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften anschließen. "Wichtig ist es uns dabei, den dörflichen Charakter zu erhalten“, erläutert Dominik Semrau. Mit Klinkern und roten Dachziegeln solle das Thema der alten Hofstelle aufgegriffen werden. „Einerseits wollen wir modernen familienfreundlichen und barrierefreien Wohnraum schaffen, anderseits einen Teil der alten Gebäude in das Konzept integrieren“, so Semrau.