Kassenbons mit Zaubertinte?

In der "Jugend forscht"-AG ermutigt Lehrerin Milena Ulbricht (rechts) ihre Schüler Julius und Celina zum eigenständigen Forschen.
 
Mit der Stereo-Lupe analysiert Julius das Schriftbild auf unterschiedlichen Papierarten.

Drei Schüler der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule arbeiten an Projekten für "Jugend forscht"

Burgdorf (fh). Konzentriert schaut Julius Vogel durch die Stereo-Lupe. „Hier ist das Schriftbild etwas besser“, sagt er schließlich. Er hat einen Text mit Tintenstrahl- und Laserdrucker auf unterschiedlichen Papierarten ausgedruckt und vergleicht jetzt die Ergebnisse. Nach den Sommerferien kommt Julius in die achte Klasse der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule und will in der „Jugend forscht“-AG dann weiter an seinem Projekt arbeiten.
Im vergangenen Schuljahr hat er mit einer Reihe von Experimenten untersucht, ob sich Papier aus Ananasfasern als Tapete eignet. Diese Idee ist nicht nur beim Regional- und Landesentscheid von „Jugend forscht“ gut angekommen – vor den Sommerferien hat Julius die Nachricht bekommen, dass er auch beim Bundesumweltwettbewerb (BUW) einen Förderpreis erhalten hat. „Er hatte sich erst kurz vor der Abgabefrist entschieden, sein Projekt dort einzureichen und dafür in einer Nacht-und-Nebel-Aktion extra noch mal ein neues Fazit geschrieben, in dem er den Fokus stärker auf den Aspekt der Nachhaltigkeit gelegt hat“, sagt seine Lehrerin Milena Ulbricht, die die „Jugend forscht“-AG leitet.
Die Jury hat ihm jetzt empfohlen, sein Projekt fortzuführen und dabei weitere Fragen in den Blick zu nehmen. Und genau das hat Julis vor. Jetzt will er herausfinden, ob sich Ananaspapier auch zum Drucken eignet und welche anderen ökologischen Alternativen es gibt. „Vielleicht kann man das ja sogar für Kassenbons nutzen“, überlegt Julius. Schließlich seien die wegen ihrer Beschichtung besonders umweltschädlich.
Dabei gibt es allerdings gleich noch eine Herausforderung für den Nachwuchsforscher. Denn Supermarktkassen sind mit sogenannten Thermodruckern ausgestattet: Die Schrift entsteht dadurch, dass die Beschichtung an den entsprechenden Stellen erhitzt wird und sich verfärbt. Dieses Prinzip erinnerte ihn an einen alten Trick aus Detektiv-Geschichten. „Da werden manchmal Geheimbotschaften mit Zitronensaft geschrieben. Wenn er getrocknet ist, sieht man den Text nicht mehr. Erst wenn man ihn zum Beispiel mit einem Bügeleisen erhitzt, wird er wieder sichtbar“, erklärt Julius.
Und so war gleich die nächste Forschungsfrage gefunden: Lassen sich aus Ananaspapier mit Zitronensaft-Beschichtung ganz natürliche Kassenbons herstellen? „Bisher hat das leider nicht geklappt. Vielleicht ist der Thermodrucker dafür einfach nicht heiß genug“, vermutet Julius. Aufgeben will er deshalb aber trotzdem nicht und sucht stattdessen nach Alternativen.
Und nicht nur Julius will weiter machen. Auch seine beiden Mitschülerinnen Celina Bosse und Veronika Kurilov sind schon wieder mit Eifer bei der Sache. Sie hatten vergangenes Jahr ebenfalls erfolgreich am Jugend-forscht-Wettbewerb teilgenommen. Zu dritt holten sie sogar den Schulpreis an die RBG. Veronika will nach den Sommerferien ihr Projekt zum Pflanzenwachstum weiterentwickeln, an dem sie jetzt schon seit zwei Jahren arbeitet. „Im vergangenen Jahr hat sie mit ihren Versuchsreihen nachgewiesen, dass Pflanzen spüren, wo oben und wo unten ist. Jetzt will sie genauer untersuchen, ob sie das mit ihren Wurzeln oder einem anderen Pflanzenteil machen“, verrät Ulbricht.
Und Celina geht wieder einer Frage aus ihrem eigenen Alltag nach. Im vergangen Jahr hatte sie die Wirkung von Hefe und Backpulver verglichen. „Die Idee ist mir gekommen, weil ich mit meiner Mutter Kuchen backen wollte und wir mitten im Lockdown nirgends Hefe finden konnten“, erinnert sie sich. Jetzt will sie sich mit Fleischersatzprodukten beschäftigen. „Das interessiert mich, weil ich seit über einem Jahr Vegetarierin bin“, begründet sie. Dafür will sie unter anderem Inhaltsstoffe, Preis und Verpackung vergleichen.