Junggesellen küren 'jüngsten' Vater

Junggesellenchef Carsten Hoffmann (links) und Renate Bötticher vom gleichnamigen Schaustellerbetrieb (3. von links) überreichten dem jüngsten Vater der Junggesellen René Broka und seiner Frau Mia einen riesigen Teddy. Ihre Tochter Mila kam am 9. Juni zur Welt. (Foto: Holger Staab)
 
Die Schützen aus Burgdorf erinnerten bei der Totenehrung beim Zapfenstreich am vergangenen Donnerstag an ihre Mitglieder, die im vergangenen Schützenjahr verstorben sind. (Foto: Holger Staab)

Zum Auftakt des Schützenfestes erhielten René und Mia Broka einen großen Plüsch-Teddy, weil ihre Tochter Mila am 9. Juni zur Welt kam

BURGDORF (st). Die Mitglieder der Junggesellencorporation haben am ersten Schützenfesttag wieder eine ganz besondere Auszeichnung vergeben: Sie haben traditionell ihren "jüngsten" Vater gekürt. Dabei ist nicht das Alter ausschlaggebend, sondern entscheidend ist, welches Kind als letztes vor dem Schützenfest das Licht der Welt erblickt hat. Das Rennen haben diesmal René Broka und seine Frau Mia gemacht. Ihre Tochter Mila kam gerade einmal knapp zwei Wochen vor dem Schützenfest, am 9. Juni, zur Welt. Der Schaustellerbetrieb Dirk Bötticher hat traditionell einen großen Teddy für die jungen Eltern und ihren Nachwuchs gestiftet.
"Es gab schon Jahre, in denen von einem zum anderen Schützenfest kein einziger Junggeselle Vater geworden ist und wir die Auszeichnung deshalb aus der Not heraus an einen der Opas vergeben haben", sagt Thorsten Volkmann. Um so mehr freut er sich, dass in diesem Jahr gleich fünf Mitglieder der Korporation Nachwuchs bekommen haben. So war es noch lange spannend geblieben, wer den Teddy am Ende abstauben würde..
Schon einige Stunden zuvor war das Schützenfest am frühen Donnerstagabend mit dem traditionellen Bierfassanstich eröffnet worden. Seitdem herrscht in Burgdorf Jubel, Trubel und Heiterkeit und das soll auch noch bis zum Schützenfestkehraus in der Nacht auf Montag so bleiben. Drei Musikzüge machten am Donnerstag den Anfang, denn sie sorgten mit Platzkonzerten an drei Stellen in Burgdorf dafür, dass die Bürger, wenn sie es nicht schon längst wussten, auf das Schützenfest aufmerksam wurden.
Am Nachmittag sorgten viele Kinder im Festzelt bereits für eine kleine Party und der seit Freitag vor dem Fest bereits bekannte Kinderkönig wurde proklamiert. Mit allerlei Spielen und Mitmachaktionen wurde unter den Kids für gute Laune gesorgt und so war der Nachmittag unbeschwert und auch die Schausteller auf dem Festplatz kamen auf ihre Kosten.
Im Anschluss daran bekam der langjährige Bürgermeister der Stadt, Alfred Baxmann, voraussichtlich letztmals die Ehre zusammen mit dem Vorsitzenden der Burgdorfer Schützengesellschaft, Jörg Hoppe, den Fassbieranstich und damit den offiziellen Start des Volksfestes durchzuführen. Auch in diesem Jahr schafften die beiden das ohne nennenswerte Bierverluste und mit trockenen Kleidern. Nun konnte das Bier in Strömen fließen, aber nur in die Gläser und erst danach in die Kehlen der durstigen Burgdorfer.
Mit dem Zapfenstreich ging es anschließend mit dem nächsten Tagesordnungspunkt weiter. Obwohl der Zapfenstreich mit Totenehrung, der Serenade und dem Singen der deutschen Nationalhymne vor dem alten Rathaus eine durchaus ernste Angelegenheit ist, merkte man zunächst noch die Freude der zahlreichen Schützen über die bis Sonntag bevorstehenden Festlichkeiten an. Dann aber hatten die Schützen zu diesem Festakt wieder einmal Pech mit dem Wetter, denn genau zur Nationalhymne ergoss sich ein Schauer über die Marktstraße und trockenen Fußes erreichte niemand das Festzelt. Nach dem Deutschlandlied befahl der Kommandeur, Rolf Hoppe: „Es geht bitte jeder mit schnellem Schritt ins Zelt.“ Das befolgten die Teilnehmer, Ratsmitglieder und Musikzüge auch umgehend, nur der Fanfarenzug Wikinger ließ es sich nicht nehmen, trotzte dem Wetter und marschierte mit Melodie zum Schützenplatz.
Die Stimmung im Festzelt am späten Abend war dann wieder mal klasse und viele alteingesessenen Burgdorfer, aber auch viele Gäste feierten bis tief in die Nacht und machten aus dem Festzelt ein Partyzelt.
Für die Schützen war aber am frühen Freitagmorgen die Nacht schon wieder beendet, denn nach dem Wecken mit den unüberhörbaren sechs Böllerschüssen in den Auewiesen wurde schon am Vormittag marschiert. Außerdem standen das Königsessen und das Königsschießen auf dem Programm. Am Schießstand sollten die neue Königin und der Auflage- und Freihandkönig ausgeschossen und dann am Abend proklamiert werden (Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor).
Am heutigen Samstag werden die Kreiskönige im Schützenheim an der Bleiche ausgeschossen und am morgigen Sonntag endet das Schützenfest 2019 nach dem großen Schützenausmarsch am Abend mit dem Festball. Es lohnt sich für alle Burgdorfer Bürger, dabei zu sein, denn der Umzug mit viel Musik wird farbenprächtig sein und die Schützengesellschaft hat zusammen mit den Schaustellern den Festplatz attraktiv gemacht, auch wenn es immer schwieriger wird, neue Fahrgeschäfte nach Burgdorf zu holen. Die Kosten für Personal und die Fahrgeschäfte werden immer höher und das Geld für Spaß und Vergnügen sitzt bei vielen Bürgern nicht mehr so locker, wie es einmal war.