Jugendliche arbeiten zusammen

Eigentlich gehören die regelmäßigen Treffen des Regions-Jugend-Treffs für Christopher (von links), Florian und Leona dazu. Wegen des Coronavirus kommunizieren sie jetzt aber in aller erster Linie per Telefon und Internet.
 
Jugendliche aus Burgdorf und Ehlershausen engagieren sich im Regions-Jugend-Treff. Große Treffen so wie im vergangenen Sommer (unser Foto) finden im Moment wegen des Coronavirus zwar nicht statt, dafür planen sie jetzt per Telefon und Internet neue Projekte. (Foto: privat)

Weil die Gottesdienste ausfallen, veröffentlicht der Regions-Jugend-Treff über einen Instagram-Kanal kleine Andachten

BURGDORF/EHLERSHAUSEN (fh). Ob Konfirmandenfreizeiten, Ferienangebote oder Kinderdiscos - die Jugendarbeit hat in den Burgdorfer Kirchengemeinden St. Pankratius, St. Paulus und Martin Luther Ehlershausen eine lange Tradition. Bis vor kurzem gab es aber nur selten gemeinsame Projekte und Aktionen. "Wir hatten sogar öfter mal Parallel-Veranstaltungen, haben uns also gegenseitig Konkurrenz gemacht", beschreibt Florian. Seit seiner Konfirmation vor vier Jahren ist er in der im Jugendmitarbeiterkreis (Jumak) von St. Paulus aktiv.
Und je länger er dabei war, desto mehr störte ihn die strikte Trennung zwischen den drei Gemeinden. "Schließlich besuchen ja fast alle Jugendlichen aus dem Stadtgebiet entweder das Gymnasium oder die Integrierte Gesamtschule. Warum soll man sich dann nicht auch gemeinsam in der Kirche engagieren?", argumentiert der 18-Jährige. Mit diesem Wunsch war er nicht alleine und so wurde im vergangenen Sommer der Regions-Jugend-Treff (RJT) gegründet.
Etwa zehn bis 15 Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren sind in der Gruppe aktiv. Alle zwei Monate treffen sie sich, um sich auszutauschen und Veranstaltungen zu planen – zumindest normalerweise. „Unsere jüngste Sitzung haben wir wegen des Coronavirus abgesagt und stattdessen eine Telefonkonferenz geschaltet“, erzählt Florian.
Schnell sei dabei ein neues Projekt ins Leben gerufen worden: Weil im Moment Gottesdienste und viele andere kirchliche Angebote ausfallen, haben sie einen Instagram-Kanal mit dem Titel „drahtzugott“ eingerichtet. „Dort wollen wir jetzt regelmäßig Gebete, Bibelstellen oder kleine Andachten veröffentlichen – immer mit einem passenden Bild dazu“, erläutert Christopher, der sich in der Jugendarbeit der St.-Pankratius-Gemeinde engagiert.
Für den neuen Instagram-Kanal will er selbst zwar nicht unbedingt Inhalte liefern, aber mit seinem Fachwissen technisch unterstützen. Denn der 19-Jährige absolviert ein duales Informatik-Studium in Wolfenbüttel, kennt sich mit Computer-Anwendungen also aus. Obwohl er nicht mehr in Burgdorf wohnt, kommt er noch immer so oft es geht, zu den Treffen des Regions-Jugend-Treffs und des Jugendmitarbeiterkreises.
Eigentlich haben gerade auch die persönlichen Begegnungen einen hohen Stellenwert für ihn und die anderen Jugendlichen: Sie treffen sich zum gemeinsamen Kochen, Spiele- oder Filmabend und natürlich für die Sitzungen im großen Plenum und in einzelnen Arbeitsgruppen. In der gegenwärtigen Situation sei es ihnen aber wichtig, einen Beitrag zu leisten, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen oder zu verlangsamen. Deshalb kommen sie auch nicht mehr in der großen Gruppe zusammen, sondern kommunizieren hauptsächlich über Telefon und Internet.
Seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr haben sie schon zu zwei gemeinsamen Kinderdiscos eingeladen und Ende Februar erstmals zu einem Jugendgottesdienst. Sowohl praktisch als auch theologisch bekommen sie dabei Unterstützung von Wanda Gödeke, Diakonin der St.-Pankratius-Gemeinde. Aber letztlich nimmt sie ihnen keine Arbeit ab, sondern gibt vor allem Tipps und begleitet bei der Umsetzung. Im Wesentlichen haben die Jugendlichen ihren Gottesdienst selbst vorbereitet und gestaltet: Sie haben Ideen gesammelt, Aufgaben verteilt, Lieder ausgesucht, die Andacht geschrieben und den Flyer entworfen.
Das könnten die Jugendlichen innerhalb der einzelnen Gemeinden kaum leisten, betont Christopher. In St. Pankratius habe es deshalb zwar ab und zu kreative Andachten für Konfirmanden gegeben, aber schon lange keinen Jugendgottesdienst mehr. Dank des neu gegründeten RJT konnte die Vorbereitungsarbeit nun nicht nur auf mehr Schultern verteilt werden, sondern es hat sich auch gleich noch eine Band gefunden mit Jugendlichen aus allen drei Gemeinden. „So eine coole musikalische Begleitung hätten wir ohne die neue Kooperation nie ge­habt“, sagt Christopher.
Für die 18-jährige Leona aus Ehlershausen ist der RJT noch aus einem anderen Grund eine Bereicherung. Denn auch sie ist schon seit vier Jahren in der Jugendarbeit ihrer Gemeinde aktiv, einen eigenen Jugendmitarbeiterkreis hatte es dort bisher aber gar nicht gegeben. „Wir haben die hauptamtlichen bei der Planung der Konfirmandenfreizeit und anderen Aktionen unterstützt, aber keine eigenen Projekte entwickelt“, blickt sie zurück. Nun beteiligen sich die Jugendlichen der Martin-Luther-Gemeinde nicht nur am Regions-Jugend-Treff, sondern haben inzwischen auch einen eigenen Jumak gegründet.