Jürgen Gansäuer spricht bei Demo

Der frühere Präsident des Niedersächsischen Landtags Jürgen Gansäuer tritt bei der Kundgebung "Burgdorf steht auf" als Hauptredner auf. (Foto: Wikipedia/Torsten Bätge)

Die Aktion "Burgdorf steht auf" ist für den 23. Mai auf dem Spittaplatz geplant

BURGDORF (fh). Dieter Rohles war kurz davor gewesen, die Demonstration "Burgdorf steht auf" abzusagen. Denn er fürchtete, dass die Veranstaltung, die er seit Monaten vorbereitet, zum Spielball parteipolitischer Interessen werden könnte. Dabei ginge es ihm einfach darum, für Demokratie, Toleranz, Meinungsfreiheit und soziale Gerechtigkeit einzutreten. "Kurz gesagt für die Werte unseres Grundgesetzes", betont Rohles. Denn die würden von Populisten zusehends infrage gestellt.
Das sei auch der Grund gewesen, als Termin den 23. Mai auszuwählen - den 70. Geburtstag des Grundgesetzes, das im Jahr 1949 erlassen worden war. Doch genau dieser Termin sorgte hinter den Kulissen für Ärger, weil drei Tage später die Europawahl und die Burgdorfer Bürgermeisterwahl stattfinden. "Nach unseren ersten Planungen hätte die SPD alle drei Hauptredner gestellt. Ich sehe ein, dass das ein gewisses Geschmäckle hatte", sagt Rohles jetzt.
Doch die Veranstaltung auf den Herbst zu verschieben, wie es Kritiker vorschlugen, sei für ihn auch nicht infrage gekommen. "Dafür hatten wir schon viel zu viel Arbeit in die konkreten Planungen gesteckt. Außerdem ist der Jahrestag des Grundgesetzes ein hervorragendes Datum für die Kundgebung. Besser geht es nicht", so Rohles. Dann wollte er die Aktion lieber ganz abblasen.
Doch soweit wollte es Superintendentin Sabine Preuschoff nicht kommen lassen. Sie nutzte ihren persönlichen Kontakt zu dem früheren Niedersächsischen Landtagspräsidenten Jürgen Gansäuer (CDU) und konnte ihn als Hauptredner gewinnen. Die Schirmherrschaft übernimmt der ehemalige hannoversche Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD). "Von dieser Lösung bin ich begeistert. Jetzt haben wir eine perfekte Balance", sagt Rohles.
Als Superintendentin Sabine Preuschoff ihn gefragt hat, habe er sich zunächst noch einige Tage Bedenkzeit erbeten, gibt Jürgen Gansäuer zu. „Solche öffentlichen Kundgebungen waren bisher eigentlich nicht meine Sache“, sagt er. Doch dann habe er gemeinsam mit seiner Frau einige Tage in Berlin verbracht und dort das historische Museum besucht. „Als wir in dem Bereich zur Weimarer Republik und den Anfängen des Nationalsozialismus angekommen waren, hat meine Frau mich angeschaut und gesagt: Ich glaube du musst das in Burgdorf machen, wenn du vor dir selbst bestehen willst“, erzählt Gansäuer.
Er habe sich wie viele andere seiner Generation immer vorgenommen, aus der Geschichte lernen zu wollen, soweit das möglich sei. „Wenn man das ernst meint, muss man jetzt handeln“, ist er überzeugt. Denn die neu-en nationalistischen Tendenzen seien gefährlich. „Viele haben den Vorwurf erhoben, dass die bürgerliche Welt in der Weimarer Republik die Dinge nicht erkannt und viel zu spät reagiert hat. Diesen Fehler dürfen wir nicht wieder machen“, sagt Gansäuer.
Aus seiner Rohles' stehe der Veranstaltung damit nichts mehr im Wege. "Die großen Entscheidungen haben wir getroffen. Jetzt geht es an die konkrete Umsetzung", kündigt er an. Es müsste beispielsweise noch Gespräche mit der Polizei geführt, Toiletten organisiert und Ordner engagiert werden. Bei diesen Aufgaben unterstützt ihn das Organisationskomitee, dem Dagobert Strecker (Mehrgenerationenhaus), Pastor Dirk Jonas, Peter Kehl (TSV Burgdorf), Niklas Peisker (Jusos) sowie Manfred Dunker und Manfred Kuchenbecker angehören.
Die Kundgebung "Burgdorf steht auf" soll am Donnerstag, 23. Mai, um 17 Uhr auf dem Spittaplatz beginnen. Beteiligen wollen sich daran unter anderem die Burgdorfer Gruppe von Amnesty International, die AWO, das Burgdorfer Bündnis für Familien, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), das Rote Kreuz, das Frauen- und Mütterzentrum, der Arbeitskreis Gedenkweg 9. November, das Mehrgenerationenhaus, der Nachbarschaftstreff Ostlandring, der Seniorenrat, der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Burgdorf und die katholische St. Nikolaus-Gemeinde.

Zur Person

Jürgen Gansäuer, Jahrgang 1944, erlernte nach seinem Volksschulabschluss den Beruf des Buchdruckers. Nach einem freiwilligen Diakonischen Jahr schloss er 1965 eine Ausbildung zum Industriekaufmann im grafischen Gewerbe an. Ab 1968 war er als selbstständiger Kaufmann tätig.
Gansäuer wurde 1963 Mitglied der CDU und engagierte sich von 1972 bis 1991 als Ratsherr der Stadt Laatzen und bis 1994 auf Ebene des Landkreises. Von 1974 bis 2008 war er Abgeordneter des Niedersächsischen Landtages und übernahm dort von 2003 an das Amt des Landtagspräsidenten. Bei der Landtagswahl 2008 trat er nicht erneut an. Danach studierte er an der Georg-August-Universität Göttingen Geschichte und Kunstgeschichte und hat 2011 den Bachelor- sowie 2014 den Master-Studiengang abgeschlossen.