Jubel, Trubel und Heiterkeit beim Schützenfest

Kreiskönige, Könige und Majestäten präsentieren sich vor dem großen Festumzug auf der Rathaustreppe. (Foto: Holger Staab)

Neuer Festwirt, moderne Fahrgeschäfte und lebhafte Schützen sorgten für Stimmung

BURGDORF (hs). Das Burgdorfer Schützenfest hat seine 420-jährige Tradition am vergangenen Wochenende wieder eindrucksvoll untermauert, obwohl das Volksfest in diesem Jahr etwas anders zu sein schien. Moderner präsentierten sich nicht nur das Festzelt mit neuem Festwirt und neuer Struktur, sondern auch die Fahrgeschäfte wurden bunt gemischt ausgesucht und von den Besuchern des Festplatzes angenommen. Das Schützenfest und das Schützenwesen leben, obwohl die Beteiligung an den Festabenden noch etwas besser sein könnte. Die Stimmung unter allen Beteiligten war aber klasse.
Wer mit Blick auf viele Schützenfeste im Umland vielleicht denkt, dass das Schützenwesen der Moderne der Computer und des Freizeitverhaltens weichen muss, der sah sich am vergangenen Wochenende bei vier lebhaften Tagen in Burgdorf zumindest teilweise eines Besseren belehrt. Die Fahrgeschäfte auf dem Festplatz boten jede Menge Neues, Technik und Sicherheit verbessern sich und damit wurde eine ganz normale Entwicklung fortgesetzt.
Dennoch ist die gute alte Zeit nicht wegzudenken: die Geselligkeit im Festzelt mit vielen Gesprächen zwischen jungen und alten Schützen, zwischen verschiedenen Schichten in der Bevölkerung und zwischen Schützen und einfach nur Besuchern oder Bürgern aus Burgdorf, die ihr Schützenfest weiter als Volksfest ansehen.
Die Tradition mit einem Auflage- und einem Freihandkönig wird aber sicher noch lange bestehen bleiben. Die Festumzüge durch die festlich geschmückte Stadt mit Fanfarenzügen, Spielmannszügen oder Musikgruppen sind ein Teil der Gegenwart und der Geschichte, den niemand wegdenken möchte und der Schaulustige im positiven Sinne angelockt hat.
Viele Burgdorfer wissen nicht, dass die beiden Hauptkönige aus Bürgern der Stadt Burgdorf sind. Das bedeutet, dass nicht nur Schützen auf diese Scheiben schießen können. Jeder Burgdorfer Bürger kann König von Burgdorf werden, deshalb heißt es nicht, wie in vielen anderen Dörfern, Schützenkönig, sondern einfach nur Auflage- und Freihandkönig der Stadt Burgdorf. Bisher hat es aber noch niemand außerhalb der Burgdorfer Schützengesellschaft geschafft, diesen Titel zu erreichen und das war auch in diesem Jahr nicht anders. Mit Urs-Uwe Simanowsky und Frank Duensing schafften es 2013 ein Schütze, der aber auch der Junggesellenkorporation angehört, und ein Mitglied des Clubs Germania, die schweren handgemachten Königsketten zu erobern.
Die weiteren Majestäten des Burgdorfer Schützenfestes wurden ebenfalls am Freitagabend proklamiert. Im wahrsten Sinne „den Vogel abgeschossen“ hat der Ehrenvorsitzende Karsten Siekmann. Mit einem sensationellen 7,8-Teilerschuss sicherte er sich den Titel als Vogelkönig. Damenkönigin 2013 ist Irana Hoppe von den Aue Rosen, die erstmals die Königskette erhielt. Volkskönigin wurde Annette Heinze-Ahrens. Bei den Jungschützen sicherte sich Julia Marie Rinne den Titel und ist Jungschützenkönigin der Burgdorfer Schützengesellschaft. Nikola Mahnke wurde ja bereits am Wochenende vor dem Schützenfest als Kinderkönigin gefeiert, hatte am vergangenen Freitag beim Kinderumzug mit anschließendem DRK-Kindernachmittag ihren großen Tag und konnte ein Fahrrad als Preis in Empfang nehmen.
Einen Zwergenkönig gab es unter den Königen zudem und das ist in diesem Jahr Denis Sengkin, der auch bereits im Vorfeld bekannt gegeben wurde.
Das Königsschießen am Freitag hatte im Schützenheim wieder seinen besonderen Flair, denn in Burgdorf werden traditionell die beiden Auflage- und Freihandkönige erst während des Schützenfestes ausgeschossen, das ist selten und deshalb war für Spannung gesorgt und im Schützenheim wurde eine Party gefeiert, bei dem viele Schützen als Titelträger gehandelt wurden. Am Ende hatten Simanowsky und Duensing den Sieg in der Tasche, wurden mit Musik nach Hause gebracht und konnten anschließend im Festzelt bei der Proklamation ihre Gewinne aus der Hand von Schützenchef Jörg Hoppe und der 1. Schießsportleiterin Silke Hartung entgegennehmen.
Das traditionelle Sammeln der Junggesellen am Sonnabend in der Innenstadt wurde überraschend mit der Niederländischen Band „Tis niks wut niks“ durchgeführt, die wieder für tolle Atmosphäre sorgte und viele Passanten blieben stehen, um der Band zuzuhören. Gerd und Manfred (Moppel) Wadewitz waren als Zimmermädchen verkleidet, Michael (Junki) Junkermann als Batman und Torsten (Todde) Volkmann als Superman, Carsten Hoffmann als Chirurg und Heiko Fuchs als sein Patient, Bastian Hoppe als Fred Feuerstein und Jörg Ebeling als Barni Geröllheimer. „Heute wie in jedem Jahr sind die Junggesellen da. Um nach alter Tradition, Essen und Trinken abzuholen.“ So kam eine stattliche Sammlung zusammen, die die Junggesellen am nächsten Sonnabend unter sich aufteilen.
Der Festball am Abend sorgte für einen schwungvollen Abschluss des dritten Volksfesttages, der für viele Schützen, außer vielleicht der Korporation der Junggesellen, als kleiner Ruhetag gilt, aber bei der Party im Zelt wurde dennoch kräftig gefeiert und viele auswärtige Besucher sorgten für einen guten Besuch auf dem Festplatz und im Festzelt.
Der vergangene Sonntag lockte mit dem großen Festumzug aller Teilnehmer, der Gästevereine mit ihren Kreiskönigen, den Herolden, den vielen Musikgruppen und den Burgdorfer Majestäten viele Burgdorfer an die Straßen und bei gutem Schützenfestwetter hatten die Schützen eine kräftige Unterstützung von den Straßenrändern bei ihrem Marsch auch verdient . Am Nachmittag war das Festzelt zu den Konzerten der Fanfarenzüge und Spielmannszüge noch einmal voll besetzt und zumindest die heimischen Schützen hielten bis zum letzten Tanz vor dem Rathaus um 0 Uhr aus.
Das traditionelle Burgdorfer Schützenfest hat trotz Berichten über sterbende Schützenfeste und Schützentraditionen wieder gezeigt, dass es ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen und bürgerlichen Lebens in Burgdorf ist.