Jede Minute zählt

Neue Fahrzeuge sind laut Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer ein wichtiger Baustein, um Mitglieder anzuwerben und so langfristig die Schutzziele zu erreichen.
 
Die Ortsfeuerwehren wollen künftig schneller und mit mehr Personal am Einsatzort sein.

Erste Konsequenzen aus dem Feuerwehrbedarfsplan: Stadtbrandmeister macht Vorschläge, um Schutzziele zu erreichen

BURGDORF (fh). Die Burgdorfer Ortsfeuerwehren wollen künftig schneller und mit mehr Personal am Einsatzort sein - das hat Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer bei der jüngsten Sitzung des zuständigen Fachausschusses angekündigt und dafür schon ganz konkrete Vorschläge gemacht. Bürgermeister Armin Pollehn würdigte sie als "Meilenstein bei der Umsetzung des Feuerwehrbedarfsplans".
Dieses rund 175 Seiten starke Papier hatte das Bonner Planungsbüros Forplan im Auftrag der Stadt erarbeitet. Als Projektleiter Carsten Kreitz es im März öffentlich vorstellte, sorgte das für einigen Wirbel. Denn nach seiner Analyse verfehlen die Burgdorfer Ortsfeuerwehren bisher die bundesweit anerkannten Schutzziele. Die Messlatte: Bei einer Alarmierung der Stufe 1 müssen innerhalb von acht Minuten neun Einsatzkräfte vor Ort sein. Diese Vorgabe soll laut Kreitz in mindestens 80 Prozent der Fälle erreicht werden - die Burgdorfer Ortsfeuerwehren kamen in vergangenen Jahren nur auf rund 20 Prozent.
Können sich die Einwohner angesichts dieser Ergebnisse überhaupt noch sicher fühlen? Laut Kreitz schon. "Es ist in Burgdorfer nicht gefährlicher als in anderen Städten", betonte er und ergänzte: "Oft haperte es lediglich an ein bis zwei Minuten oder es fehlte an ein oder zwei Einsatzkräften." Es bestehe also kein Grund zur Panik! Der Arbeitsauftrag war damit trotzdem klar: Und dem haben sich Stadt- und Ortsbrandmeister jetzt bereits angenommen - noch bevor der Feuerwehrbedarfsplan überhaupt offiziell im Rat beschlossen ist. "Das ist nicht in vielen Projekten so, dass die Beteiligten schon vor dem Beschluss aktiv werden. Es ist super, dass hier die Zeichen der Zeit erkannt wurden und jetzt erste Vorschläge auf dem Tisch liegen", lobte Kreitz.
Das Ergebnis: Bei Alarmstufe 1 soll vom 1. Januar 2020 an jeweils ein Zug anrücken, der zumeist aus zwei Ortsfeuerwehren besteht. "Innerhalb von acht Minuten können dann vier Fahrzeuge mit insgesamt 30 Sitzplätzen vor Ort sein", erläutert Stadtbrandmeister Heuer und argumentierte: "Selbst wenn sie nicht voll besetzt sind, haben wir damit gute Chancen, die Mindestanforderung von neun Einsatzkräften zu erfüllen." Bei höherer Alarmstufe kommen dann die Ortsfeuerwehr Burgdorf und gegebenenfalls noch weitere Züge sowie der Stadtbrandmeister selbst hinzu.
Um auch die Anfahrtszeiten zu optimieren, schlägt Heuer eine neue Zugeinteilung vor. "Dabei haben wir vor allem auf die räumliche Nähe geachtet", begründet er. Außerdem werde die Kernstadt in neue Abschnitte unterteilt; im Südwesten bekommt die Burgdorfer Ortsfeuerwehr in Zukunft immer Unterstützung aus Heeßel, im Südosten aus Hülptingsen.
Was sich dadurch im Einzelnen ändert, ist für Laien nur schwer zu überblicken: Der Stadtbrandmeister zeigte dazu in der Ausschusssitzung eine Tabelle, in der er detailliert aufschlüsselte, bei welchen Einsatzorten und -arten sich künftig neue Konstellationen ergeben. "Wir wollen das ganze jetzt ein Jahr lang testen, von Neujahr bis Silvester. Danach prüfen wir dann, ob wir die Schutzziele damit besser erfüllen als bisher", kündigte er an. Bürgermeister Pollehn schlug ergänzend vor, die Daten bereits vierteljährlich auszuwerten, um frühzeitig reagieren zu können, falls die Ergebnisse nicht zufriedenstellend ausfallen sollten.
Zum Abschluss seines Vortrags richtete Heuer dann seinerseits noch einen Appell an Politiker und Verwaltung: "Um langfristig das Erreichen der Schutzziele gewährleisten zu können, bedarf es mehr als einer Änderung der Alarm- und Ausrückeordnung", sagte er. Es sei auch nötig, Mitglieder anzuwerben, zu binden und zu qualifizieren. Wichtige Bausteine seien neue Fahrzeuge und die Modernisierung der Feuerwehrhäuser, um die Attraktivität der Ortsfeuerwehren zu steigern. "Auch über direkte finanzielle Anreize kann man nachdenken, beispielsweise verminderte Beiträge in Fitness-Studios, Sportvereinen und städtischen Einrichtungen", schlug Heuer vor.