Innehalten, beobachten, weiterdenken

Hilko Schomerus vor seiner Luther-Skulptur für die Kirche in Borna. (Foto: Stefan Heinze)

Werke in Burgdorf und im ev.-luth. Kirchenkreis Burgdorf erinnern an Hilko Schomerus

Burgdorf (r/bs). Am 1. August erreichte den Ev.-luth. Kirchenkreis Burgdorf die Nachricht, dass Hilko Schomerus am 10. Juli 2020 im Alter von 81 Jahren gestorben ist.
In Burgdorf und weit über Burgdorf hinaus hat der Metallbildhauer Hilko Schomerus, der seit 1990 in eigener Werkstatt in Burgdorf-Hülptingsen arbeitete, unübersehbar Spuren hinterlassen. Nach seinem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, zum Kunst- und Bauschlosser und legte später eine Meisterprüfung als Kunstschmied ab.
Der ausgebildete Heimerzieher leitete von 1968 bis 1986 die Metallwerkstatt für verhaltensauffällige Jugendliche im Backhausenhof Burgdorf, einer Außenstelle des Stephansstiftes Hannover. Insbesondere in dieser Zeit entstanden Arbeiten nach eigenen Entwürfen, überwiegend im sakralen Bereich. Von 1987 bis 2000 leitete Schomerus die Metallwerkstatt in der Justizvollzugsanstalt Burgdorf.
Zu seinen sakralen Werken in Burgdorf zählen das große Kruzifix im Paulus-Kirchenzentrum in der Südstadt und der Fürbittleuchter in St. Pankratius. Schomerus schuf die Glockenzier der im Jahr 2009 installierten neuen „Glocken für Burgdorf“ im Turm von St. Pankratius und gestaltete die „Luther-Nägel“, die an 15 Orten im Reformationsjahr 2017 im ganzen Kirchenkreis aufgestellt wurden.
Superintendentin Sabine Preuschoff erinnert sich: „Ich habe Hilko Schomerus in unserer Zusammenarbeit beim Nagel-Projekt im Reformationsgedenkjahr kennengelernt. Damals schmiedete er im Rahmen des Kunstprojektes überdimensionale Zimmermannsnägel mit inspirierenden Aussagen zur Reformation, die noch heute an vielen Kirchen im Kirchenkreis stehen. Ich habe Hilko Schomerus dabei als zurückhaltend und behutsam im Gespräch, und zugleich als sehr klar und verlässlich in der Zusammenarbeit erlebt.
Von seinen Kunstwerken ist mir besonders der Christus in der Paulus-Kirchengemeinde präsent: Der Gekreuzigte, der nicht am Kreuz bleibt, sondern sich löst und mir, der Betrachterin, die Hand reicht. Es liegt an mir, sie zu ergreifen.“
Prägnante Werke aus der Hand von Schomerus sind in Burgdorf außerdem am Schwarzen Herzog die Skulptur „Adam, wo bist du?“ und die Plastik auf dem Kreisel an der Weserstraße. Für die Kirche in Borna in Sachsen im Partnerkirchenkreis des Burgdorfer Kirchenkreises schuf Schomerus ein Luther-Denkmal, bei dessen Einweihung im Oktober 2011 er sein eigenes Schaffen einmal so charakterisierte: „Ich bin kein Befürworter der Kunst durch Provokation. Der Kunst also, die vor allen Dingen dem Künstler Befriedigung schafft. Mir geht es ums Innehalten, Beobachten, Weiterdenken ... .“
Zum Innehalten, Beobachten und Weiterdenken laden die Werke von Hilko Schomerus über seinen Tod hinaus ein. Zugleich erinnern sie zukünftig an den Künstler selbst, dem die Stadt Burgdorf und der Ev.-luth. Kirchenkreis Burgdorf mit seinen 18 Kirchengemeinden viel zu verdanken hat.