Inklusion macht Vielfalt zum Normalfall

Von links: Holger Stolz, Erhard und Irmgard Popp, Jeanne Niklas-Faust und Lebenshilfe-Geschäftsführerin Barbara Moschüring. Foto: Georg Bosse
 
Erhard Popp, 1. Vorsitzender der Lebenshilfe e.V. Burgdorf: "Der Weg zur Inklusion ist unumkehrbar." Foto: Georg Bosse

Lebenshilfe e.V. Burgdorf feiert 50. Geburtstag

BURGDORF (gb). "Ohne Abitur durch´s Leben kommen geht, ohne sich selbst ankleiden zu können kaum", begann der 1. Vorsitzende der Lebenshilfe e.V. Burgdorf, Erhard Popp, seine Begrüßung zu einem rund zweistündigen Festakt im Veranstaltungszentrum "StadtHaus" anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Vereins. Die Lebenshilfe e.V. Burgdorf wurde 1969 als "Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind - Kreisvereinigung Burgdorf" von sehr engagierten Eltern und Freunden gegründet. Von Beginn an wurde die Lebenshilfe von der St. Pankratius-Kirchengemeinde großzügig unterstützt. "Wir waren seinerzeit der Netzwerkknoten aus dem dann Großes gewachsen ist", sagte Pastorin Susanne Paul für den Kirchenkreis Burgdorf. Der Verein Lebenshilfe Burgdorf ist heute neben der Lebenshilfe Peine auch Gesellschafter der Lebenshilfe Peine/Burgdorf GmbH.
Seit fünf Jahrzehnten werden Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf von den Mitgliedern und Mitarbeiter/innen begleitet und beraten. "Aktuellen Tendenzen, von denen wir hofften, sie hinter uns gelassen zu haben, treten wir energisch entgegen", betonte Erhard Popp. Seine Stimme wurde etwas leiser und heiserer, als er dem langjährigen Lebenshilfe-Geschäftsführer Hans-Jürgen König für sein "unermüdliches Engagement und für die freundschaftliche Zusammenarbeit" sowie seiner Gattin Irmgard für ihre unbeirrte Loyalität und ihr Vertrauen dankte. Für Irmgard Popp ist als Mitglied des Gründungsvorstandes die Lebenshilfe Burgdorf zum Lebenswerk geworden. Und die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz erinnerte in ihrem Grußwort daran, dass die Ahltener Eheleute Popp im vergangenen Jahr für ihr gemeinsames Lebenswerk im sozialen Bereich und für die Förderung der Inklusion mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz) ausgezeichnet wurden.
Für den Rat und die Verwaltung der Stadt Burgdorf dankte Vize-Bürgermeister Matthias Paul für die segensreiche Arbeit der Lebenshilfe: "Die Mütter und Väter des neuen (west)deutschen Staates haben der freien Wohlfahrtspflege eine wichtige Rolle zugebilligt. So ist die Lebenshilfe seit 50 erfolgreichen Jahren zu einem starker Partner für das soziale Zusammenleben in Burgdorf geworden."
Zehn Jahre vor ihrer Gründung in Burgdorf, wurde die Lebenshilfe im hessischen Marburg 1959 als "Bürgerrechtsbewegung ins Leben gerufen, um Menschen mit Behinderungen in die Mitte der Gesellschaft zu holen", so der Geschäftsführer der Lebenshilfe, Landesverband Niedersachsen, Holger Stolz, der seinen "tiefen Respekt" vor den Leistungen in den vergangen fünf Dekaden in Burgdorf bekundete. Damit Vielfalt zum Normalfall wird, müsse Inklusion bei den Jüngsten beginnen, unterstrich die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Christiane Gersemann. "Um ohne Angst verschieden sein zu können, lohnen sich Ausdauer und Hartnäckigkeit", griff Gersemann ein Wort des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno (1903-1969) auf.
Der formelle Teil der Jubiläumsfeier endete mit einem Festvortrag der Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Prof. Dr. Jeanne Niklas-Faust, der klar zum Ausdruck brachte, dass sich das Bild von Menschen mit Behinderungen gewandelt habe - "vom Hilfeempfänger zum Mitbürger auf Augenhöhe."