In Burgdorf lebt die Schützentradition

So glücklich sehen Sieger aus – Auflagekönig Jörg Neitzel wird nach der Bekanntgabe seines Erfolges herzlich gedrückt. (Foto: Holger Staab)

„Whiskey“ sorgte für Stopp beim Königsschießen

BURGDORF (hs). „We will mit geneiten, ob use Schiebe scheiten, ob Börger oder Börgers Kind, und alle de nicht bi uns sind, da möt na en Rathuse gahn, un sien Namen anteiken!“, so erklang der Weckruf von Bernd „Catcher“ Kronfeld, dem Ausrufer der Schützengesellschaft vielfach am vergangenen Freitagmorgen, nachdem sechs Böllerschüsse die Burgdorfer Bürger geweckt hatten. Und der Weckruf fordert alle Bürger auf, am Schützenfest und dem Königsschießen teilzunehmen.
Kronfeld ist Mitglied der Geneiter der Burgdorfer Schützengesellschaft von 1593. Das Wecken ist zurückzuführen auf das Heroldwesen, alten Bräuchen in Burgdorf, die 1909 durch die Schützengesellschaft wieder auflebten. Seither führen auch zwei berittene Herolde in Stadtuniformen die Festumzüge an. Diese Tradition geht zurück auf die früheren Schimmelreiter. Seit 1911 kamen zwei Trommler in Landknechtskleidung dazu, die einst der Stadtwache dienten. Und die Trommler und Pferde (Herolde) waren auch beim großen Festumzug am Sonntag mit dabei.
Heute ist das Schützenfest eine Mischung aus alten Traditionen und modernen Attributen, aus Musik der Spielmannszüge und Musik aus modernen Abspielgeräten des DJ Party Teams, aus modernen Fahrgeschäften auf dem Festplatz und traditionellen Los- oder Waffelbuden, die den Reiz des Schützenfestes ausmachen. Den Burgdorfer Schützen gelang die Symbiose in diesem Jahr gut und so lebt das Schützenwesen mit seinen Traditionen weiter.
Schon am Donnerstagabend, nach der offiziellen Eröffnung mit Bieranstich durch Bürgermeister Alfred Baxmann und dem 1. Vorsitzenden der Schützengesellschaft Karsten Siekmann, und dem anschließenden „Großen Zapfenstreich“ am Rathaus pilgerten viele Burgdorfer zum für sie schönsten Abend ins Festzelt, denn nach der Schaffermahlzeit genossen alle die ungezwungene Atmosphäre in gemütlicher Runde und tanzten bis in die frühen Morgenstunden.
Der Weckruf von Geneiter Kronfeld ließ dann aber nicht lange auf sich warten, denn der Freitag ist der härteste Tag für die Schützen. Die Reveille (das Vorbeimarschieren und Grüßen der Könige an allen Abordnungen der Schützen) und der Schützenumzug finden in Burgdorf schon um 9 Uhr statt. Nur wer als Schütze oder Burgdorfer Bürger am Umzug teilnimmt, kann auch Schützenkönig werden.
Das Königsessen mit Ehrungen und Ansprachen, der Kinderumzug, das Königsschießen und das Überbringen der Königsscheiben sorgten dafür, dass die Schützen an diesem Tag keine ruhige Minute hatten. Erst nach der Königsproklamation beim Festball am Abend standen dann alle Majestäten für das Jahr 2012 fest. Die beiden Hauptkönige sind mit Jörg Neitzel (Auflage) und Sascha Biewer (Freihand) ein Germane und ein Junggeselle. Damenkönigin wurde wie 2011 Margot Furche. Die weiteren Majestäten sind Kinderkönigin Leah-Chiara Mayr (23,6 Teiler), Jungschützenkönigin Jenny Rode, Silbervogelkönig Urs-Uwe Simanowsky und Volkskönigin Liane Schubert.
Mit ihren Showeinlagen sorgten die „Tis Niks Wut Niks“, eine Showband aus Dieren in den Niederlanden, am Abend und auch an den weiteren Tagen für tolle Stimmung und viel Spaß unter den Gästen, die trotz Fußball-EM ihr Schützenfest genossen.
Spannend ging es auch am Sonnabend beim Kreiskönigsschießen zu, das in Burgdorf immer ein großes Highlight ist und jedes Jahr viele Schützen aus der ganzen Umgebung von Burgdorf anlockt. Hier konnten sich folgende Schützen durchsetzen:
Kreiskönig wurde Sascha Hoffmann vom SV Kleinburgwedel mit einem Gesamtteiler von 111,6. Kreiskönigin darf sich für ein Jahr Petra Rode (130,3 Teiler) von den Aue-Rosen der Burgdorfer Schützengesellschaft nennen. Als Kreisjuniorenkönig wurde Tim Elges vom SV Ilten (103,2 Teiler) proklamiert und Kreisjugendkönig wurde Sebastian Mühlnickel (88,1 Teiler) vom SV Isernhagen NB.
Der eigentliche Höhepunkt, auch für die vielen Zuschauer von nah und fern, war in Burgdorf dann der große Festumzug am frühen Sonntagnachmittag. Hunderte Zuschauer wurden durch die Spielmanns- und Fanfarenzüge angelockt, das etwas feuchte Wetter spielte den Schützen einen Streich, aber dennoch wurde es ein kunterbuntes Treiben in der für den Verkehr gesperrten Burgdorfer Innenstadt. Besonders die „Tis Niks Wut Niks“ und die Gastmusikzüge aus Bennigsen, Celle-Garßen und Lehrte bekamen Sonderapplaus von den Zuschauern an den Straßenrändern.
Und auch in diesem Jahr gab es einige Anekdoten und Geschichtchen rund um das bunte Treiben beim Schützenfest:
- Der Hund Whiskey von Besitzer Mike Görtzen sorgte für eine fünfminütige Unterbrechung des Königsschießens. Er war auf den Schießstand geraten und nur durch das schnelle Handeln des Aufsichtspersonals, die „Sicherheit“ befahlen, nicht verletzt worden. Sein Herrchen konnte ihn unbeschadet wieder in die Arme schließen.
- Josef (Jupp) Gürth erhielt am Freitag die goldene Ehrennadel des niedersächsischen Schützenverbandes für seine langjährigen Verdienste um den Schießsport.
- Geneiter Bernd Kronfeld überreichte bei der Meldung am Sonntag dem Kommandeur Rolf Hoppe ein Pflasterstein vom Ausbau der Marktstraße mit chinesischen Schriftzeichen als Gruß an die Stadt für die verspätete Lieferung aus China.
- Bürgermeister Alfred Baxmann scherzte bei der Kreiskönigsproklamation zu Hauptschießsportleiter Urs-Uwe Simanowsky, der den Gewinnern Silberlöffel übergab: „Was ist das wohl für ein Gefühl für einen Schießsportleiter, wenn man ständig die Löffel abgeben muss!“
Von diesen Geschichten werden nach dem Fest viele erzählt, die wohl nur in einem Buch komplett festgehalten werden könnten, denn erst mit dem „Schützenfestkehraus“ gegen Mitternacht am Sonntag wurde das Schützenfest 2012 dann beendet. Dieses gelungene Fest und deren Tradition sollte in Burgdorf, trotz wiederkehrender Schwierigkeiten bei der Organisation, bei der finanziellen Umsetzung und auch einigen Kritikern des Schützenwesens noch lange erhalten bleiben, denn die Moderne und die Tradition lassen sich gut miteinander verschmelzen, das hat das Schützenfest wieder einmal eindrucksvoll bewiesen.