Immer mehr Menschen haben mit ihrem Einkommen kein Auskommen

Gunda Obst (Jugendwerkstatt), Susanne Kobusch, Friedhelm Neumann, Rainer Müller-Brandes, Manuela Fenske-Mouanga (Ambulanter Hospizdienst) und Angelika Krack (Soziale Schuldnerberatung; v.li.) nach der Vorstellung des Geschäftsberichtes des Diakonieverbandes Hannover-Land. (Foto: Georg Bosse)

Diakonieverband Hannover-Land stellte in Burgdorf den Geschäftsbericht 2010 vor

BURGDORF/OSTKREIS (gb). „Chance für alle?!“ fragt und titelt der Jahres- und Rechenschaftsbericht 2010 des Diakonieverbandes Hannover-Land. „Wohl kaum“, meint Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes und verwies bei der Vorstellung der 50-seitigen Farbbroschüre auf die derzeit 1,4 Millionen Menschen in Deutschland, die trotz eines regelmäßigen Arbeitseinkommens kein Auskommen haben.
Gerade die so genannten „working poor“ (ugs: „Aufstocker“), die keine finanziellen Rücklagen bilden könnten, gerieten so häufig mit ihren Miet- und Energiekostenzahlungen in Rückstand und bräuchten dann beratenden Beistand, so Kirchenkreissozialarbeiter Friedhelm Neumann. „Viele arbeiten im Logistik- und Sicherheitsbereich und werden mit fünf bis sechs Euro/Stunde sehr schlecht bezahlt“, sagte Neumann. Alleinstehende, Alleinerziehende, Familien und pflegende Angehörige aus den Kommunen Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze, die so von der Hand in den Mund leben müssen und denen die Haushaltslöcher über den Kopf zu wachsen drohen, können die umfangreichen Informationen, Hilfen und Lösungsangebote der Sozialen Schuldnerberatung des Diakonieverbandes in der Außenstelle Burgdorf an der „Schillerslager Straße 9“ in Anspruch nehmen. Für Burgwedel und Isernhagen wird in der Außenstelle Burgwedel, Im Mitteldorf 3 (Tel. 05139/99 76 – 12) auch eine Schuldenprävention für junge Menschen angeboten. „SGB II-Empfänger mit Erwerbsarbeit machten rund 25 Prozent der insgesamt 356 Beratungsfälle im vergangenen Jahr aus“, erklärte Dipl.-Sozialpädagogin Angelika Krack, die in Burgdorf für die Schuldner- und Insolvenzberatung zuständig ist. Nach Ansicht des Diakonieverbandes kann hier nur die Einführung von Mindestlöhnen Abhilfe schaffen.
Ursula von der Leyens Arbeitsministerium (CDU) ist angehalten, bis 2015 Steuergelder in Höhe von etwa 7,5 Milliarden Euro einzusparen. Um dieses Ziel zu erreichen, kursiert ein Referentenentwurf zu einer eventuell künftigen „Instrumentenreform“. Diese Neuerung würde einen Paradigmenwechsel und den Wegfall von rund 50 Prozent der Arbeitsgelegenheiten (Ein Euro-Jobs) bedeuten und auf das „Bürgerarbeits“-Modell hinauslaufen, so Müller-Brandes. Auch die Jugendwerkstatt Burgdorf zur Integration sozial benachteiligter und individuell beeinträchtigter junger Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren wäre von dieser Veränderung negativ betroffen. „Wenn, wie geplant, SGB II-Leistungsberechtigte wie ALG 1-Empfänger (SGB III) behandelt werden, fallen Betreuung und Gelder weg“, bekannte die Leiterin der bislang ergebnisreichen Jugendwerkstatt, Gunda Obst. Für die Aktivierung und Qualifizierung der jungen Teilnehmer arbeitet die Jugendwerkstatt sehr erfolgreich mit den U25-Teams der JobCenter Burgdorf, Burgwedel und Lehrte zusammen. „Von den 24 Plätzen sind zurzeit nur 16 besetzt. Wir würden uns aber über eine komplette (30) Belegung freuen“, deutete Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes an.