IGS soll Oberstufe bekommen

WGS-Ratsherr Kurt-Ulrich Schulz (stehend) erklärt den Schülern, warum er eine eigene Oberstufe für die IGS ablehnt.

Rat beschließt mehrheitlich, Antrag an die Landesschulbehörde zu stellen

BURGDORF (fh). Künftig sollen Schüler an der IGS Burgdorf auch ihr Abitur machen können: Der Rat hat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend mehrheitlich beschlossen, zum Schuljahr 2021/22 an der Gesamtschule eine eigene Oberstufe einzuführen. Die Verwaltung soll einen entsprechenden Antrag bei der Landesschulbehörde stellen.
Im Ratssaal des Schlosses war es zwar längst nicht so voll wie eine Woche zuvor, als das Thema bei der Sitzung des Schulausschusses auf der Tagesordnung stand, doch wieder warben einige IGS-Schüler mit selbstgemalten Plakaten für eine eigene Sekundarstufe II. Für sie machten es die Politiker bis zum Schluss spannend. Denn nachdem der Linken-Ratsherr Michael Fleischmann eine geheime Abstimmung beantragt hatte, stellte Rüdiger Nijenhof von den Freien Burgdorfern im Gegenzug einen Antrag auf namentliche Abstimmung und erhielt dafür eine satte Mehrheit.
Die Ratsvorsitzende Christa Weilert-Penk musste dementsprechend der Reihe nach alle Ratsmitglieder aufrufen, woraufhin jeder einzeln kundtat, ob er dem Antrag zustimmt. Und auch wenn sich schon im Vorfeld eine knappe Mehrheit abgezeichnet hatte, zählten die Schüler die Ja- und Nein-Stimmen eifrig mit. Als der letzte Name verlesen war und das Ergebnis von 19:16 Stimmen feststand, applaudierten sie begeistert. "Wow, wir bekommen einen Neubau und eine Oberstufe", flüsterte eine Schülerin ihrer Sitznachbarin zu.
Denn zuvor hatte der Rat schon beschlossen, mit der Planung und Umsetzung des IGS-Neubaus einen Totalunternehmer zu beauftragen. Nur der Linken-Ratsherr und Bürgermeisterkandidat Michael Fleischmann hatte dagegen gestimmt. "Ich bin ein klarer Befürworter einer IGS mit Oberstufe, aber für die Stadt Burgdorf ist das nicht bezahlbar", sagte er. Aus diesem Grund spreche er sich grundsätzlich gegen einen Neubau für die Integrierte Gesamtschule aus. Er stimmte deshalb sowohl gegen die Beauftragung eines Totalunternehmers (TU) als auch gegen die Einführung einer Oberstufe. Alle anderen Fraktionen lobten die Möglichkeit, den Neubau mit dem TU-Modell günstiger und schneller zu realisieren und die Verwaltung zu entlasten. Der Beschluss wurde letztlich mit einer Gegenstimme gefasst.
Bei der Oberstufe war das Verhältnis von Befürworten und Gegnern deutlich ausgeglichener. Im Schulausschuss hatte es in der Vorwoche bei der Abstimmung sogar Stimmengleichheit gegeben. Im Rat hatten SPD, Grüne und Freie Burgdorfer nun eine knappe Mehrheit für die Oberstufe. CDU, FDP, WGS und AfD stimmten dagegen. Die Argumente waren schon im Schulausschuss im Wesentlichen ausgetauscht worden: Die Gegner kritisierten nicht nur die Kosten von vier bis fünf Millionen Euro, sondern warnten auch davor, dass mit Einführung der Sekundarstufe II an der IGS die Schülerzahlen in den bestehenden Oberstufen von Gymnasium und Berufsbildender Schule sinken würden. "Dann lohnt es sich nicht mehr, auch ausgefallenere Profile anzubieten", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Pollehn. Die Befürworter warben hingegen dafür, dass IGS-Schüler die Möglichkeit bekommen sollten, ohne Schulwechsel ihr Abitur zu machen.