"Hinsehen und handeln!"

Am Tatort an der Ecke Hannoversche Neustadt/Feldstraße haben Angehörige, Freunde und Burgdorfer Bürger Blumen, Fotos und Kerzen abgestellt. Die Gleichstellungsbeauftragten haben dort einen offenen Brief und Informationsmaterialien bereitgestellt.

Offener Brief der Gleichstellungsbeauftragten nach Tötung einer 35-Jährigen

Burgdorf (r/fh). Nachdem an der Hannoverschen Neustadt eine 35-jährige Frau mutmaßlich von ihrem Ehemann getötet wurde, meldet sich die Burgdorfer Gleichstellungsbeauftragte Petra Pape zusammen mit ihren Kolleginnen aus Lehrte, Sehnde und Uetze zu Wort. „Viele Menschen hat dieses schreckliche Ereignis erschüttert und verunsichert“, schreiben sie in einem offenen Brief.
Als sie am Freitagnachmittag die Gedenkstelle am Tatort besuchten, hätten Passanten sie beispielsweise gefragt, was sie tun könnten, wenn sie in ihrem Umfeld Anzeichen von Gewalt bemerkten. Deshalb haben sie den offenen Brief nun an dem Baum an der Gedenkstelle befestigt und dort auch Informationsmaterialien hinterlegt. „Unser gemeinsamer Appell an alle Menschen: Bitte Hinsehen, Hinhören und Handeln“, so die vier Gleichstellungsbeauftragten.
Sie empfehlen, die Polizei zu rufen oder sich an eine Beratungsstelle zu wenden, beispielsweise an die AWO-Frauenberatungsstelle im, unter Telefon (05132) 823434. Eine Alternative ist das bundesweite Hilfetelefon (08000) 116016, das rund um die Uhr in vielen Sprachen erreichbar ist. „Bitte haben Sie keine Hemmung und rufen Sie lieber einmal zu viel als zu wenig bei der Polizei oder einer Beratungsstelle an, wenn Sie Gewalt beobachten oder einen Verdacht haben, dass eine Person von häuslicher Gewalt betroffen ist“, appellieren die Gleichstellungsbeauftragten.
Frauen seien immer wieder von Gewalt betroffen – unabhängig von Schicht, kultureller Zugehörigkeit und Alter. Jeden Tag versuche ein Mann in Deutschland seine (Ex)Partnerin zu töten, jeden dritten Tag sterbe eine Frau. „Gewalt macht auch nicht vor den Toren Burgdorfs Halt. Auch unter uns leben Frauen und Kinder, die in ihrem sozialen Umfeld alltäglich der Gewalt ausgesetzt sind“, heißt es in dem offenen Brief.
Gewalt gegen Frauen dürfe nicht toleriert oder verharmlost werden – ob sie im öffentlichen oder im privaten Raum geschehe. „Wir sind trotz unserer Professionalität ebenso erschüttert und verurteilen diesen Femizid auf Schärfste“, betonen sie und enden mit den Worten: „Wir fühlen mit den Kindern, der Familie und den Freund*innen von Esra und sorgen dafür, dass sie nicht vergessen wird.“