Hilfe ohne Wartezeiten

Der Beirat will den Nothilfefonds bekannter machen und um Spenden werben: Der Ehreamtliche Stefan Germis (von links), Superintendentin Sabine Preuschoff, die Ehrenamtlichen Kerstin Nebel und Diana Wissmach sowie der Kirchenkreissozialarbeiter Friedhelm Neumann. (Foto: Stefan Heinze)

Mit einem Nothilfefonds will der Kirchenkreis Burgdorf schnell und unbürokratisch helfen

BURGDORF (fh). Mit Förderrichtlinien, Formularen und Fristen kennt er sich aus: Doch Kirchenkreissozialarbeiter Friedhelm Neumann weiß auch, dass all das manchmal viel zu lange dauert. "Stellen Sie sich vor, der Vater einer siebenköpfigen Familie kommt zu mir in die Beratung, weil die Waschmaschine kaputt gegangen ist und das Geld für eine neue fehlt. Dann kann ich ihn nicht für sechs bis acht Wochen vertrösten, bis der Antrag genehmigt und das Geld überwiesen ist", sagt er. Genau für solche Fälle hat der Kirchenkreis Burgdorf jetzt einen Nothilfefonds ins Leben gerufen. "Damit wollen wir den Betroffenen schnell und unbürokratisch unter die Arme greifen", betont Superintendentin Sabine Preuschoff.
Beispielsweise wenn jemandem eine Stromsperre drohe, weil er seine Rechnung nicht bezahlen könne. Oder wenn ein Kind eine Brille brauche, um in der Schule die Texte an der Tafel zu lesen. Haben solche Anfragen bei der Diakonie in den vergangenen Jahren zugenommen? "Nein, das ist in etwa auf dem gleichen Level geblieben", sagt Neumann und ergänzt: "Obwohl sich Armut verfestigt und die Not zunimmt, suchen nicht mehr Menschen Hilfe. Viele ergeben sich in ihr Schicksal und arrangieren sich mit dem Mangel."
Etwa zweimal im Monat erlebe er in der Beratung aber Situationen, in denen dringend eine finanzielle Hilfe erforderlich sei. "Für viele dieser Fälle gibt es zwar Fördertöpfe, aber die Antragsverfahren dauerten zu lange", erläutert Neumann. Genau da setzt der neue Nothilfefonds an: Denn über die Vergabe dieser Mittel kann der Kirchenkreissozialarbeiter künftig selbständig entscheiden - ganz ohne Wartezeiten.
Seine Entscheidungen muss er allerdings dokumentieren und dem Beirat vorlegen, dem auch Superintendentin Sabine Preuschoff und die Ehrenamtlichen Stefan Germis aus Ilten, Kerstin Nebel Burgdorf und Diane Wissmach angehören. Einmal im Jahr werden sie überprüfen, ob alle Vorgaben eingehalten wurden. "Voraussetzung ist, dass sich die Betroffenen in einer der Kommunen des Kirchenkreises Burgdorf, Uetze, Lehrte oder Sehnde aufhalten, sie sich in einer akuten Notlage befinden und dass sie sich durch eine Einrichtung des Diakonieverbandes Hannover-Land beraten lassen", erläutert Preuschoff.
Zusätzlich zu der jährlichen Prüfung des Rechenschaftsberichts sieht sie die Hauptaufgabe des Beirates darin, den Nothilfefonds bekannter zu machen. Denn das Geld dafür solle nicht aus Mitteln der Kirchensteuer kommen, sondern ausschließlich aus Spenden. Ein Anfang sei bereits gemacht: "Zum einen haben die Gemeinden des Kirchenkreises bei einer gemeinsamen Kollekte dafür gesammelt. Außerdem haben uns die Initiatoren des Heeßeler Weihnachtsmarktes einen Teil des Erlöses übergeben", so Preuschoff. Insgesamt befinde sich jetzt ein niedriger vierstelliger Betrag in dem Topf.
Nun setzen die Initiatoren auf breite Unterstützung von Gemeindemitgliedern und aus aus der Bevölkerung. "Wer Geburtstag hat und nicht weiß, was er sich wünschen soll, könnte die Gäste um eine Spende für den Fonds bitten", schlägt Kerstin Nebel vor.
Wie viel der Fonds jährlich benötige, sei noch schwer abzuschätzen. "Es ist beispielsweise denkbar, dass wir in einigen Fällen nur die Zeit überbrücken, bis eine Förderung von anderer Stelle bewilligt ist und das Geld dann zurückerhalten", erläutert Neumann. Ob das sowohl rechtlich als auch praktisch möglich sei, müsse aber von Fall zu Fall geprüft werden.
Weitere Informationen gibt es per E-Mail an nothilfefonds@kirchenkreis-burgdorf.de oder unter Telefon (05136) 88890.