Henning Niederhof berichtet über den „Trialog in Yad Vashem“

Wann? 19.05.2010 19:30 Uhr

Wo? Benefizz-Laden, Hannoversche Neustadt 8, 31303 Burgdorf DEauf Karte anzeigen
Henning Niederhof. (Foto: Rudolf Bembenneck)
Burgdorf: Benefizz-Laden |

Autor liest am 19. Mai im Benefizz-Laden

BURGDORF (r/jk). Im Jahr 2004 ist das Buch „Die gläserne Wand – Ein Burgdorfer Roman“ erschienen, in dem Ernst Pinchas Blumenthal seine Kindheit und Jugendzeit in Burgdorf schildert. Ein Glücksfall für Burgdorf. Das Manuskript hatte Henning Niederhoff aus Jerusalem mitgebracht. Die Witwe des Autors Miriam Blumenthal hatte es ihm anvertraut.
Henning Niederhoff war von 1996 bis 2000 Leiter des Länderbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in den Palästinensischen Autonomiegebieten mit Sitz in Ramallah. Sein Büro lag in unmittelbarer Nachbarschaft des Sitzes von Präsident Jassir Arafat. Sehr bald erlebte er, dass Palästinenser und Israelis nicht durch eine „gläserne Wand“ voneinander getrennt sind, sondern durch eine „steinerne Mauer“. Beide Seiten haben nahezu ausschließlich ihre eigene Geschichte und ihr eigenes Leid im Blick. Niederhoff war überzeugt, dass Palästinenser, Israelis und Deutsche durch ihre jeweilige Geschichte miteinander verknüpft sind. Deswegen unternahm er den Versuch, sie an dem schmerzhaften und traumatischen Punkt ihrer jeweiligen Geschichte zusammen zu bringen: dem Holocaust und der Nakba (Nakba, Katastrophe, nennen die Palästinenser Flucht und Vertreibung aus ihren Dörfern während des israelischen Unabhängigkeitskrieges).
Von diesem Versuch berichtet Henning Niederhoff in seinem eben erschienen Buch „Trialog in Yad Vashem“: Palästinenser, begleitet von Israelis und Deutschen, besuchen die Gedenkstätte Yad Vashem, die zu Ehren der Opfer der Shoah, des Holocaust errichtet worden ist. Israelis suchen zusammen mit Palästinensern und Deutschen zerstörte Dörfer in Israel auf, aus denen die palästinensische Bevölkerung flüchtete oder vertrieben wurde. Die Teilnehmer an den Begegnungen kommen in diesem Buch mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und oft gegensätzlichen Standpunkten selbst ausführlich zu Wort. Zu Wort kommt auch Miriam Blumenthal, die als Dozentin am Lehrerseminar in Jaffa arabische Studentinnen und Studenten ausgebildet und versucht hat, Begegnungen zu ermöglichen und Ansätze für ein wechselseitiges Verstehen zu eröffnen. Allen gemeinsam ist die Überzeugung, dass ohne Verständnis für die prägenden Erfahrungen des Anderen und ohne Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte Frieden im Nahen Osten nicht möglich ist.
Das Wochenblatt DIE ZEIT hat das Buch unter der Überschrift „Am Tabu gerüttelt“ vorgestellt und resümiert: „Niederhoff mag letztlich nur eine kleine Zahl von Menschen in diesen Trialog mit einbezogen haben, und doch: So eine Tiefe gab es bisher nur selten bei israelisch-palästinensischen Begegnungen. Niederhoffs Aufzeichnungen bilden eine ungewöhnliche und bewegende Chronik des Nahostkonfliktes.“
Die überregionale Tageszeitung FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG hat eine ähnliche Überschrift für ihre Besprechung des Buches gewählt „Die Tabus beider Seiten angehen“, die mit der Bemerkung schließt: „Man mag einwenden, das alles sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch Ausblicke der Beteiligten auf die Zukunft sind insgesamt eher düster. Aber was, so muss man fragen wäre die andere Möglichkeit als solche Friedensarbeit?“
Das Buch ist im LIT-Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro. Der Benefizz-Laden Hannoversche Neustadt 8 hält es vorrätig. Am Mittwoch, 19. Mai, wird Henning Niederhoff ab 19.30 Uhr im Benefizz-Laden aus seinem Buch lesen und von seinen Erfahrungen berichten.