„Heinkel Tourist“ erinnert an Glanzzeit des motorisierten Zweirades

Armin Bauer auf seiner „Heinkel Tourist“ im Burgdorfer Stadtmuseum. (Foto: VVV)

Armin Bauer zeigt im Stadtmuseum seine „Schatzkiste“

BURGDORF (r/jk). Einblicke in die Vielfalt menschlicher Sammelgebiete gewährt die Ausstellung „Michael Jackson kommt nach Burgdorf – Sammler stellen aus“. Der VVV und die Stadt Burgdorf zeigen die Schau bis zum 29. April im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6). 15 Sammlerinnen und Sammler haben die interessantesten Exemplare ihrer Sammlung für die Schau zusammengestellt. Einige von ihnen waren bisher nicht in der Öffentlichkeit zu sehen. Die abwechslungsreiche Ausstellungspalette stößt seit mehreren Wochen auf eine unvermindert anhaltende große Besucherresonanz.
„Heinkel-Tourist“ war Verkaufsschlager
An der Ausstellung ist auch Armin Baur beteiligt. Mit viel Herzblut geht er seit 1974 seiner Sammelleidenschaft für motorisierte Fortbewegungsmittel aus der Nachkriegszeit nach. Im Museum sehen die Besucher einen „Heinkel Tourist“- Motorradroller aus dem Jahr 1962 und Exponate aus seinem Umfeld. Das von Ernst Heinkel entwickelte Fahrzeug avancierte unmittelbar nach einer Markteinführung mit einem Erstjahresabsatz von 6500 Stück zum Verkaufsschlager.
Vater prägte den Sohn
In der oberschlesischen Stadt Gleiwitz kam der leidenschaftliche Motorradfan Armin Baur am 8. Dezember 1938 zur Welt. Im Januar 1945 flüchtete die Familie vor den vorrückenden russischen Truppen und fand in Gelsenkirchen eine neue Heimat. Seine Kindheit wurde vom beruflichen Umfeld seines Vaters geprägt. Dessen Lebensmittelpunkt war die Arbeit in der städtischen Zeche, an deren Neuaufbau er maßgeblich beteiligt war. Das Interesse an technischen Zusammenhängen hatte Armin Baur von seinem Vater geerbt. Nach einer Lehre als Maschinenschlosser und dem Studium der Betriebstechnik begann er seine berufliche Laufbahn als Prüfingenieur beim Telefunken-Konzern in Ulm. An diesem Standort stellte das Unternehmen früher Elektronik-Bauteile für die Wehrtechnik und Luftfahrt her. Es folgten meist nach wenigen Jahren wechselnde Tätigkeiten als Leiter der Qualitätskontrolle bei dem Feinmechanik- und Optikhersteller Leitz in Wetzlar, Inspektionsleiter bei dem LKW- und Omnibusbauer Büssing in Braunschweig und Salzgitter und als Beauftragter für Qualitätssicherung bei dem Werkzeugbau-Unternehmen Gühring im schwäbischen Ebingen. Hier fing er 1974 mit zwei Kollegen an, die ersten Motorräder zu sammeln. Seine berufliche Laufbahn endete bei dem Spezial-Kunststoffhersteller Benecke in Hannover, für den er von 1989 bis 1999 tätig war.
„Tiger“ ist ein Glanzstück
Armin Baurs häusliche Kellerräume sind eine wahre Fundgrube motorisierter zweirädriger Oldtimer. 14 Motorradroller, 5 Motorräder, 2 Kleinwagen, 25 Mopeds, 7 Fahrradhilfsmotoren, Bedienungsanleitungen, Werbeprospekte und vieles andere umfasst seine aktuelle Sammlung. Zu den besonderen Glanzstücken gehört der als „Tiger“ bekannt gewordene, feuerrote Kleinwagen TG 500 aus dem Jahr 1961. Ein Drittel der Fahrzeuge hat er in jahrelanger Tätigkeit liebevoll restauriert und in einen fahrtauglichen Zustand versetzt. Der Fahrzeugbestand dokumentiert die Geschichte des industriell und in handwerklicher Einzelkonstruktion gefertigten motorisierten Zweirades. An seiner praxistauglichen Entwicklung waren viele ehemalige Flugzeugkonstrukteure wie der Pionier Norbert Riedel beteiligt, die nach dem Krieg als Folge eines Berufsverbots auf der Suche nach neuen Tätigkeitsfeldern waren. Riedel schuf mit seinem Ende der 1940er Jahre entwickelten „Imme“-Motorrad den Prototyp aller später fabrizierten Motorräder. Die Erfolgsgeschichte, an der über 50 Hersteller beteiligt waren, endete schlagartig, als das Automobil in der Blütezeit des Wirtschaftswunders zum erschwinglichen Fortbewegungsmittel für die Massen wurde.
Schatzkiste für Sammler
Als wahre Schatzkiste des Sammlergeistes entpuppt sich auch der weitere Bestand der Ausstellung. Beim Gang durch die Museumsräume entdecken die Besucher neue Zinnfiguren der Burgdorfer Zinnfigurensammlung, Filmprogramme einstiger deutscher Erfolgsfilme, Blechspielzeug aus Großvaters Zeiten, kunstvolle gestaltete Gesang- und Gebetbücher aus über 2 Jahrhunderten, detailgetreue LKW-Modelle, an Michael Jackson erinnernde Sammlerstücke, Kurioses rund um die „Max und Moritz“-Figuren von Wilhelm Busch, ein umfassendes Puppenkabinett oder Science Fiction-Fanartikel aus der Zeit von Übermorgen.
Das Stadtmuseum ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.