"Heimspiel" auf der Abschiedtour

Wer schon mit einem Abreißkalender die Tage bis zu seinem Amtsende zähle, habe doch noch ein paar Kalenderblätter vor sich, warnt Bürgermeister Alfred Baxmann und hat die Lacher auf seiner Seite.
 
Bürgermeister Alfred Baxmann (links) ernennt Jörg Neitzel (von rechts) zum Hauptbrandmeister. Stadtbrandmeister Dennis Heuer freut sich mit ihm.
 
Freuen sich über ihre Ernennungen: Jannis Haase (Oberlöschmeister, von links), Nico Hoppe (Hauptfeuerwehrmann), Anastasia Köhne (Hauptfeuerwehrfrau), Rebecca Schwarze (Oberfeuerwehrfrau), David Schlusche (Oberfeuerwehrmann) und Jörg Neitzel (Hauptlöschmeister).

Bei der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Dachtmissen gönnen sich Bürgermeister Alfred Baxmann und Ortsbrandmeister Jörg Neitzel ein paar Seitenhiebe und viel Selbstironie

DACHTMISSEN (fh). Die Jahreshauptversammlung in Dachtmissen war für Bürgermeister Alfred Baxmann eine besondere Station auf seiner Abschiedstournee bei den Ortsfeuerwehren. Schließlich entstammt er selbst einer alten Dachtmissener Familie und hat zu dem Ortsteil deshalb eine besondere Verbindung. Von den 130 Jahren, die die Feuerwehr bereits bestehe, sei seine Familie mindesten 100 Jahre dabei gewesen, schätzt er. Und als er Herbert Wesche zu 60 Jahren Mitgliedschaft in der Feuerwehr Dachtmissen gratulierte, bemerkte Baxmann, dass ihre Bekanntschaft sogar noch weiter zurückreiche.
Dabei machten die Beteiligten keinen Hehl daraus, dass in all den Jahren auch Reibereien nicht ausgeblieben seien. Und so konnten sich Alfred Baxmann und Ortsbrandmeister Jörg Neitzel den ein oder anderen Seitenhieb nicht verkneifen. „Es ist zwar meine letzte Jahreshauptversammlung in Dachtmissen – bis Oktober bleibe ich aber noch im Amt“, leitete Baxmann sein Grußwort ein, schaute dann Neitzel an und fügte hinzu: „Wenn der ein oder andere also schon mit einem Abreißkalender die Tage zählt, muss er sich also doch noch etwas gedulden.“ Der Ortsbrandmeister erzählte daraufhin gleichnishaft von einem Chef-Wechsel, der ihn vom Regen in die Traufe gebracht habe und resümierte versöhnlich: „Was man hat, das weiß man; was man kriegt, das weiß man nicht.“
Auch Baxmann machte klar, dass er wisse, was er als Bürgermeister und Burgdorfer an den Freiwilligen Feuerwehren habe. „Sie übernehmen für die Kommune ehrenamtlich eine Pflichtaufgabe, und das nicht nur bei schönem Wetter, sondern Tag für Tag“, bedankte er sich bei den anwesenden Mitgliedern. Und er würdigte auch die viele Freizeit, die die Feuerwehrleute abseits von Brand- und Hilfseinsätzen einsetzten: „Die Feuerwehr ist nicht nur für den Brandschutz wichtig, sondern auch für das Dorfleben.“
Neitzel untermauerte diese Aussagen in seinem Jahresbericht mit Zahlen: So haben die 38 Aktiven im Jahr 2018 zusammen 5226 Dienststunden geleistet, davon 249 bei Brandeinsätzen. Hinzu kommen noch die Übungsstunden der Jugendfeuerwehr und Arbeitseinsätze der Alterskameraden, sodass unterm Strich 6315 Stunden stehen. Die Ortsfeuerwehr habe jetzt insgesamt 146 Mitglieder und damit elf mehr als noch vor einem Jahr. 30 Prozent von ihnen sind Frauen.
Das sei der höchste Frauenanteil bei den Ortsfeuerwehren in der ganzen Region, lobte der Leiter des Brandabschnitts IV der Region Detlef Hilgert. Was ihn nicht wundere. Schon immer seien die Dachtmissener ihrer Zeit etwas voraus gewesen. „Sie haben mit den Minis angefangen, noch bevor die Satzungen überhaupt Kinderfeuerwehren vorsahen“, blickte er zurück. Ortsbrandmeister Neitzel dankte ihm für die Worte und fasste diesen Dachtmissener Pioniergeist in einer einfachen Formel zusammen: „Wenn die anderen noch betrunken waren, lagen wir schon auf der Nase.“
Und so warf Baxmann ironisch die Frage auf, ob die Bezeichnung „Truppmann-2“ für Dachtmissen noch zeitgemäß sei. Unter den fünf Mitgliedern, die diesen zweiten Teil der Grundausbildung 2018 abgeschlossen haben, war schließlich nur ein Mann. „Zwei der vier Frauen haben die Prüfung mit vollen 15 Punkten abgeschlossen“, ergänzte der stellvertretende Ortsbrandmeister Jannis Haase.
In seiner Rede richtete er ebenso wie Neitzel auch einige Kritikpunkte und Wünsche an die Stadt Burgdorf und an die Regionsfeuerwehr. Von der Feuerwehrbereitschaft der Region wünschte er sich Übungen, die näher an der Wirklichkeit sind. „Anstatt auf Einsätze in Kohlekraftwerken und Industrieanlagen sollten wir uns lieber auf Deichverteidigung sowie Flächen- und Waldbrände vorbereiten“, forderte Haase
Und die Stadt kritisierte er dafür , dass viele Hydranten in Dachtmissen schlecht ausgeschildert seien. „Wir wissen wo sie sind, aber wenn bei einem größeren Einsatz Helfer aus anderen Ortsteilen hinzukommen, kann das ein Problem sein und wertvolle Zeit kosten“, mahnte Haase. Außerdem sei er enttäuscht, dass die zwei Atemschutzgeräte, die bereits in Burgdorf angekommen seien, noch immer nicht in den Mannschaftstransportwagen (MTW) verbaut seien, obwohl das schon für November 2018 fest zugesagt worden sei. „Ich hoffe, dass das nun möglichst zeitnah von Statten geht“, so Haase.
Viele kleinere Dinge nimmt die Ortsfeuerwehr hingegen einfach selbst in die Hand: Der Förderverein hat beispielsweise Trainingsanzüge und Fließjacken gespendet. So können sich die ehrenamtlichen Feuerwehrleute jetzt direkt nach dem Einsatz noch vor dem Besteigen der Autos umziehen. „Damit wahren wir die Einsatzhygiene und verhindern, dass Schad- und Giftstoffe verschleppt werden“, begründet Neitzel.
Er selbst habe wiederum Dietriche und andere Spezialwerkzeuge für Türöffnungen gespendet. Denn die Feuerwehr werde immer häufiger gerufen, um hilflose Personen aus verschlossenen Wohnungen zu befreien. „Mit der neuen Ausrüstung können wir schon direkt tätig werden, ohne allzu großen Schaden anzurichten“, so Neitzel. Auch einen entsprechenden Lehrgang solle es dazu demnächst geben. „Schon mein Vorgänger hat mit geraten, den Ball flach zu halten. Was wir wirklich brauchen bekommen wir früher oder später von der Stadt“, dankte Neitzel für die im Großen und Ganzen harmonische Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung.
Auch Ehrungen und Ernennungen standen traditionsgemäß auf der Tagesordnung der Jahreshauptversammlung: Ernannt wurden Rebecca Schwarze zur Oberfeuerwehrfrau, David Schlusche zum Oberfeuerwehrmann, Nico Hoppe zum Hauptfeuerwehrmann, Anastasia Köhne zur Hauptfeuerwehrfrau, Ortsbrandmeister Jörg Neitzel zum Hauptlöschmeister und sein Stellvertreter Jannis Haase zum Oberlöschmeister. Zusätzlich zu der Ernennung erhielt Neitzel außerdem eine Ehrung für 40-jährige Mitgliedschaft. Neben ihm wurden noch vier weitere altgediente Mitglieder gewürdigt: Herbert Wesche (60 Jahre), Wilhelm Schmidtmann und Norbert Langen (40 Jahre) sowie Sven Grimpe (25 Jahre). Für ihre fördernde Mitgliedschaft wurden Horst Wesche (50 Jahre) und Helmut Otto (40 Jahre) ausgezeichnet. Außerdem verlieh Brandabschnittsleiter Hilgert Olaf Hörsken die Ehrennadel des Landesverbandes Niedersachsen in Bronze; Sven Grimpe und Hans-Heinrich Hoppe erhielten die Ehrennadel des Feuerwehrverbandes der Region.