Hauswirtschaftsunterricht ist heute wichtig denn je

Sie waren schon bei der Gründung des Hausfrauenbundes dabei (v.l) Gerda Baumann, Gunhild Magung, die damals erste Vorsitzende wurde, und Hertha Matthes. (Foto: Renate Tiffe)
 
Der Vorstand des Ortsverbandes (v.l.): Sabine Böhmer, die stellvertretende Vorsitzende, die vorsitzende Annemarie Ernst, Kassenwartin Sigrid Ryl und Schriftwartin Ingrid Grahlmann. (Foto: Renate Tiffe)

Baxmann würdigte 30-jähriges Bestehen des Hausfrauen-Bundes

BURGDORF (ti). Unter den städtischen Vereinen und Verbänden stehen die Ortsverbände des Hausfrauen-Bundes meist nicht im Vordergrund. Ihr Wirken geschieht eher unauffällig. Das war jetzt anders, als der Ortsverband Burgdorf sein 30-jähriges Bestehen beging. 62 der 89 Mitglieder hatten sich zur Feier im Veranstaltungszentrum an der Sorgenser Straße eingefunden.
Dem „Machen Sie weiter so!“ am Ende seines Grußwortes hatte Bürgermeister Alfred Baxmann fast so etwas wie ein Bekenntnis zu Haushalt und Haushaltsführung in den Familien vorausgeschickt. Das war neu in der allgemeinen Missachtung, die der Hauswirtschaft schon seit langem widerfährt.
Vorher hatten die Burgdorfer Vorsitzende des Deutschen Hausfrauen-Bundes (DHB), Annemarie Ernst, und die Landesvorsitzende Marie-Luise Möller auf die Veränderungen in diesem privaten Bereich innerhalb der 30 Jahre hingewiesen. Den 21 Frauen, die bei der Gründungsversammlung 1980 dabei waren – drei von ihnen waren jetzt bei der Feier anwesend – lag vor allem daran, dazulernen, um ihren Hausfrauenberuf „gut und ordentlich für die Familie“ ausüben zu können, wie Ernst erinnerte.
Das Bildungsangebot ist nach wie vor vielseitig. Es umfasst Kurse zu Organisation und Zeitmanagement im Haushalt („Warum bleibt immer soviel liegen?“) ebenso wie zur gesunden Ernährung, zur Verbraucherinformation oder zur Absicherung im Alter. Aber die Ziele haben sich verändert, was sich am deutlichsten in der neuen Namensgebung widerspiegelt, die Ende vergangenen Jahres eingeführt wurde. Unter dem Zeichen der strahlenden Sonne, die sich der DHB 1925 als Label gab, steht jetzt „Netzwerk Haushalt, Berufsverband der Haushaltführenden“. Gemeint ist damit die partnerschaftliche Haushaltsführung und Erziehung zur Stärkung der Familien. „Der Wandel ist das Gesetz des Lebens und wir müssen neue Wege gehen“, forderte die Landesvorsitzende etwas vage.
Neue Mitglieder treten heute allerdings meist erst nach Erreichen des beruflichen Ruhestandes in den Verband ein, wie Annemarie Ernst festgestellt hatte. Und bei der Feier waren nur zwei Herren anwesend, der Flötist, der für den musikalischen Rahmen sorgte, und eben Burgdorfs Bürgermeister. Dessen überraschend ausführliche Rede zeigte durchaus Weichen für die Zukunft auf. Baxmann schlug den Bogen von der „Nur-Hausfrau“, als die sich seine Mutter noch empfand, zu der modernen jungen Frau eines Werbefilms, die auf die Frage nach ihrem Beruf selbstbewusst antwortete: „Ich führe ein erfolgreiches, kleines Familienunternehmen.“ Es habe sich viel geändert von Generation zu Generation. Geblieben seien aber die vielfältigen Anforderungen von Familie und Haushalt, die immer noch meist Frauensache seien und nicht selten gleichzeitig ausgeübt würden. „Multitasking“ nennt sich das in der Wirtschaft und gilt als besonders fortschrittlich. Gestiegen seien die Probleme.
Viele Haushalte sind verschuldet, für eine gesunde Ernährung fehlen oft die Kenntnisse und die Zeit, gemeinsame Mahlzeiten in der Familie werden seltener. Das nachhaltige Wirtschaften sei ebenso verloren gegangen wie das Alltagswissen. In Vergessenheit geraten sei auch, dass es einmal ein Unterrichtsfach Hauswirtschaft gegeben habe. Dieses Fach sei in den Schulen heute wichtiger denn je, und zwar für Mädchen und Jungen partnerschaftlich ausgelegt und auch fächerübergreifend, meinte der Bürgermeister. Wo könne man besser rechnen lernen als beispielsweise bei der Zusammenstellung eines Gästeessens?