Handballer sollen umziehen

Nach den Plänen des Bürgermeisters soll die Gudrun-Pausewang-Grundschule eine neue Sporthalle ohne Tribüne erhalten.
 
Die Handballer TSV Burgdorf II und die weiteren Jugendmannschaften trainieren bisher in der Gudrun-Pausewang-Grundschule, die sie deshalb liebevoll als Reckenschmiede bezeichnen. Dieser Name könnte bald der neuen Sporthalle der IGS gebühren, denn dorthin sollen die Burgdorfer Handballer umziehen.

Stadt plant für die IGS am neuen Standort eine Vier-Feld-Sporthalle mit Tribüne für 13 Millionen Euro / Davon könnten auch die TSV Burgdorf und andere Vereine profitieren

Burgdorf (fh). Beim Neubau für die Integrierte Gesamtschule (IGS) plant die Stadt eine große Turnhalle mit ein: Sie soll nicht nur Platz für den Schulsport bieten, sondern auch zur neuen Heimat für die Burgdorfer Handballer werden. "Die TSV Burgdorf II bildet den Nachwuchs für die Recken in der Bundesliga aus. Sie braucht eine angemessene Spielstätte", argumentiert Bürgermeister Armin Pollehn. Und auch andere Vereine sollten die Halle für Training und Veranstaltungen mitnutzen. Auf seine Initiative hin hatte die Verwaltung deshalb den Bau einer Vier-Feld-Halle mit Tribüne für insgesamt rund 13 Millionen Euro empfohlen.

CDU stimmt gegen den Vorschlag

Der Rat hat diesen Vorschlag jetzt mit der Mehrheit von SPD, Grünen, WGS und Freien Burgdorfern sowie der Stimme des Bürgermeisters gebilligt. Pollehns eigene Partei, die CDU, sprach sich indes dagegen aus, ebenso wie FDP, AFD und der Linken-Ratsherr Michael Fleischmann. Um die Kosten zu senken, plädierten sie dafür, eine Zwei-Feld-Halle zu bauen. Ein Teil des Schulsports insbesondere für die Oberstufe sollte demnach weiterhin in der bisherigen Halle Im Langen Mühlenfeld stattfinden - die Schüler hätten dann zwischen den beiden etwa 1,5 Kilometer entfernten Standorten pendeln müssen.
Die Stadt habe außer Schulen und Sport auch viele andere Aufgaben, für die sie einen finanziellen Spielraum benötige, so die Begründung der CDU/FDP-Gruppe. Und da wegen der Corona-Epidemie zusätzliche Belastungen auf die Stadt zukämen, seien Einsparungen jetzt nötiger denn je. "In Zeiten in denen die Umsätze nicht so fließen, sollte man sich nicht das dickste Auto kaufen", zog CDU-Ratsherr Oliver Sieke einen Vergleich. Und Fraktionsvorsitzende Klaus Köneke resümierte: "Wir machen uns sorgen um die Zukunft der Stadt."

Mehrheitsgruppe unterstützt Bürgermeister


Doch die Mehrheitsgruppe lehnte zwei getrennte Standorte für den Sportunterricht IGS entschieden ab. "Das würde den Schulalltag massiv belasten. Wir dürfen nicht auf dem Rücken der Schüler sparen", appellierte SPD-Ratsfrau Christiane Gersemann. Für die nächsten Jahre werde für Burgdorf ein weiterer Anstieg der Schülerzahlen prognostiziert. "Wenn künftig über 1000 Schüler die IGS besuchen, brauchen sie auch vernünftige Lernräume und Sportstätten", sagte Gersemann und fügte hinzu: "Wir bauen keinen Palast, sondern orientieren uns an den Standards für eine Bildungseinrichtung dieser Größenordnung."
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerald Hinz zweifelt außerdem die langfristige Wirtschaftlichkeit der Zwei-Standorte-Lösung an. "Wir müssten auch in die alte Realschulhalle investieren, wenn sie weiter genutzt werden sollte", sagte er. Außerdem weist die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage darauf hin, dass dann gegebenenfalls ein Bustransfer eingerichtet werden müsse, der mit jährlich 100.000 Euro zu Buche schlagen würde.

Größere Halle, doppelter Preis

Seit November hatten die Kommunalpolitiker etwa ein halbes Jahr lang hin und her diskutiert, bevor sie Ende Mai nun den Ratsbeschluss fassten. Grund für dieses Zögern war vor allem ein immenser Kostenanstieg im Laufe der Planungen. So hatte die Stadt vor drei Jahren noch eine Drei-Feld-Halle für rund 6,5 Millionen Euro einkalkuliert. Selbst dafür wären aufgrund von höheren Preisen im Baugewerbe nach jetzigem Stand rund sieben Millionen Euro fällig. Außerdem ermittelte das Planungsbüro Drees & Sommer, dass drei Felder bei weitem nicht ausreichten, sondern die Schule mindestens eine Vier-Feld-Halle benötige. Dafür veranschlagte die Verwaltung rund zehn Millionen Euro.
Nachdem mehrere Fraktionen Kritik geübt und weitere Informationen eingefordert hatten, machte Pollehn dann einen auf den ersten Blick überraschenden Vorstoß: Anstatt an den Plänen für die IGS-Sporthalle den Rotstift anzusetzen, schlug er vor, noch einmal rund drei Millionen Euro oben drauf zu legen, um die neue Sporthalle mit einer Tribüne für 400 Besucher auszustatten. Gesamtkosten: Etwa 13 Millionen Euro - und damit doppelt so viel wie für die Drei-Feld-Halle zuletzt vorgesehen.

Neue Heimat für die Handballer

Die Idee dahinter: Die Drittliga-Spiele der TSV Burgdorf II können künftig von der Gudrun-Pausewang-Grundschule in die neue IGS-Sporthalle gegenüber von Parlasca verlegt werden. Dafür soll dann beim Neubau der Grundschulsporthalle, der ebenfalls ansteht, auf eine Tribüne verzichtet werden. Dort könne die Stadt demnach zwei Millionen Euro einsparen. Die Grundstücke der Sporthallen, die perspektivisch nicht mehr benötigt werden, sollen außerdem vermarktet werden, was der Stadtkasse weiteres Geld einbringen würde. "Es ist richtig, dass wir in dieser Situation kein Geld verpulvern dürfen, aber wir müssen auch längerfristig denken", appellierte Pollehn insbesondere an seine CDU.
Gleich mehrere Gründe führte der Bürgermeister für seinen Vorschlag an. "Burgdorf ist eine Sportstadt. Mit der Vier-Feld-Halle inklusive Tribüne können wir ein Aushängeschild schaffen", warb er. Außerdem sei die Gudrun-Pausewang-Halle zu klein für die Handball-Jugendmannschaften der TSV Burgdorf und entspreche nicht den heutigen Anforderungen. Nicht zuletzt spiele aber auch die Infrastruktur eine Rolle. "Wegen der Nähe zur B188 ist der neue Standort der IGS verkehrstechnisch besser geeignet für Großveranstaltungen mit vielen Besuchern als die Halle in der Südstadt", warb Pollehn.
Laut Heidmar Felixson, Trainer der TSV Burgdorf II und Leiter der Handballabteilung, stehen Gespräche zwischen dem Verein und der Stadt über den möglichen Umzug noch aus. Details zum geplanten Neubau seien ihm bisher nicht bekannt. "Für die Handballer wäre es natürlich hervorragend, in eine ganz neue Halle umzuziehen", so seine erste Reaktion im Gespräch mit dem Marktspiegel. Doch schnell schiebt er hinterher, dass sich die Jugend-Mannschaften trotz des Sanierungsbedarfs auch in der Gudrun-Pausewang-Halle sehr wohl fühlten. "Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten zu unserer zweiten Heimat geworden", betont er. Den jüngsten Ratsbeschluss begrüße er in jedem Fall. "Es erscheint mir nicht sinnvoll, 2020 eine neue Halle ohne Tribüne zu planen", betont er.