Gruppe warnt vor Klärschlammlager

Rainer Hübbe (von links), Michael Fleischmann, Anika Lilienthal, Thomas-Wilhelm Wiemers, Frank-Dieter Zeumer und Reinhold Engelhardt sammeln vor dem Rewe-Markt am Unterschriften gegen das Klärschlammlager.

Initiator Reinhold Engelhardt sammelt zusammen mit weiteren Unterstützern Unterschriften, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen

BURGDORF (fh). Seit Ende August haben die Gegner des geplanten Klärschlammlagers mehr als 400 Unterschriften gesammelt. Nun bleiben ihnen noch knapp fünf Monate Zeit, um rund 2000 weitere Unterstützer zu gewinnen. Denn insgesamt sind 2.495 Unterschriften nötig, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Dann würden die Burgdorfer wie bei einer Wahl darüber abstimmen, ob die Stadt neben dem Klärwerk am Dachtmisser Weg ein Zwischenlager für den Klärschlamm bauen soll.
In den vergangenen Wochen haben Initiator Reinhold Engelhardt und seine Mitstreiter mittwochs und samstags einen Infostand neben dem Rewe-Markt am Schützenplatz aufgebaut, um bei den Marktbesuchern für ihr Anliegen zu werben. „Zur Zeit können wir das wetterbedingt nicht mehr machen. Stattdessen gehen wir jetzt von Haustür zu Haustür“, sagt Rainer Hübbe, der vor allem in seinem Heimatdorf Dachtmissen für das Bürgerbegehren wirbt. Zusätzlich liegen Unterschriftenlisten im Gewürzladen an der Hannoverschen Neustadt, bei der Physiotherapie Avathera an der Marktstraße, in der Bäuerinnenbackstube, Wächterstieg 7, und in vielen weiteren Geschäften, Restaurants und Cafés aus.
„Das Klärschlammlager kostet mindestens 750.000 Euro. Das ist herausgeschmissenes Geld, das wir so viel dringender für Kindergärten und Schulen bräuchten“, begründet Anika Lilienthal, die ebenfalls mehrfach am Infostand geholfen hat, ihr Engagement. Thomas-Wilhelm Wiemers fürchtet vor allem die Geruchsbelästigung. „Ich bin als Anwohner direkt betroffen. Wenn es im Sommer richtig warm ist, mieft es jetzt schon. Deshalb ist es nicht glaubhaft, dass man von dem offenen Klärschlammlager gar nichts merken soll“, sagt er.
Rainer Hübbe geht es nach eigener Aussage nicht nur um den geplanten Bau des Lagers. „Mir ist auch wichtig, dass die Stadt generell andere Entsorgungswege für den Klärschlamm ins Auge fasst“, fordert er. Bisher wird dieses Abfallprodukt an Landwirte abgegeben, die es als Dünger auf die Felder aufbringen. Die Stadt hat grundsätzlich ihr Interesse bekundet, daran festzuhalten. Die Kommunalpolitiker haben sie allerdings beauftragt, auch andere Alternativen wie beispielsweise die Verbrennung, Schilfbeete oder Keramikmembranen noch mal zu prüfen. Die Stadt betont, dass sie das neue Klärschlammlager unabhängig von der künftigen Entsorgungsart benötige – die Gruppe um Reinhold Engelhardt bezweifelt das.
Zum Hintergrund: In Burgdorf fallen bei der Abwasserreinigung jährlich etwa 2.800 Tonnen Klärschlamm an. Er kann zusätzlich zu Nährstoffen wie Phosphor auch Schwermetalle, Mikroplastik und andere gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Die Abgabe an Landwirte gestaltet sich zusehends schwieriger. Denn die gesetzlichen Vorgaben für organische Dünger wie Jauche, Gülle und eben auch Klärschlamm wurden 2017 verschärft, um das Grundwasser zu schützen. Nach Einschätzung der Verwaltung sind seit dieser Gesetzesänderung Engpässe bei der Entsorgung wahrscheinlicher geworden. Das Flachlager mit einer Grundfläche von 30 x 25 Metern und einer Höhe von drei Metern soll es ermöglichen, bis zu neun Monate zu überbrücken.