Glocken erinnern an Corona-Opfer

Heute Abend läuten die Glocken der St.-Pankratius-Kirche zum Gedenken an die Opfer der Corona-Epidemie. (Foto: Kirchenkreis/Stefan Heinze)
 
Vor dem Uetzer Rathaus werden die Flaggen morgen auf Halbmast gesetzt. (Foto: Gemeinde Uetze)

Rathaus-Flaggen auf Halbmast und Traugeläut von vielen Kirchtürmen

Altkreis (r/fh). Mit Glockengeläut erinnern viele Kirchengemeinden heute Abend an die Opfer der Corona-Epidemie. Den Tag haben sie ausgewählt, weil Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für den morgigen Sonntag, 18. April, zu einer nationalen Gedenkfeier aufgerufen hat. Mehr als 75.000 Menschen sind seit dem Frühjahr 2020 in Deutschland an oder mit dem Corona-Virus gestorben. Die Gesellschaft müsse gemeinsam innehalten und Abschied nehmen. Steinmeier bittet die Bürger, als Zeichen des Mitgefühls ein Licht ins Fenster zu stellen.
Auch vor Ort hat das Virus Tod und Leid verursacht: In Uetze sind bisher 16 Menschen daran gestorben, in Burgdorf 22. Hinzu kommen noch diejenigen, die nach überstandener Infektion weiterhin unter den Folgen dieser Erkrankung leiden. „Ich möchte mein großes Mitgefühl allen Angehörigen aussprechen, die in diesen schwierigen Zeiten einen ihnen nahestehenden Menschen verloren haben und kaum oder keine Gelegenheit hatten, sich ausreichend zu verabschieden,“ so der Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg. Die Gemeinde Uetze setzt aus diesem Anlass am morgigen Sonntag die Flaggen vor dem Rathaus auf Halbmast.
Bereits  Vorabend, am heutigen Samstag, 17. April, erklingt ab 21 Uhr von vielen Kirchtürmen für zehn Minuten das Trauergeläut. Im Burgdorfer Raum beteiligen sich unter anderem die Gemeinden St. Pankratius und St. Paulus sowie Martin Luther Ehlershausen, in Uetze sind die Kirchengemeinden Dollbergen-Schwüblingsen, Hänigsen-Obershagen, und Uetze-Katensen dabei. Auch sie bitten alle Bürger, zur selben Zeit Lichter anzuzünden – in den Fenstern oder Vorgärten, an den Haustüren oder auch auf den Straßen als eine Art Lichterkette und verbindendes Symbol im Gedenken an alle Opfer der Pandemie.
"Wir läuten im Andenken an die an Covid 19 Verstorbenen und dadurch auch einsam verstorbenen Menschen", sagt beispielsweise Johann Christophers, Pastor der Kirchengemeinde Ilten – Höver – Bilm. "Jedes Abschiednehmen ist zur Zeit sehr erschwert. Eine gewisse Angst vor Ansteckung schwingt immer mit. Und auch Nähe zu zeigen wie beispielsweise durch eine Umarmung in den letzten Stunden ist nicht möglich", so Johann Christophers.
Auch Superintendentin Sabine Preuschoff unterstützt das gemeinsame Gedenken: „Tag für Tag hören wir die Zahlen der Toten. Aber Tote sind mehr als Zahlen – dahinter stehen Menschen, die durch die Pandemie aus dem Leben gerissen wurden. Menschen die gelebt und geliebt, gelacht und geweint haben. Individuelle Biographien mit allem, was das Leben ausmacht. Das Gedenken gilt auch jenen Menschen, die zurückblieben – manchmal ohne einen persönlichen Abschied. Und ohne die helfenden Trauerrituale, weil diese wegen der Pandemie nicht möglich waren. Schließlich denken wir auch an jene, deren berufliche Existenz verloren ging und denen damit der Boden unter den Füßen weggerissen wurde. Das Läuten der Glocken ruft zum Innehalten und zum Gebet für alle diese Menschen.“
Dafür, dass das Gedenken sich nicht in einer einmaligen Aktion erschöpft, steht die Aktion „#lichtfenster“, zu der die evangelische Kirche gemeinsam mit dem Bundespräsidenten aufruft: An jedem Freitag stellen Anteilnehmende in Kirchengemeinden bei Anbruch der Dunkelheit zum Zeichen ihres Mitgefühls Lichter in ihre Fenster und beten auch für die Opfer der Pandemie.