Gigantische Brandkatastrophen hätte fast die ganze Stadt Burgdorf vernichtet

So könnte es am 25. Juni 1809 ausgesehen haben (Bildmontage mit dem Merian-Stich von Burgdorf aus dem Jahre 1654). (Foto: VVV)

„Burgdorf schreibt Geschichte“: 1658 und 1809 steht Burgdorf in Flammen

BURGDORF (r). Im Brennpunkt des sechsten Teils der Serie „Burgdorf schreibt Geschichte“ stehen die dramatischen Brandkatastrophen des 10. September 1658 und 25. Juni 1809, bei denen eine gigantische Feuersbrunst die Stadt heimsuchte, die nur durch eine glückliche Fügung des Schicksals einer vollständigen Vernichtung entging.
Brandherd in der Schmiede
1658 lagen 10 Jahre des Wiederaufbaus hinter den Einwohnern Burgdorfs. Nach den harten Entbehrungen des 1648 beendeten 30-jährigen Krieges war es den Einwohnern mit vereintem Einsatz gelungen, die Spuren der Verwüstung allmählich zu beseitigen und aus der drangsalierten Stadt erneut eine Stätte des friedlichen Zusammenlebens zu machen. Am frühen Morgen des 10. September 1658 gingen die ahnungslosen Einwohner ihren alltäglichen Geschäften nach. So auch der Schmied Hennigs, der eine kleine Werkstatt in der Hinterstraße (heute Schmiedestraße) betrieb, und im Haushalt von seiner verwitweten Mutter unterstützt wurde. Deren verhängnisvolle Unachtsamkeit legte den zündenden Keim zu der im Laufe des Tages ausbrechenden Brandtragödie. Durch Funkenflug aus der Schmiede entzündete sich der von ihr zum Trocknen aufgehängte und dann nicht weiter beachtete Hanf vor der Werkstatt und setzte sie rasend schnell in Brand. Vom aufkommenden Wind angetrieben griffen die gierigen Feuerszungen auf die angrenzenden Häuser der Hinter- und Mittelstraße über. Bis zum frühen Abend wüteten die Flammen.
Bild des Grauens
Als sich der beißende Qualm langsam legte, bot sich den Einwohnern ein Bild des Grauens. 113 Häuser waren bis auf die Grundmauern ausgebrannt. 900 Menschen verloren ihr Hab und Gut. Als sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitete, dass die Mutter des Schmiedes den Brand verursacht hatte, konnte sich diese dem Zorn der Einwohner nur durch eine schnelle Flucht aus der Stadt entziehen, zu der sie auch der Magistrat ultimativ aufforderte. Als Konsequenz dieser Katastrophe ordnete der Magistrat verschärfte Vorbeugemaßnahmen zur Verhinderung zukünftiger Brände an.
Mehr als 200 Häuser zerstört
150 Jahre blieb die Auestadt von weiteren größeren Katastrophen verschont, bis das Schicksal in der sonntäglichen Stille des 25. Juni 1809 erneut mit barbarischer Wucht zuschlug. Wieder lag es an der mangelnden Sorgfalt im Umgang mit der verzehrenden Macht des Feuers: Ausgangspunkt war eine Backstube im Bereich des Hannoverschen Tores (heute Marktstraße/Ecke Kellengasse), in der noch glimmende Asche aus dem laufenden Backbetrieb nur unzureichend neutralisiert worden war. Diese setzte gegen 16.00 Uhr einen Holzstapel in Brand. Innerhalb kürzester Zeit breitete sich das reichlich Nahrung findende Feuer über die eng gebauten Fachwerkhäuser auf beiden Seiten der unteren Marktstraße aus. Wenig später brannten auch die Kirche, die Superintendentur, das erst 1801 neu gebaute Rathaus, das zum Schloss gehörende Vorwerk, das Brauhaus, die Post und die Häuser der oberen Marktstraße.
Brandnester lodern bis nach Mitternacht
Als die Feuersbrunst nachts um 2.00 Uhr langsam zum Erliegen kam, waren ihr 201 Häuser zum Opfer gefallen. Nur 82 Gebäude blieben unversehrt. Wie ein Fanal des Schreckens erschienen den Einwohnern die in die düsteren Nachthimmel hineinragenden Ruinen der Häuser. Wundersamerweise war nur ein Todesopfer zu beklagen: eine ältere Frau kam durch von der brennenden Kirchturmspitze der St. Pankratius-Kirche herabfallendes geschmolzenes Blei ums Leben. Auch diese Herausforderung des Schicksals meisterten die Einwohner und begannen mit dem schnellen Wiederaufbau der Stadt. Im Verlauf der Neubaumaßnahmen entstand die heutige Straßenführung in der Innenstadt. Am ersten Advent 1814 war die Einweihung der neu aufgebauten St. Pankratius-Kirche. Rathaus und Superintendentur waren 1818 fertig gestellt. Neun Jahre nach dem Großbrand war der Wiederaufbau weitgehend abgeschlossen.