Gewaltfreie Alternativen suchen

Adam muss sich beim Gehen über die Slackline auf sein Team verlassen können.

10 Schüler nahmen am Keep-Control-Training teil

VON DANA NOLL

LEHRTE. „Natürlich ärgere ich mich, wenn etwas nicht klappt oder jemand mit Absicht etwas zerstört, aber es muss auch friedlich gehen“, erzählt Tiffany. Sie ist das einzige Mädchen neben neun Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren, die in den Herbstferien in der Hauptschule Lehrte ein „Keep-Control-Training“ absolvieren.
Seit 2012 wird einmal jährlich in den Ferien ein solches kostenfreies und freiwilliges Training angeboten, das vom Fachdienst Jugend und Soziales organisiert wird. Über 60 Kinder - überwiegend Jungen - im Kernalter von 11 bis 17 Jahren nahmen in den vergangenen Jahren bereits daran teil.
Ziel ist es, Gewalterfahrungen der Jugendlichen zu reflektieren und aufzuarbeiten, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen und benennen zu können, Grenzerfahrungen zu erleben und zu lernen, in einem Team zu agieren. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen sensibilisiert werden und lernen, ihre Aggression und körperlichen Reaktionen bewusst wahrzunehmen.
Für viele der Kinder eine große Herausforderung. „Sie fühlen sich schnell provoziert und haben eine geringe Frustrationstoleranz“, erklärt Claus Wittich von EFES, der Aktivierenden Eltern- und Jugendhilfe aus Hildesheim. Gemeinsam mit Sascha Wille führten sie das Training in den Herbstferien durch. Insgesamt 24 Stunden wurden absolviert, in den kommenden Wochen folgen noch ein Nachhaltigkeitstraining sowie im November ein Teamtag.
„Es geht um Grenzen, Strukturen und auch Regeln, wir wollen ein WIR-Gefühl schaffen“, so der Sozialpädagoge und zertifizierte Systemische Anti-Gewalt-Trainer Sascha Wille, „Es geht nicht um Selbstverteidigung sondern um Selbststärkung!“
So wird zu Beginn des Trainings auch ein Trainingsvertrag mit den Schülern geschlossen, der von allen unterschrieben wird als Gedächtnisstütze an der Tafel hängt. „Hier werden Regeln aufgestellt, beispielsweise Stopp heißt auch aufhören oder dass niemand beleidigt oder ausgelacht wird“, erklärt Claus Wittich.
In verschiedenen Übungen lernen die Schüler gemeinsam als Team zum Ziel zu kommen. „Sie müssen sich dabei gegenseitig motivieren und unterstützen“ so Claus Wittich weiter. Eine der Aufgaben ist es zum Beispiel ein großes Domino aus 1000 Steinen aufzubauen oder eine Team-Slackline zu steuern.
„Es geht darum gewaltfreie Alternativen zu suchen. Wie gehe ich mit Provokation um und wie lasse ich mich darauf ein“, so die Trainer.
Jörg Weniger vom Jugendamt der Stadt Lehrte lobt die Aktion:“Wir haben gute Erfahrungen mit dem Training gemacht.“ Auch 2019 wird das Programm wieder in den Herbstferien angeboten werden. „Eventuell auch zusätzlich in den Osterferien“, ergänzt Jörg Weniger. Bei Interesse kann sich gern an das Jugendamt Lehrte gewandt werden.