Geschäfte öffnen wieder

Das Team von Fehling freut sich darauf, am Montag wieder zu öffnen. Im Eingangsbereich steht ein Spender mit Desinfektionsmittel. (Foto: privat)
 
Martin Polch freut sich, sein Schuhgeschäft am Montag wieder öffnen zu können. (Foto: privat)

Mit Schutzwänden aus Plexiglas, Desinfektionsmittel und großem Engagement bereiten sich die Einzelhändler auf Montag vor

BURGDORF (fh). Ein Großteil der Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus soll weiter in Kraft bleiben. Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, sie zunächst bis zum 3. Mai zu verlängern. Doch für Burgdorfer Geschäftsleute und Kunden gibt es eine gute Nachricht: Läden mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern dürfen ab Montag, 20. April, wieder öffnen. Das trifft auf den Großteil des örtlichen Einzelhandels zu, sodass die Innenstadt nach dem Wochenende aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen kann. „Wir freuen uns, wieder dabei zu sein“, sagt Martin Polch vom gleichnamigen Schuhhaus.
Aber auch der Elektrofachmarkt expert an der Weserstraße ist mit von der Partie, auch wenn er regulär über eine Verkaufsfläche von 1100 Quadratmetern verfügt. „Wir können einen Teil absperren, sodass wir die Bedingung erfüllen. Das habe ich bereits mit den Behörden abgeklärt“, erläutert Geschäftsführer Knut Beyme. Und obwohl Kunden einige Bereiche vorerst nicht betreten könne, stehe ihnen fast das gesamt Sortiment und der komplette Service zur Verfügung.
Auch während der vierwöchigen Schließung hatte expert die Beratung per Telefon und E-Mail aufrecht erhalten, ebenso wie einen Bestell- und Lieferdienst. „Das wurde dankbar angenommen und wir haben tolles Feedback bekommen. Denn auch in dieser Zeit sind Waschmaschinen und Fernseher kaputt gegangen oder es wurden Notebooks und Webcams fürs Home-Office benötigt“, sagt Beyme.
Ganz ähnliche Erfahrungen hat auch Gaby Frey von der Buchhandlung FreyRaum gemacht. „Als Mitte März die Schließung angeordnet wurde, waren wir erst einmal geschockt und wussten nicht, wie es weitergehen soll“, gibt sie zu. Doch dann habe sie zusammen mit ihrem Team Ideen gesammelt: Bei Facebook wurden Videos mit Buchvorstellungen eingestellt, Überraschungspakete gepackt und ein Lieferdienst organisiert. „Das ist so gut angekommen, dass wir weiter daran festhalten wollen. Solange die Kontaktsperren gelten und Menschen möglichst zu Hause bleiben sollen sowieso, aber wahrscheinlich auch danach“, sagt Frey. Ganz besonders habe sie sich gefreut, dass viele Stammkunden sie in der schwierigen Zeit unterstüzt hätten.
Auch Jörg Fehling vom gleichnamigen Modehaus berichtet von großer Solidarität. „Der ein oder andere hat einfach zum Hörer gegriffen, um uns Mut zu machen“, bedankt er sich. Ansonsten seien bei ihm vor allem Geschenkgutscheine bestellt worden. „Und einige Stammkunden haben sich sogar eine neue Frühjahresgarderobe zusammenstellen und liefern lassen“, sagt er. Auch beim Schuhaus Polch gab es trotz der vierwöchigen Schließung keinen kompletten Stillstand. Als es langsam wärmer wurde, hat Inhaber Martin Polch nach eigenem Bekunden vor allem Halbschuhe für Kinder ausgeliefert. „Die müssen jetzt schließlich aus ihren Winterstiefeln raus“, weiß er.
Doch all das habe die persönliche Beratung und den Verkauf im Laden nicht ersetzen können, sind sie sich alle einig. So sei Kurzarbeit zumindest für einen Teil der Belegschaft unvermeidbar gewesen. „Wir freuen uns sehr, dass diese Phase jetzt vorbei ist und wollen ab Montag wieder mit dem gesamten Team an den Start gehen“, kündigt Knut Beyme von expert an. Jörg Fehling will sich ab Montag langsam an den Geschäftsbetrieb in Corna-Zeiten herantasten. „Von der Normalität sind wir ja noch ein ganzes Stück entfernt“, sagt er und schiebt schnell nach: „Wir sind erst einmal froh, dass wir jetzt überhaupt wieder öffnen dürfen.“
Bereits vor Ostern habe er sich zusammen mit seinem Team auf die Wiedereröffnung vorbereitet, auch wenn noch nicht klar war, ob es am 20. April wieder losgehen würde. „Wir haben unseren Verkaufsraum so umgestellt, dass wir die Abstandsregeln einhalten können und auch sonst sind wir gut vorbereitet“, betont er. So gebe es beispielsweise Spender mit Desinfektionsmittel und ein Schutzschild aus Plexiglas an der Kasse.
Ganz ähnlich handhaben das auch das Schuhaus Polch, die Buchhandlung FreyRaum und das Elektrofachgeschäft expert. Und die Familie von Martin Polch hat die vergangenen Wochen außerdem genutz, um Atemmasken für die Mitarbeiter des Schuhgeschäfts zu nähen. Mit viel Engagement, Kreativität und Optimismus haben die Burgdorfer Geschäftsleute die zurückliegenden Wochen gemeistert und freuen sich nun auf die Wiedereröffnung. Und Knut Beyme versucht sogar der Schließung noch etwas Positives abzugewinnen: „Vielleicht haben einige ja gemerkt, wie wichtig es ist, Fachhändler vor Ort zu haben. Ich hoffe, dass das den Lokal-Spirit und die Kundenbindung sogar noch stärkt.“