Gershwin aus Greiz - geht das? Und ob!

Die perlenden Piano-Läufe von Marque Lowenthal, der prägnante Bass von Robin Draganic und das federnde Schlagzeug von Heinrich Köbberling (v. li.) umspielten die wunderbar wandlungsfähige Stimme von Frontfrau Lyambiko. (Foto: George Bosse)

Burgdorfer verneigten sich vor Jazz-Sängerin „Lyambiko“

BURGDORF (gb). Die Lichter werden dunkel. Nur ein Spot scheint auf die Bühne des (Theater-)Saals des Burgdorfer Johnny B. Noch ein letztes, leises Klingen und Klirren anstoßender Rotweingläser und Bierflaschen. Und dann erscheint die Sängerin mit dem eigenartigen Namen „Lyambiko“, die ursprünglich aus dem thüringischen Greiz kommt, und geht mit rund 160 Musikfreunden auf eine Zeitreise mit Gershwins Jazz-Stücken.
Der Burgdorfer Kulturverein SCENA hatte das Gastspiel von Lyambiko, die vom Standbassisten Robin Draganic, dem Pianisten Marque Lowenthal und dem Schlagzeuger Heinrich Köbberling begleitet wurde, bereits im Vorfeld als das Jazz-Highlight des Jahres angekündigt. Das anschließende Konzert, dass das erwartungsvolle Publikum dann zu hören bekam, bestätigte in eindrucksvoller Art und Weise diese kühne Vorhersage. Das Quartett hatte sein neues Programm im Gepäck. „Lyambiko sings Gershwin“ ist eine Hommage an die zwei großartigen US-amerikanischen Musiker und Brüder George (1898-1937) und Ira Gershwin, deren Jazz-Klassiker von der feinen und kraftvollen Stimme der afrodeutschen Interpretin mit einer sehr persönlichen Note reproduziert wurden.
Aber Gershwin aus Greiz - geht das? Und ob! Lyambiko trat den Beweis an. Der Musik von George Gershwin (Lyrics by Ira Gershwin), von der ein zeitloser Zauber ausgeht, bekommt durch Lyambiko eine gehörige Portion souliges Flair. „Mit der Auswahl der Stücke wollten wir auch das Unbekannte im Bekannten entdecken“, erklärt Lyambiko ihren Fans. Sie singt „I Got Rhythm“ und erntet begeisterten Beifall. Denn sie hat ihn - den Rhythmus. Die formidable Band mit dem US-Amerikaner Marque Lowenthal, dem Kanadier Robin Draganic und dem Deutschen Heinrich Köbberling versprüht lebendigen Internationalismus, der dem gesamten Gig viel Frische verleiht. Auch „Ain`t Necessarily So“ aus Gershwins Blues-Musikdrama „Porgy and Bess“ (1935), die als erste eigenständige Oper Nordamerikas gilt, durfte nicht fehlen.
Mit ihrem neuesten Tribute-Projekt „Lyambiko sings Gershwin“ hat sich die Jazz Echo-Preisgewinnerin (2011) vor dem Genie der US-amerikanischen Musik verneigt. Und das Burgdorfer Publikum verneigte sich vor Lyambiko & Band. „Who can ask for anything more?“