„Gelungene Integration – neue Heimat in Burgdorf“

Im Erzählcafé berichteten die Migranten über ihren Weg nach Burgdorf und ihr heutiges Leben in der Auestadt. (Foto: Alfred Donner)

Migranten berichteten im Benefizz-„Erzähl-Café“

BURGDORF (r/jk). In einem Artikel vom Statistischen Bundesamt war vor einiger Zeit zu lesen, dass die Zahl der Menschen mit ausländischen Wurzeln in Deutschland weiter gestiegen ist. Jeder fünfte Bewohner in Deutschland gehört demnach zur Bevölkerungsgruppe der Migranten. Zu einer weiteren kulturellen Veranstaltung zu diesem Thema hatten daher der Verein „Benefizz, Gutes leben“ und der „Nachbarschaftstreff“ am Ostlandring eingeladen.
„Gelungene Integration – neue Heimat Burgdorf“, so lautete das Thema des Abends vor über 80 interessierten Besuchern im „Erzähl-Café“ von Benefizz. Unter der Moderation von Elisabeth Goldmann, 1. Vorsitzende des Vereins, berichteten und diskutierten vier Burgdorfer, Coulibaly Seyba Oumar aus Mali, Naze Dal aus der Osttürkei, Lydia Balabko aus Kasachstan und Odette Yadegar Gharajlou-Plumhoff aus dem Iran, über Ihre Vergangenheit und die gelungene Integration in Burgdorf. Vier nahegehende Erlebnisgeschichten duften die Zuhörer erfahren.
Coulibaly Seyba Oumar aus Mali kam 1990 nach Deutschland, 1997 nach Burgdorf. Er besitzt ein Diplom, das in Deutschland nicht anerkannt wurde, hatte jedoch das Glück, durch die Mithilfe von Privatpersonen, sofort Arbeit zu finden.
Lydia Balabko, eine Lehrerin aus Kasachstan, sowie Angehörige einer Spätaussiedlerfamilie, stellte, nachdem ihr Bruder und danach ihr Vater nach Burgdorf ausgereist waren, auch einen Antrag zur Ausreiseerlaubnis nach Deutschland. Von minus 30 Grad Celsius in Sibirien wechselte sie im Herbst in das noch grüne Burgdorf. Ihre Verwandten halfen bei der Integration in Deutschland. Sie erhielt einen Sprachkursus in Hannover, konnte aber trotz ihrer Fähigkeiten nur eine Anstellung als Fleischereifachverkäuferin bekommen.
Naze Dal aus der Osttürkei, eine jesidische Kurdin und Mutter von fünf Kindern, musste aufgrund ihrer Religion ihre Heimat verlassen, kam 1988 mit ihrer Familie nach Frankfurt, zog danach nach Darmstadt, weiter nach Braunschweig, ehe sie in Burgdorf ihr endgültiges neues Zuhause fand.
Odette Yadegar Gharajlou-Plumhoff aus dem Iran wurde aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit als Alevitin im Iran verfolgt, musste flüchten. Sie kam vor 24 Jahren nach Deutschland, erhielt Asyl in Frankfurt, lebte dort und in Braunschweig in einem Flüchtlingslager, ehe sie vor 17 Jahren in Burgdorf in ihrer neuen Heimat ankam. Ihre Schulabschlüsse als Buchhalterin aus dem Iran fanden in Deutschland keine Anerkennung. Trotz Weiterbildungsmaßnahmen über ein Jobcenter konnte sie keinen entsprechenden Arbeitsplatz finden und muss sich mit Putz- und Kellnerarbeiten über Wasser halten.
Eine Integration in Burgdorf ist nach Aussage der vier Migranten in der Hauptsache nur durch professionelle und ehrenamtliche Hilfe möglich – so auch durch die Unterstützung des „Nachbarschaftstreffs“ am Ostlandring in Burgdorf, den Barbara Martens leitet, sowie durch die Mithilfe von Privatpersonen. Die endlosen, unzähligen gesetzlichen Einschränkungen seitens der Politik waren bei diesem Unterfangen wenig hilfreich.
Barbara Martens fügte ergänzend zum Abschluss hinzu: „Beim Eintreffen neuer Asylbewerber sollte man sich überlegen, wie man neue Wege gehen kann. Die Behörde ist meistens der erste Anlaufpunkt, die Begegnung, das Gespräch mit den privaten Menschen ist noch wichtiger. Der „Nachbarschaftstreff am Ostlandring“ kann dafür ein geeigneter Platz sein.“