Geld für WLAN und Tablets

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (rechts) übergibt dem Burgdorfer Bürgermeister Armin Pollehn (links) die Förderbescheide zum Digitalpakt. Auch die Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann und Thordies Hanisch freuen sich über diesen Schritt.
 
Der Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg nimmt die Förderbescheide von Kultusminister Grant Hendrik Tonne entgegen. (Foto: Gemeinde Uetze/Murat Kurt)

Die Kommunen Burgdorf und Uetze erhalten erste Förderbescheide zum Digitalpakt für ihre Schulen

Burgdorf/Uetze (fh). Rund zwei Monate lang waren die Schulen wegen der Corona-Epidemie geschlossen und auch jetzt lernen einige Schüler weiterhin komplett, andere zumindest tageweise zu Hause. Über E-Mails, Foren und Videokonferenzen haben die Lehrer in Burgdorf und Uetze aber trotzdem durchgängig Kontakt zu ihren Klassen gehalten und den Unterricht in veränderter Form fortgeführt. Dabei lässt die digitale Infrastruktur an den meisten Schulen noch zu wünschen übrig: Es fehlt an stabilem WLAN, die Server sind überlastet und längst nicht alle Schüler verfügen über geeignete Computer oder Tablets, um von zu Hause aus zu lernen.
Doch auch wenn sich diese Probleme nicht von heute auf morgen lösen lassen, ist für die Schulen in Burgdorf und Uetze jetzt eine Verbesserung in Sicht: Denn am Montag hat der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne in beiden Kommunen die ersten Förderbescheide zum Digitalpakt übergeben. Auf dieses umfangreiche Programm hatten sich Bund und Länder bereits im vergangene Jahr geeinigt. Die Burg­dorfer Schulen erhalten nun im ersten Schritt 310.000 Euro – für das Gymnasium sind es 250.000 Euro, für die Haupt- sowie die Realschule, die beide auslaufen, jeweils 30.000 Euro.
Die Förderbescheide für Uetze umfassen 128.000 Euro: Das Gymnasium unter den Eichen, die Aurelia-Wald-Gesamtschule sowie die Grundschulen Uetze, Hänigsen und Dollbergen bekommen zunächst jeweils 25.000 Euro; die Grundschule Dollbergen zusätzlich rund 3.000 Euro für einen Beamer. Weitere Anträge sollen in beiden Kommunen folgen. Schließlich sind die jetzt bewilligten Mittel nur ein Anfang: Insgesamt stehen den Schulen in Burgdorf 1,4 Millionen und in Uetze 900.000 Euro aus dem Digitalpakt zu.
Und wie geht es jetzt weiter? „In einer Besprechung haben mir die Burgdorfer Schulleiter ihre Kernpunkte genannt. Als nächstes werden wir entsprechende Ausschreibungen auf den Weg bringen“, kündigt der Burgdorfer Bürgermeister Armin Pollehn an. An erster Stelle stünden dabei WLAN-Ausbau, Server-Kapazitäten und die Versorgung mit geeigneten Endgeräten.
Ganz ähnlich sieht auch die Wunschliste der Uetzer Schulen aus: Angesichts der Corona-Epidemie sehe man die Priorität derzeit aber vor allem bei der Anschaffung von Tablet-Computern, damit alle Schüler zu Hause arbeiten können, heißt es dort. Entsprechende Angebote seien bereits eingeholt worden. „Nach jetzigem Stand wird es so sein, dass je nach Bedarf jede Schule 35 bis 40 Endgeräte erhalten könnte“, sagt Gemeindesprecher Murat Kurt.
Schon seit längerem besitze Uetze ein Medienentwicklungskonzept, in dem die inhaltliche Einbindung der Technik in Unterricht und Schulalltag beschrieben wird. In Burgdorf ist es hingegen noch in Arbeit. Die Stadt will sich dafür Unterstützung von externen Beratern holen. Ursprünglich sollte ein solches Konzept bereits bei Antragstellung vorliegen; außerdem sollten Tablets und andere Endgeräte eigentlich erst angeschafft werden, wenn das WLAN und die übrige Infrastruktur geschaffen wäre.
Doch von dieser festen Reihenfolge sind Land und Bund auch angesichts der Corona-Epidemie abgerückt: Kommunen und Schulen können nun vieles gleichzeitig angehen. „Für diese Flexibilität sind wir sehr dankbar. Das hilft uns dabei, die Ausstattung unserer Schulen möglichst schnell zu verbessern“, lobte der Burgdorfer Bürgermeister Armin Pollehn.
Insgesamt stehen den Schulen in Niedersachsen 522 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen 47 Millionen Euro speziell für Tablets und andere digitale Endgeräte, die an Schüler verliehen werden können, die selbst keines besitzen. Bis jetzt hat das Land nach Aussage des Kultusministers etwa 800 Anträge mit einem Volumen von 32 Millionen Euro bewilligt. Die ersten Förderbescheide seien von Januar an übergeben worden; seit Mitte März habe es wegen der Corona-Epidemie und der geltenden Beschränkungen dann eine Pause gegeben. „Die Übergaben in Burg­dorf und Uetze gehörten jetzt zu den ersten unter Corona-Bedingungen“, so Tonne.
Nach einem eher zögerlichen Start im vergangen Jahr habe das Tempo in den vergangenen vier bis fünf Wochen vermutlich wegen der Erfahrungen in der Corona-Epidemie deutlich zugenommen. Dabei müsse aber niemand Angst haben, am Ende leer auszugehen, weil andere eventuell schneller sind. „Denn die Mittel sind über mehrere Jahre gebunden. Für jede Schule ist ein fester Betrag reserviert, der nur für sie abgerufen werden kann, ob das heute ist oder in zwei Jahren“, begründet Tonne.
Er betont, dass eine entsprechende technische Ausstattung eine wichtige Voraussetzung für das schulische Lernen sei. „Es ist unglaublich nervig, wenn während einer Video-Konferenz oder einer Online-Lerneinheit dauernd das WLAN zusammenbricht“, schildert er. An erster Stelle stehe dabei aber nicht die Technik um der Technik Willen, sondern ihr sinnvoller und vernünftiger Einsatz im Sinne der Pädagogik.
Dabei schlug Tonne einen Bogen zu seiner eigenen Schulzeit vor mehr als 25 Jahren. „Damals hatten wir unser Schulbuch, die Kopien und zu Hause vielleicht noch ein Lexikon. Die größte Herausforderung war es, an Informationen zu kommen“, erinnert er sich. Heute gebe es im Internet hingegen Informationen im Überfluss. „Schüler müssen deshalb vor allem lernen, wie sie wertvolle Inhalte von Schrott unterscheiden“, so Tonne. Das sei eine wichtige Aufgabe der Schulen.