Gelbe Quitten leuchten in seltener Fülle am Gartenbaum

Ungewöhnlich viele Früchte trägt der strauchartige, etwa acht Jahre alte Qittenbaum von Klaus Heuer in diesem Isernhagener Garten. (Foto: Renate Tiffe)

Reicher Erntesegen ist in rohem Zustand nicht zu genießen

ISERNHAGEN NB/ALTKREIS BURGDORF (ti). Passanten, die des Weges kommen, bleiben zuweilen bewundernd stehen. Sind es Birnen, die in so großer Fülle an dem strauchartigen, kleinen Baum am Gartenzaun reifen? Unvergleichlich ist ihr Duft und eigenartig gelb ist ihre Farbe, eben jenes leicht grünlich angehauchte quittegelb. Tatsächlich, es sind Birnenquitten, eine hierzulande seltene Obstart, die offenbar auch in Isernhagen beste Wachstumsbedingungen gefunden hat.
Sollten Vorübergehende aber einmal eine der verlockenden Früchte abpflücken und hineinbeißen, dürfte die Enttäuschung groß sein. Die Quitten, die bei uns wachsen, sind in rohem Zustand nicht zu genießen. Sie sind sauer und herb im Geschmack und haben ein hartes, holziges Fruchtfleisch, das obendrein Steinkörner enthält. Klaus Heuer, der Eigner des Quittenbaumes, findet dann manchmal die weggeworfenen Früchte an der Straße wieder.
In gegartem Zustand, gekocht oder gebacken, auch in alkoholischer Form, entwickeln Quitten aber einen ungeahnten Wohlgeschmack. Für Heuer und seine Frau beginnen jetzt – in diesem Jahr zwei bis drei Wochen eher als sonst – die besonderen Aktivitäten im Garten und in der Küche. Die Früchte müssen gepflückt und zu Teilen auch an Freunde und Bekannte verschenkt werden. Und sie werden in der Küche verarbeitet: über den Dampfentsafter zu Quittengelee und Quittenbrot, zu Quittenmus und Quittenkompott und zu Quittenlikör, für den Klaus Heuer bereitwillig das Rezept verrät. Leicht ist die Bearbeitung der harten und zuweilen recht großen Früchte nicht. 350 bis 450 Gramm wiegen sie nicht selten. Heuer hat auch schon einmal 970 Gramm ausgewogen. Und es geht auch nicht so schnell. Bis zu sieben mal muss der Liköransatz gefiltert werden, bevor er klar und in der schönen gelbbraunen Farbe endgültig in der Flasche landet.
Nach der Form der Früchte gibt es zwei Arten: Apfel- und Birnenquitten. Apfelquitten sollen weniger frostempfindlich sein. Sie sind noch fester im Fruchtfleisch und intensiver im Geruch. Eine Obstschale mit Apfelquitten kann einen ganzen Raum füllen mit ihrem einzigartigen Duft.
Eine Eigenart dieses Kernobstes ist, dass es mit einem feinen, weißen Flaum bedeckt ist, der vor der Verarbeitung abgerieben werden muss. Der hohe Pektingehalt der Früchte macht sie besonders gut geeignet für Gelees und Marmeladen, die sich länger halten als andere Fruchtarten und mit der Zeit noch aromatischer werden.
Quitten gehören zu den ältesten Obstarten überhaupt. Ursprünglich im östlichen Kaukasus beheimatet, waren sie schon in der Antike beliebt. Die alten Römer sahen im gelben Quittenapfel ein Symbol des Glücks und der Fruchtbarkeit und weihten ihn der Liebesgöttin Venus. Daher auch der Name Venusapfel.
Die Geschichten um die herbsüßen Früchte sind so zahlreich, wie die Versprechungen bezüglich ihrer Wirkung als Heilpflanze. Illustre Vertreter der Medizingeschichte wie Hippokrates und Hildegard von Bingen waren von ihrer Heilkraft überzeugt. Quittenzubereitungen sollen gegen Fieber und Durchfall helfen, gegen Gicht und Husten und Nervosität – was alles nicht so recht bewiesen ist, weil die bei uns eher seltene Obstart nicht so genau untersucht worden ist. Belegt sein soll jedoch ihr hoher Gehalt an Vitamin C, an Vitamin E und Folsäure sowie an den Mineralien Kalium und Mangan.
Interessierte können zum mindesten den Wohlgeschmack einmal testen, wenn auf dem Isernhagener Weihnachtsmarkt Erzeugnisse aus Heuers Küche auf dem Stand des Wöhler-Dusche-Hofes feilgeboten werden.