Gegen Rassismus im Fußball

Der Vorsitzende des RSE Kurt Becker (von links), die Spieler der 1. Herren Marcel Maluck, Bangin Bakir und Timo Gieseking freuen sich mit dem langjährigen Vorsitzenden Jürgen Stern über die Würdigung des Engagements. (Foto: RSE/Andreas Lindner)
 

Der DFB würdigt das Engagement des RSE und seines langjährigen Vorsitzenden Jürgen Stern

Ehlershausen (r/fh). Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat den SV Ramlingen-Ehlershausen (RSE) für sein Engagement gegen Rassismus und Gewalt gewürdigt. Der Verein hatte sich im vergangenen Jahr für den Julius-­Hirsch-Preis beworben. Zwar wählte die Jury ihn nicht für einen der ersten drei Plätze aus, die mit jeweils 7000 Euro dotiert sind, bedachte ihn aber mit einer Urkunde sowie fünf Bällen und 25 T-Shirts mit der Aufschrift „Gemeinsam für Vielfalt – Gegen jede Diskriminierung“.
Im Anschreiben hob der DFB hervor, dass der RSE und sein langjähriger Vorsitzender Jürgen Stern „großes Engagement gezeigt [haben], um Menschlichkeit, Toleranz und das friedliche Miteinander in unserer Gesellschaft zu bewahren. Sie dienen damit sowohl den einzelnen Menschen, die sie unterstützen, als auch der gesamten Demokratie in unserem Land. Das verdient große Anerkennung.“
Bereits vor 20 Jahren brachte der Verein auf Initiative von Jürgen Stern eine Bande gegen Rassismus und Gewalt in seinem Stadion an. „Ich habe in meiner Anfangszeit beim RSE auf Fußballplätzen selbst rassistische Äußerungen erleben müssen. Das hat mich sehr betroffen gemacht“, erinnert sich der langjährige Vorsitzende und fügt hinzu: „Ich war kurz davor, mich deshalb aus dem Fußballgeschehen zurückzuziehen. Aber dann habe ich mir gesagt: Nein, tue etwas dagegen!“ Von Freunden und Sponsoren des Vereins habe er dabei Unterstützung bekommen.
Im Laufe der Jahre wurde der Slogan auch auf Aufkleber und Kugelschreiber gedruckt. Außerdem initiierte der RSE zusammen mit dem Mehrgenerationenhaus eine Aktion für Flüchtlingskinder. „Besonders stolz macht es mich, dass die 1. Herren mit ‚Gegen Rassismus und Gewalt‘ auf dem Trikot spielten und die A-Junioren das immer noch tun“, betont Stern.

Der Julius-Hirsch-Preis

Mit dem Julius-Hirsch-Preis zeichnet der DfB Personen, Initiativen und Vereine aus, die sich als Aktive auf dem Fußballplatz, als Fans im Stadion oder als Mitglieder im Verein beispielhaft und unübersehbar einsetzen: für die Unverletzbarkeit der Würde des Menschen und gegen Antisemitismus und Rassismus, für Verständigung und gegen Ausgrenzung von Menschen, für die Vielfalt aller Menschen und gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit.
Julius Hirsch kam 1892 als Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie zur Welt. Schon mit zehn Jahren wurde er Mitglied im Karls­ruher FV, damals ein führender deutscher Fußballverein. Mit 17 Jahren schaffte er den Sprung als Linksaußen in die erste Mannschaft, wurde 1910 mit ihr Deutscher Meister. 1911 folgte die erste Nominierung in die Nationalelf (sieben Länderspiele bis 1913, Olympia-Teilnahme 1912). 1914 gelang ihm nach einem Wechsel mit der Spielvereinigung Fürth die zweite Meisterschaft.
Dann unterbrach die Zeit als Soldat im 1. Weltkrieg für vier Jahre die Fußball-Laufbahn, die er 1923 beendete. Er blieb seinem Heimatverein KFV aber weiter verbunden, unter anderem als Jugend-Trainer und Alte-Herren-Spieler.
Nach 1933 wurde Hirsch vom NS-Regime entrechtet und verfolgt, seine berufliche und sportliche Karriere zerstört und ausgelöscht. Im März 1943 wurde Hirsch in das KZ Ausschwitz-Birkenau deportiert, wo sich seine Spur verliert. Eine Postkarte zum 15. Geburtstag seiner Tochter war sein letztes Lebenszeichen.
1950 erklärte ihn das Amtsgericht Karlsruhe für tot. Im bundesrepublikanischen Fußball blieb sein Schicksal lange Zeit unerwähnt und vergessen, was sich grundlegend erst mit der ersten Ausschreibung des Julius-Hirsch-Preises seitens des DFB 2005 änderte.