Gedenkfeier für die Opfer der Reichspogromnacht

Die Arbeitskreisvorsitzende Dr. Judith Rohde (l.) sowie Prof. Dr. Markus Kalesse (r.) ließen Jara Lemke und Sophia Schnare ihre Erfahrungen als ASF-Freiwillige schildern. (Foto: Georg Bosse)

Zwei junge Frauen schilderten Erfahrungen als ASF-Freiwillige

BURGDORF (gb). Der 9. November ist der „Deutsche Tag“, an dem im Rückblick Freude und Scham dicht beieinanderliegen. Einerseits symbolisiert dieses historische Datum mit dem Fall der Berliner Mauer (1989) den Beginn der geglückten Wiedervereinigung des demokratischen Deutschlands, andererseits erinnerte er schmerzhaft an die Reichspogromnacht vom November 1938. Der Burgdorfer Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“ erinnerte mit einer Veranstaltung in der St. Pankratiuskirche an die seinerzeit vom nationalsozialistischen Regime eingeleiteten und gelenkten Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich.
Dazu hatte sich der Arbeitskreis um Dr. Judith Rohde die Oldenburgerin Sophia Schnare und die Hannoveranerin Jara Lemke eingeladen. Die zwei sympathischen jungen Frauen berichtetet von ihrer Freiwilligenarbeit bei der „Aktion Sühnezeichen Friedensarbeit“ (ASF) in den USA bzw. in der Ukraine. „Was machst Du hier?“ - diese Fragen wurde den beiden Frauen häufig gestellt. Sophia Schnare musste sie bei ihrer freiwilligen Tätigkeit in einer Anlaufstelle für immer noch traumatisierte Shoa-Überlebende in Cincinatti/Ohio beantworten; Jara Lemke bei ihrer aus freien Stücken heraus gewählten Arbeit in einem Verein für ehemalige Zwangsarbeiter auf der Krim und etwas später beim Aufbau eines „Museums für jüdische Geschichte und Kultur“ in Czernowitz.
Die Begegnungen mit Menschen, die unter dem Terror des Nationalsozialismus besonders gelitten haben, waren für die beiden ASF-Freiwilligen aus Deutschland nicht immer leicht. Mal waren es die die fehlenden ukrainischen oder russischen Sprachkenntnisse, mal der deutsche Akzent bei den Gesprächen auf Englisch, der bei den Betroffenen anfangs auf Ablehnung stieß. Doch im Laufe der (alltäglichen) Tätigkeiten und Gemeinsamkeiten fanden dann doch Annäherungen statt, die Sophia Schnare und Jara Lemke übereinstimmend als „bleibende persönliche Bereicherungen“ für beide Seiten bezeichneten.
Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung von der Burgdorfer Kantorei unter der Leitung von Kirchenkreiskantor Martin Burzeya begleitet: „Wie lieblich sind die Boten, die den Frieden verkünden.“