Gedenken an Bombenabwürfe

Burgdorfer Kirchengemeinden laden zu zwei ökumenischen Andachten und einem Erinnerungsweg ein

BURGDORF (r/fh). Mit drei ökumenischen Gedenkveranstaltungen wollen die Burgdorfer Kirchengemeinden an die Bombenabwürfe auf die Stadt erinnern, bei denen kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs 38 Menschen ums Leben gekommen sind. Die Bombenabwürfe am 24. Februar und 7. April 1945 jähren sich jetzt zum 75. Mal, was nicht nur Anlass für die drei Gedenkveranstaltungen der Kirchengemeinden ist, sondern auch für eine Ausstellung in der KulturWerkStadt und ein kürzlich erschienenes Buch zu diesen Ereignissen.
Den Auftakt zu den Veranstaltungen der Kirchengemeinden macht am Samstag, 22. Februar, ab 13 Uhr ein Totengedenken in der St.-Nikolaus-Kirche, Im Langen Mühlenfeld 19. Dort ganz in der Nähe war eine der ersten Bomben eingeschlagen und hatte Dach und Fenster der Kirche beschädigt. Im Anschluss ist ein Rundweg geplant, der an die nationalsozialistische Schreckensherrschaft und an die Grauen des Krieges erinnern soll. Er führt unter anderem zur Friederikenstraße 10, wo einst die Neuapostolische Gemeinde ihre Gottesdienste abhielt. Durch eine Sprengbombe sind im Keller dieses Hauses zehn Menschen ums Leben gekommen. Den Abschluss der Veranstaltung bildet das Totengedenken vor der Erinnerungstafel auf dem Spittaplatz.
Am Montag, 24. Februar, sollen um 12.45 Uhr, dem Zeitpunkt des Angriffs, die Glocken der evangelischen St.-Pankratius-Kirche und der katholischen St.-Nikolaus-Kirche läuten. Zugleich besteht die Möglichkeit, in der Kirche am Spittaplatz bei einer Andacht für einen Augenblick innezuhalten und der Toten im Gebet zu gedenken. Auch am Dienstag, 7. April, um 11 Uhr, als der zweite Angriff stattfand, soll es eine Andacht geben. Sie wird auf dem Friedhof an der Uetzer Straße abgehalten, wo ein Großteil der Toten bestattet wurden.
An der Veranstaltungsreihe beteiligen sich die katholische St.-Nikolaus-Gemeinde, die ev.-luth. Kirchengemeinden der Stadt, die Neuapostolische Gemeinde, der B-Punkt, die Landeskirchliche Gemeinschaft sowie die Elim Gemeinde. Dabei wollen sie den Blick auch auf den historischen Kontext lenken. „Die Bomben, die auf unsere Stadt fielen, fielen nicht aus heiterem Himmel. Sie haben eine lange Vorgeschichte“, betont Wolfgang Obst von der katholischen St.-Nikolaus-Kirche und ergänzt: „Vor allem das Wegschauen und das Schweigen angesichts des Unrechts haben zu Auschwitz und zum Zweiten Weltkrieg geführt.“ Die Mehrheit habe nicht hören und sehen wollen, als Bücher verbrannt wurden, politisch anders Denkende verfolgt und diskriminiert wurden und als jüdische Mitbürger drangsaliert, deportiert und ermordet wurden.
Und so stellen die Kirchengemeinden ihr Gedenken an die Bombenabwürfe unter das Motto „Seid nicht gleichgültig!“. Damit greifen sie die mahnenden Worte auf, die Marian Turski, polnischer Journalist jüdischer Abstammung und Vorsitzender des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau, zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz/Birkenau gesprochen hat.