Gastronomen warten auf Gäste

Das Restaurant Parthenon ist seit gestern wieder geöffnet, Inhaber Christos Triantis bietet aber auch weiterhin einen Lieferdienst an.
 
Der Geschäftsführer des Gasthauses Bähre Elmar Schulz freut sich, endlich wieder hinter der Theke zu stehen. (Foto: privat)

Viele verzichten noch auf Restaurantbesuch / Gasthaus Bähre freut sich über Zulauf am Wochenende

BURGDORF (fh). Für Restaurants und Cafés ist die Zwangspause wegen der Corona-Epidemie beendet. Doch auch wenn sie seit zwei Wochen wieder öffnen können, ist die Krise für sie damit noch nicht ausgestanden. „Viele Menschen sind im Moment sehr zurückhaltend. Sie verzichten lieber darauf, Essen zu gehen, weil sie Angst haben, sich mit dem Virus anzustecken“, beobachtet Spiridon Kailoglou, der Inhaber des Restaurants Athen an der Bahnhofsstraße. Das gelte besonders für einen Großteil seiner älteren Stammgäste, die zur Risikogruppe gehören, aber auch für viele jüngere. Wer im Moment überhaupt vor Ort speise, halte sich nicht lange auf. „Sie kommen, essen schnell und gehen wieder“, beschreibt Kailoglou.
Auch im Gasthaus Bähre in Ehlershausen sei es an den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung recht ruhig zugegangen, schildert Geschäftsführer Elmar Schulz. Doch das habe sich zum Wochenende hin geändert. „Am vergangenen Samstag und Sonntag waren wir schon ganz zufrieden mit den Besucherzahlen“, betont er. Allerdings bekomme das Gasthaus schmerzlich zu spüren, dass wegen der Kontaktbeschränkungen im Moment Konfirmationen, runde Geburtstage und viele andere private Feiern wegfallen, die dort sonst ausgerichtet würden. „Es geht jetzt vor allem um Schadensbegrenzung“, gibt Schulz als Ziel aus. Schließlich sei fast zwei Monate lang ein Großteil der Einnahmen weggebrochen.
Durch diese schwierige Zeit habe ihnen vor allem der Außer-Haus-Verkauf geholfen, auch wenn er die Verluste nicht habe auffangen können. „Unsere treuen Stammgäste haben fleißig abgeholt und die Bude damit über Wasser gehalten“, bedankt sich Schulz. Spiridon Kailoglou vom Restaurant Athen pflichten ihm bei. Und im Restaurant Parthenon Vor dem Celler Tor gibt es derzeit nicht nur einen Außer-Haus-Verkauf zum Abholen, sondern zusätzlich auch einen Lieferservice im Umkreis von zehn Kilometern. Bereits vor dem Beginn der Corona-Epidemie habe er das vorgehabt und es dann schnell umgesetzt, als er das Restaurant schließen musste, sagt Inhaber Christos Triantis. Dieses Angebot sei gut angenommen worden, zumal er im Moment keine Anfahrtskosten dafür berechne. „Nicht nur aus Burgdorf, sondern auch aus Hänigsen und Obershagen bekomme ich viele Bestellungen“, sagt er und fügt hinzu: „Ohne den Bringdienst, sähe es schlecht aus.“
So sehr er die Wiedereröffnung herbeigesehnt hatte, machte er dennoch nicht gleich am 11. Mai wieder auf. „Es gab so gut wie keine Reservierungsanfragen. Das hätte sich nicht gelohnt“, begründet er. Erst seit dem gestrigen Freitag bewirtet er jetzt wieder Gäste vor Ort. Und das obwohl sich die Nachfrage noch nicht wesentlich verbessert habe. „Aber irgendwann muss man ja mal einen Anfang machen und den Gästen, die sich trauen, wieder etwas anbieten“, argumentiert er.
Vor allem in der Bewirtung im Freien sehen die Gastronomen eine Chance: Das Parthenon verfügt über einen Biergarten und das Restaurant Athen über eine Dachterrasse. „Draußen ist ja vieles etwas einfacher und entspannter. Ich hoffe, dass das bei schönem Wetter genutzt wird“, sagt Triantis. Den Lieferdienst wolle er aber in jedem Fall fortführen, auch weil er damit rechne, dass viele zur Zeit lieber zu Hause essen möchten.
Denn nicht nur die Angst vor einer Ansteckung stehe einem Restaurantbesuch derzeit im Wege, auf viele wirkten auch die strengen Auflagen abschreckend: So müssen die Gäste beispielsweise beim Ankommen und Heinausgehen einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen, ebenso wenn sie den Tisch verlassen, um auf Toilette zu gehen. Außerdem sind sie verpflichtet, ihre persönlichen Daten zu hinterlegen und es wird erfasst, wann sie gekommen und wann sie gegangen sind. Auf diese Weise sollen Kontakte nachverfolgt werden, falls sich herausstellen sollte, dass einer der Anwesenden mit dem Coronavirus infiziert war.
Um die Abstandsregeln einzuhalten, dürfen die Gastronomen bis auf weiteres außerdem nur die Hälfte der normalerweise verfügbaren Plätze besetzen. Doch darin sehen sie derzeit noch das geringste Problem. „Aufgrund unserer großen Räume könnten wir zum Glück trotzdem bis zu 100 Gäste unterbringen“, sagt beispielsweise Schulz vom Gasthaus Bähre. Und auch wenn es im Restaurant Athen und im Parthenon weniger Platz gibt, spielt die Beschränkung der Besucherzahl auch dort faktisch noch keine Rolle. „Wir wären ja schon froh, wenn wir wenigstens die zulässigen 50 Prozent annähernd auslasten könnten“, sagt Triantis und Kailoglou formuliert das ganz ähnlich.
Problematischer für die Gastronomen seien die allgemeinen Kontaktbeschränkungen, die auch für Restaurants und Cafés gelten: Demnach dürfen zur Zeit nämlich nur Personen aus höchstens zwei unterschiedlichen Haushalten an einem Tisch zusammensitzen. „Viele möchten mit vier oder fünf Personen kommen, die zu drei unterschiedlichen Haushalten gehören. Das ist zur Zeit nicht zulässig“, erläutert Schulz vom Gasthaus Bähre.
Trotz aller Widrigkeiten wollen sich die Burgdorfer Gastronomen aber nicht unterkriegen lassen. „Ich bin optimistisch und hoffe einfach, dass sich das mit der Zeit einspielt und sich die Menschen mit der ungewöhnlichen Situation arrangieren.“ Und Kailoglou fügt hinzu: „Man muss Geduld haben. Irgendwann wird es wieder besser!“