Friedhofskapellen sind wieder offen

Pastor Dirk Jonas kann Trauerfeiern jetzt auch wieder in der Kapelle auf dem Friedhof an der Uetzer Straße abhalten. Schilder an den Bänken weisen darauf hin, dass die Besucher Abstand halten müssen.
 
Auch die Kapelle auf dem städtischen Friedhof am Niedersachsenring kann wieder für Trauerfeiern genutzt werden.

Mit entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln dürfen Trauerfeiern nun wieder im Innenraum stattfinden / Weitere Gäste könnten der Zeremonie über Lautsprecher vom Vorplatz aus folgen

BURGDORF (fh). Der Burgdorfer Bestatter Thorsten Volkmann ist erleichtert: In den zurückliegenden Tagen konnten Beerdigungsgottesdienste wieder in den Kapellen auf dem Stadtfriedhof am Niedersachsenring und auf dem kirchlichen Friedhof an der Uetzer Straße gefeiert werden. Auf Anordnung der Landesregierung waren sie wegen der Corona-Epidemie zuvor acht Wochen lang geschlossen geblieben; Trauerfeiern waren nur mit maximal zehn Personen im Freien gestattet.
Nun dürfen die Kapellen unter entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln wieder öffnen: Wie viele Besucher eingelassen werden, ist dabei nicht mehr pauschal geregelt, sondern hängt von den räumlichen Begebenheiten vor Ort ab. In der Kapelle an der Uetzer Straße würden etwa 20 Personen Platz finden. Das hat Pastor Dirk Jonas von der St.-Pankratius-Gemeinde genau ausgemessen: Die vorderen Bänke sind für die engsten Angehörigen reserviert, die auch weiterhin zusammensitzen können. Dahinter soll nur jede zweite Reihe belegt werden und zwar jeweils mit höchstens zwei Personen, sodass der Abstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann.
Auch in der Kapelle auf dem Stadtfriedhof seien die Auflagen gut umsetzbar, betont Julia Krause von der Verwaltung und erläutert: „Desinfektionsmittel stellen wir bereit und wir können die Stühle dort entsprechend luftig verteilen.“ Je nachdem, ob viele Besucher alleine kommen oder mit Familienmitgliedern aus dem gleichen Hausstand, könnten etwa 20 bis 40 Personen Platz finden. Etwas schwieriger gestalte sich das bei den fünf kleinen Kapellen in den Ortsteilen Otze, Sorgensen-Dachtmissen, Ramlingen, Schillerslage und Heeßel. Dort sei es nicht nur enger, es gebe oft auch keine flexible Bestuhlung, sondern feste Bänke. „Unsere Mitarbeiter prüfen jetzt, wie viele
Trauergäste dort Platz nehmen dürfen, teilweise sind es wohl kaum mehr als zehn“, kündigt Krause an.
Trotzdem seien künftig auch wieder größere Trauerfeiern machbar. „Wenn mehr Menschen kommen wollen, können die übrigen sich mit entsprechendem Abstand zueinander auf dem Vorplatz verteilen. Die Beerdigungsgottesdienste würden wir dann mit Lautsprechern nach draußen übertragen“, erläutert Pastor Dirk Jonas. Das sei auch sonst bei großen Beerdigungen üblich, wenn der Platz in den Kapellen nicht ausreiche; die Technik sei sowohl auf dem Friedhof an der Uetzer Straße als auch auf dem Stadtfriedhof vorhanden. Und auch in einigen Ortsteilen wie beispielsweise Schillerslage gebe es entsprechende Möglichkeiten, ergänzt Julia Krause.
Nur der Gang zum Grab soll laut der Verordnung der Landesregierung weiterhin auf den engsten Familien- und Freundeskreis mit maximal 20 Personen beschränkt sein. Das hält Bestatter Thorsten Volkmann für einen Fehler. „Das stellt alle Beteiligten vor unnötige Schwierigkeiten“, kritisiert er. Aus seiner Sicht sei der Passus überflüssig. „Wenn die Trauergäste in und vor der Kapelle Abstand halten müssen, würden sie sich auch auf dem Weg zum Grab daran halten“, zeigt er sich überzeugt.
Ansonsten sei er aber erleichtert, dass es für Trauerfeiern jetzt wieder mehr Möglichkeiten gibt. Er selbst hatte sich öffentlich dafür eingesetzt, in der Debatte über die Lockerungen auch die Themen Tod und Trauer nicht auszublenden. In den ersten Wochen sei die Akzeptanz für die Beschränkungen noch groß gewesen. „Da hatte die Eindämmung der Epidemie für alle oberste Priorität“, so Volkmann. Doch zuletzt habe es bei Betroffenen zusehends für Unverständnis gesorgt, dass die strengen Auflagen für Beerdigungen weiter galten, während es in anderen Bereichen bereits wieder eine vorsichtige Öffnung gab.
In den zurückliegenden Wochen habe man wenigstens Glück mit dem Wetter gehabt. „Wenn es aber mal regnet, wird es umso wichtiger, dass uns ein Innenraum zur Verfügung steht“, betont er. Außerdem sei nun auch wieder eine musikalische Gestaltung möglich: Der Gesang ist wegen der Ansteckungsgefahr zwar weiterhin untersagt, aber prinzipiell könne es wieder eine Orgelbegleitung geben. Noch belastender als die Schließung der Kapelle und der Verzicht auf Musik sei für die Angehörigen aber die Begrenzung auf zehn Personen gewesen. „Das hat den Abschied noch schwerer gemacht, vor allem für diejenigen, die gar nicht dabei sein durften“, sagt er.
Auf Wunsch seien aber auch nach wie vor Trauerfeiern im Freien möglich. Einige Betroffene seien von der Atmosphäre unter blauem Himmel und bei Sonnenschein sogar positiv überrascht gewesen, berichtet Pastor Dirk Jonas. Er habe von Angehörigen in den zurückliegenden Wochen immer wieder die Rückmeldung bekommen, dass sie die Beerdigungsgottesdienste trotz der schwierigen Bedingungen als tröstlich erlebt hätten.
Dem pflichtet Superintendentin Sabine Preuschoff bei: „Auch in dieser Ausnahmesituation haben wir die Bestattungen würdevoll gestaltet“, betont sie. Trotzdem sei es für einige Familien schwierig gewesen, in so kleiner Runde Abschied zu nehmen, weiß die Superintendentin.