Fotos und Erinnerungen gesucht

1971 musste das Armenhaus dem Bau der Hochbrücke weichen. (Foto: VVV/Archiv)

Neuer VVV-Arbeitskreis bereitet Ausstellung über Armenhaus und Magdalenenfriedhof vor

Burgdorf (r/fh). Der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) sucht Zeitzeugen, die von dem Armenhaus berichten können, das bis 1971 neben dem Magdalenenfriedhof stand, oder die mit dem Friedhof selbst persönliche Erinnerungen verbinden. Demnächst wird sich innerhalb des Vereins ein neuer Arbeitskreis zum Magdalenenfriedhof bilden und die Ehrenamtlichen haben sich bereits vorgenommen, für 2022 eine Ausstellung über den Friedhof und das Armenhaus vorzubereiten. Wer alte Fotos, Dokumente oder Geschichten beisteuern kann, wendet sich an Karsten Desens, Telefon (05136) 84264, oder an VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich, Telefon (05136) 1862.

Grabinschriften erzählen Stadtgeschichte

Auf dem Magdalenenfriedhof, der 1548 entstanden ist, lassen sich noch mehr als 630 Grabstellen identifizieren, in denen viele bedeutende Persönlichkeiten aus der Burgdorfer Stadtgeschichte ihre letzte Ruhestätte gefunden haben: Einer der Bekanntesten unter ihnen ist der Kirchenliederdichter und Superintendent Carl Johann Philipp Spitta, der 1859 gestorben ist.
Seit den 1960er Jahren finden dort keine regulären Begräbnisse mehr statt. Ausnahmen wurden beispielsweise 1965 für den ehemaligen Besitzer der Burgdorfer Nudelfabrik Alfred Hansmann und den 2001 verstorbenen Tierarzt Volkmar Schüler senior gemacht. Die Friedhofskapelle nutzt der Kulturverein Scena regelmäßig für Kunstausstellungen.

Armenhaus muss der Hochbrücke weichen

Das Armenhaus wurde 1680 neben dem Magdalenenfriedhof gebaut, als Herberge für „alte abgelebte, schwache, kränkliche, gebrechliche und unvermögende Leute“, wie es damals hieß. Die Einrichtung stand unter der Oberaufsicht des Superintendenten und wurde aus Kirchengeldern sowie durch Spenden vermögender Bürger finanziert. Etwa zwölf bis 15 Menschen konnten dort unterkommen. Es gab eine große Gemeinschaftsstube sowie für jeden eine eigene Kammer. Licht und Ofenheizung konnten die Bewohner kostenlos nutzen. Essen und Trinken musste hingegen jeder selbst beschaffen. Seit 1880 befand sich in dem Armenhaus auch eine Diakonissenstation mit drei Krankenzimmern und einer Diakonissenwohnung.
1971 musste das Anwesen dem Bau der Hochbrücke über die Bahnschienen weichen. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude bereits sehr baufällig und seit drei Jahren nicht mehr bewohnt. An die Existenz des Hauses erinnert heute nur noch das aus dem 17. Jahrhundert stammende und bis vor dem Abriss an der Eingangsseite aufgehängte Lazarus-Sandsteinrelief, das an der Wand des südlichen Seitenschiffes der St. Pankratius-Kirche einen neuen Platz fand.