Fleißige Naturschützer

Manfred Meyer (von links), Phil Scholze und Nabu-Experte Bernd Rose suchen im Winterquartier mit Taschenlampen und Spiegel nach Fledermäusen.
 
Kaum zu sehen, aber Phil hat es trotzdem entdeckt: Das Braune Langohr hat sich zum Schlafen in die Fuge zwischen zwei Mauersteinen verkrochen.

Niko Wöhler und Phil Scholze haben 20 Säcke Eicheln gesammelt und spenden ihren Verdienst für Nabu-Fledermausprojekt

BURGDORF/RAMLINGEN (fh). Die 75 Euro hatten sich Niko Wöhler und Phil Scholze aus Ramlingen eigentlich redlich verdient. Schließlich hatten die beiden elfjährigen Schüler der IGS Burgdorf im Herbst über 20 Säcke Eicheln gesammelt – insgesamt mehr als 200 Kilogramm. Doch anstatt sich von dem Geld, das sie dafür vom Förster bekommen haben, selbst einen Wunsch zu erfüllen, haben sie sich entschieden, damit den Fledermäusen zu helfen.
Phil Scholze und sein Opa Manfred Meyer haben sich Mitte Januar mit Bernd Rose vom NABU Burgdorf auf dem städtischen Bauhof an der Friederikenstraße getroffen, um ihm die Spende zu übergeben. Bei dieser Gelegenheit nahm der Fledermaus-Experte die beiden mit in das Winterquartier im dortigen Bunker – und spannte sie gleich als Helfer ein: Ausgestattet mit Taschenlampen begaben sich die drei auf eine kleine Expedition, um zu zählen, wie viele Fledermäuse sich dort im Moment aufhalten.
Kein ganz einfaches Unterfangen: Denn nicht nur die extra angefertigten Unterschlupfe aus Beton galt es abzusuchen. An Wänden und Decken befinden sich überall gelöcherte Ziegel. „In jedes Loch, in das wir mit dem Finger hineinkommen, passt auch eine Fledermaus rein“, erklärt Rose seinen beiden Lehrlingen. Phil ist mit Begeisterung bei der Sache und leuchtet konzentriert Löchlein für Löchlein ab. Vorerst ohne Erfolg. „Bei den bisher eher milden Temperaturen haben sich noch nicht alle Fledermäuse in das Winterquartier zurückgezogen“, erklärt Rose.
Dann biegt die kleine Gruppe vom ersten Raum in einen Verbindungsgang zum hinteren Teil des Bunkers ein. Der Lichtkegel von Phils Taschenlampe streift über die noch gut fünf Meter entfernte Wand. „Da ist eine“, ruft er aufgeregt und bewegt seine Taschenlampe wieder ein Stück zurück. Selbst Fledermaus-Experte Rose muss noch ein gutes Stück näher herangehen, bevor er anerkennend nickt: Es ist ein Braunes Langohr, das selbst für Laien nach einer kurzen Einweisung gut wiederzuerkennen ist. Denn seine Ohren sind so lang, dass es sie zum Schlafen unter seine Flügel klappt. „In meinen Quartieren in Burgdorf und Uetze ist fast nur diese Fledermausart anzutreffen, obwohl es in Niedersachsen noch 18 weitere gibt“, so Rose.
An die Stelle, an der Phil die Fledermaus entdeckt hat, befestigt er eine Wäscheklammer, damit er beim nächsten Mal nachgucken kann, ob sie noch immer dort ist. Insgesamt kommen an diesem Nachmittag sieben Wäscheklammern zum Einsatz – denn so viele Braune Langohren entdeckt das Dreiergespann. Fast immer ist es Phil, der sie als erster sieht. Ganz am Schluss, kurz bevor es wieder ans Tageslicht geht, findet der junge Naturschützer, noch die Nummer sieben. „Du bringst mir wirklich Glück“, kommentiert Rose mit einem Schmunzeln.
Phil ist mindestens genauso begeistert von der Exkursion. Für ihn steht fest, dass es nicht sein letzter Besuch in einem Fledermaus-Winterquartier gewesen sein soll. Schon im Februar will er Rose zum Regionaltreffen der Fledermaus-Botschafter begleiten und den Zukunftstag, bei dem Schüler einen Tag lang in einen Beruf hineinschnuppern können, würde er auch gern beim Nabu absolvieren. „Ich will Biologe werden“, erklärt Phil. Und sein Großvater ergänzt mit einem stolzen Lächeln: „Vielleicht landet er später mal bei Greenpeace.“