Feminismus mit Stolz und Witz

Das Dohm-Trio präsentiert im Burgdorfer Schloss zum Internationalen Frauentag Texte von Hedwig Dohm. (Foto: Gordon Welters/privat)

Szenische Lesung mit Texten der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, die vor 100 Jahren gestorben ist

BURGDORF (r/fh). Feminismus mit viel Witz und Ironie präsentieren der Kulturverein Scena und die Burgdorfer Gleichstellungsbeauftragte Petra Pape zum internationalen Frauentag am 8. März. Zu diesem Anlass haben sie das "Dohm Trio" nach Burgdorf eingeladen: Historikerin Nikola Müller, Literaturwissenschaftlerin Isabel Rohner und der Schauspieler Gerd Buurmann präsentieren Texte von Hedwig Dohm, die schon 1873 das Frauenwahlrecht einforderte.
Die szenische Lesung "Mehr Stolz, ihr Frauen" beginnt am Freitag, 8. März, um 19 Uhr im Burgdorfer Schloss, Spittaplatz 5. Karten gibt es im Vorverkauf für 12 Euro (ermäßigt 10 Euro) bei Bleich Drucken und Stempeln (Braunschweiger Straße 2), Wegeners Buchhandlung (Marktstraße 65) und im Bürgerbüro im Rathaus III.
Mit einer Mischung aus Lesung, Vortrag und feministischem Kabarett mach das Trio Dohms Witz und Geist für das Publikum erlebbar. Sie setzte sich in ihrem umfangreichen Gesamtwerk aus Romanen, Novellen, Feuilletons, Essays und Theaterstücken für die politische, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein.
Vor 100 Jahren ist Dohm gestorben, am 1. Juni 1919, im Alter von 87 Jahren. So hat sie die Einführung des Frauenwahlrechts 1918 gerade noch miterlebt, ebenso wie die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 - die erste Wahl, an der sich Frauen als Wählerinnen und Kandidatinnen beteiligen konnten. Mehr als 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. 300 Frauen kandidierten - 37 von ihnen wurden in die Nationalversammlung gewählt. Die übrigen 386 Sitze erhielten Männer.
Hedwig Dohm hat übrigens auch einen familiären Bezug nach Burgdorf: Eine ihrer Schwestern ist die Großmutter von Erika Kempf (1911-2007), die in Burgdorf als Gemeindeschwester arbeitete und in der Ausstellung Frauenleben in Burgdorf 2002 und in der Broschüre Frauenleben in Burgdorf porträtiert worden ist.

Kasten: Hedwig Dohm
Hedwig Dohm war das dritte von 18 Kindern des Tabakfabrikanten Gustav Adolph Gotthold Schlesinger und dessen Frau Wilhelmine Henriette Jülich. Den Töchtern der Familie wurde nur eine eingeschränkte Schulausbildung zugestanden, während die Söhne das Gymnasium besuchen durften. Mit 15 Jahren musste Hedwig Dohm die Schule verlassen und stattdessen im Haushalt der Familie helfen. Drei Jahre später wurde ihr der Besuch eines Lehrerinnenseminars ermöglicht.
1853 heiratete sie Ernst Dohm, den Chefredakteur der satirischen Zeitschrift Kladderadatsch, mit dem sie zwischen 1854 und 1860 fünf Kinder bekam. Hedwig Dohm war die Großmutter von Katia Mann, der Ehefrau von Thomas Mann, und des Physikers und Astronomen Hans Rosenberg.
Ihre in den 1870er Jahren veröffentlichen feministischen Essays machten Dohm mit einem Schlag berühmt, stießen aber auch auf heftige Kritik, auch in den Reihen der damaligen bürgerlichen Frauenbewegung, der Dohms radikale Thesen zu weit gingen.
Quelle: Wikipedia