Feiern für das Dorfzentrum

Bei Bier und Wein ließen die Besucher den Spätsommerabend an der St.-Nicolai-Kirche ausklingen.
 
Die Besucher ließen den Spätsommerabend an der St.-Nicolai-Kirche gemütlich ausklingen.

Bei der "Sause am Turm" sammelt der Aktivkreis der St.-Nicolai-Kirche Geld für den Umbau / Trotz der Verzögerungen bei dem Projekt bleibt die Gemeinde am Ball

OBERSHAGEN (fh). Die Obershagener ließen den warmen Spätsommertag rund um die St.-Nicolai-Kirche gemütlich bei einem Wein oder einem Bier ausklingen. Viele Dorfbewohner waren zur „Sause am Turm“ gekommen, die der Aktivkreis der Gemeinde Anfang September veranstaltete. Pastor Steffen Lahmann und Ortsbürgermeister Andreas Staas tauschten sich mit interessierten Gästen unter anderem über den geplanten Umbau der Kirche zu einem Dorfzentrum aus. Diesem Projekt soll auch der Erlös des Festes zugute kommen.
Insgesamt wird der Umbau nach jetzigen Stand etwa 700.000 Euro kosten. Lahmann zeigt sich optimistisch, diese Summe zusammenzubekommen. Die Gemeinde stellt dafür einen Antrag auf Fördermittel aus dem Leader­Programm Aller-Aue-Fuhse der Europäischen Union. Damit soll möglichst ein Großteil der Kosten gedeckt werden. Jeweils 100.000 Euro erhofft sich die Gemeinde außerdem vom Kirchenkreis und von der Landeskirche. „Der Kirchenkreis hat uns bereits ein positives Signal gegeben. Nun warten wir noch auf Rückmeldung von der Landeskirche“, so Lahmann. Den Restbetrag will die Gemeinde aus eigenen Mitteln finanzieren. Der Aktivkreis hat zu diesem Zweck bisher 15.000 Euro an Spenden gesammelt. Zusammen mit Rücklagen stünden zum jetzigen Zeitpunkt gut 30.000 Euro zur Verfügung.
Und warum ist der Umbau überhaupt nötig? Das zeigte sich einmal mehr auch bei der „Sause am Turm“. Wer sich zwischendurch erleichtern wollte, musste dafür das Dixi-Klo vor der Kirche nutzen. Das soll sich künftig ändern: Denn als wichtigste Neuerung will die Gemeinde eine Sanitäranlage auf der Nordseite der Kirche anbauen und über einen gläsernen Windfang mit dem Hauptgebäude verbinden. Außerdem ist eine Teeküche vorgesehen und die Gemeinde will die Bänke im Kirchenschiff durch Stühle ersetzen, sodass Gruppen die Sitzordnung bei Bedarf verändern können. In der St.-Nicolai-Kirche sollen weiterhin Gottesdienste, Hochzeiten und Taufen abgehalten werden. Dank des Umbaus könnte sie aber auch Raum für Gruppentreffen, Workshops und andere Veranstaltungen bieten.
Eigentlich war der Baubeginn bereits für dieses Jahr geplant gewesen. Doch im Mai 2018 hatte das Landesamt für Denkmalpflege Vorbehalte gegenüber den ersten Entwürfen geäußert, weil der Windfang direkt an den Turm angebaut werden sollte. Das hätte nach Einschätzung der Denkmalpfleger den Gesamteindruck gestört. Stattdessen soll der Windfang an der Nordseite nun etwas weiter nach hinten versetzt etwa auf Höhe des ersten Fensters mit dem Hauptgebäude verbunden werden. Dort muss dann die Wand durchbrochen werden, um eine Tür einzusetzen.
Die Pläne mussten deshalb noch einmal komplett überarbeitet werden – das kostete Zeit. Außerdem sind die Auflagen für den Brandschutz umfangreicher als ursprünglich angenommen und es sind archäologische Untersuchungen nötig, weil sich um die Kirche herum früher einmal ein Friedhof befand.
Wenn von jetzt an alles glatt geht, könnte der Umbau nach Lahmanns Einschätzung in etwa einem Jahr beginnen. „Unser Wunsch wäre dann natürlich, dass wir bis Ostern 2021 fertig sind und die Kirche dann wieder zu den Festtagsgottesdiensten und für die Konfirmationen nutzen können“, so der Pastor. Doch in dieser Rechnung gebe es viele Unbekannte. „Es ist ein altes Gebäude. Da weiß man nie, was man findet, wenn man die Wände aufreißt“, sagt Ortsbürgermeister Staas und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und wir haben hier wirklich dicke Wände.“
Aber ob es nun einen Monat weniger oder mehr dauere, Staas lässt keinen Zweifel daran, dass das Dorf das Projekt stemmen werde. „Es hat breiten Rückhalt. Wir hatten befürchtet, dass die anfängliche Euphorie irgendwann nachlässt“, gibt er zu. Das sei aber nicht eingetreten. Stattdessen würden noch immer neue Helfer zum Aktivkreis dazukommen. Zum harten Kern gehören im Moment 20 Ehrenamtliche. „Aber darüber hinaus gibt es viele, die einspringen, wenn wir Unterstützung brauchen, zum Beispiel für die Schichten am Grill und am Getränkestand heute Abend“, sagt Staas.
Und während die Band der Lebenshilfe Peine-Burgdorf „The Boppin' Blue Cats“ mitreißenden Rock'n'Roll spielte, bestand natürlich nicht nur Gelegenheit sich über den Umbau der Kirche zu unterhalten. Auch viele andere Neuigkeiten aus dem Dorf wurden bei Wein, Bier und Limonade ausgetauscht. Der Aktivkreis plant für dieses Jahr noch weitere Aktionen rund um die Dorfkirche. Im Dezember wird der Uetzer Chor „Chorange“ ein Konzert geben, ebenfalls bei freiem Eintritt.