Fassanstich und Junggesellenlied

Die Junggesellen singen auf der Rathaustreppe ihr traditionelles Lied.
 
Bürgermeister Armin Pollehn und Schützenchef Jörg Hoppe prosten sich beim "Fassanstich" zu.

Kleine Aktionen erinnern an das Burgdorfer Volks- und Schützenfest

Burgdorf (fh). Nun ist Bürgermeister Armin Pollehn schon seit anderthalb Jahren im Amt – doch auf seinen ersten richtigen Bierfass­anstich zur Eröffnung des Burgdorfer Volks- und Schützenfestes muss er wegen der Corona-Epidemie noch ein weiteres Jahr warten. Immerhin hat er am Donnerstagabend für eine kleine Abordnung von Schützen einige Gläser an einer elektrischen Zapfanlage gefüllt. Etwa zur gleichen Zeit hätte eigentlich das diesjährige Volks- und Schützenfest eröffnet werden sollen – doch wegen der Pandemie hat die Burgdorfer Schützengesellschaft es zum zweiten Mal in Folge schweren Herzens abgesagt. Ganz sang- und klanglos wollte sie das Datum dann aber doch nicht verstreichen lassen.

Festakt erinnert an Schützentradition

Deshalb hat der Vorsitzende Jörg Hoppe zu einer kleinen Zusammenkunft vor dem Rathaus II eingeladen. „Als ich das vor einigen Wochen mit dem Bürgermeister besprochen habe, hätten wir noch nicht gedacht, dass das in dieser Form möglich sein würde. Notfalls hätten wir uns hier auch zu dritt getroffen“, sagt er. Doch aufgrund der sinkenden Infektionszahlen kam es zum Glück anders: Just am Donnerstag trat sogar eine neue Allgemeinverfügung der Region Hannover in Kraft, die nun private Treffen im Freien mit bis zu 50 Personen zulässt.
Und so konnten nun Mitglieder von Vorstand, Festvorstand, Ehrenvorstand, Hauptmann und Kommandeur, je ein Vorstandsmitglied der einzelnen Korporationen und die amtierenden Könige an Bierzelttischen auf dem kleinen Rasenstück vor dem Rathaus II Platz nehmen. Neue Majestäten konnte die Schützengesellschaft weder im vergangenen noch in diesem Jahr ausschießen, sodass Freihandkönig Hans-Joachim Brauer, Königin Regina Stark, Volkskönig Horst Storm und Kinderkönig Thure July jetzt schon seit 2019 im Amt sind.
Das gemeinsame Stadtkönigsschießen aller Burgdorfer Schützenvereine fand Anfang 2020 vor dem Beginn der Pandemie noch statt, wobei die Sieger dann erst im Herbst in ganz kleinem Kreis proklamiert wurden. Für Stadtkönigin Irana Hoppe und Stadtjuniorenkönigin Anna-Sophia Brauer war der Fassanstich am Donnerstag damit die erste kleine Feier überhaupt. Das 30-Liter-Fass dafür stifteten übrigens die Schützenheim-Wirte, Kerstin und Jörg Schneider.
Mit dem Festakt erinnerten die Schützen inmitten der Pandemie zumindest in kleinem Rahmen an ihre Tradition und stimmten zugleich schon auf das Schützenfest 2022 ein. „Es war uns wichtig, endlich mal wieder in Erscheinung zu treten, damit alle sehen, dass wir noch da sind und auch in der Pandemie Flagge zu zeigen“, sagt Hoppe. Und das tun die Schützen auch wortwörtlich: Denn entlang der Marktstraße sind bis morgen die traditionellen Fahnen der Stadt Burgdorf, der Schützengesellschaft und der einzelnen Korporationen gehisst. „Als ich am Donnerstagmorgen in die Innenstadt kam, hatte das gleich ein bisschen Schützenfest-Flair“, sagt Hoppe.

Junggesellen „erobern“ Rathaustreppe

Umso bewusster wurde vielen Schützen andererseits auch, was in diesem Jahr alles fehlt. „Wir haben zwar einen Fassanstich, eröffnen aber kein Schützenfest. Statt Schützenfest-Urlaub zu nehmen, muss ich Feitag ganz normal arbeiten und vor allem vermisse ich das traditionelle Sammeln der Junggesellen am Samstagvormittag“, gab der Chef des Junggesellencorps Carsten Hoffmann zu.
Zusätzlich zu dem kleinen Festakt, hatte sich seine Korporation noch eine weitere Aktion zur Erinnerung ans Schützenfest einfallen lassen: Am Rathaus I an der Marktstraße brachten sie große Transparente mit einem Foto der Junggesellen und ihrem Wappen an. Einerseits wollen sie den Burgdorfern zum Schützenfesttermin damit einen weithin sichtbaren Gruß ausrichten, und anderseits auch an ihre traditionelle „Eroberung“ der Rathaustreppe und des Ratssaals zum Start des Schützenfestes erinnern.
Ursprünglich hatten sie sich den Effekt noch ein wenig anders vorgestellt: Denn während das Baugerüst vor der historischen Rathausfassade viele Burgdorfer störte, konnten die Junggesellen den blau-weißen Schutznetzen durchaus etwas abgewinnen – schließlich sind das die Farben ihrer Korporation. Nachdem der Stadtmarketingverein zur Verschönerung kürzlich große Planen mit einer historischen Federzeichnung des Rathauses an dem Baugerüst angebracht hatte, mussten die Junggesellen nun nicht nur auf den blau-weißen Hintergrund für ihre Transparente verzichten – ein großes Banner mit der Aufschrift „Schützenfest wir vermissen dich“ ließ sich nun gar nicht mehr befestigen.
Doch halb so schlimm: Dafür konnten am Donnerstagabend dank der Lockerungen der Corona-Regeln viel mehr Junggesellen vor dem Rathaus I zusammenkommen, als ursprünglich erwartet. Anstatt es am Rathaus anzubringen stellten sie sich mit dem Banner nun auf der Rathaustreppe auf. Und als sie ihr traditionelles Junggesellen-Lied anstimmten, blieben nicht nur viele Fußgänger neugierig stehen – auch die Autofahrer auf der Marktstraße verlangsamten ihr Tempo sogar deutlich unter die erlaubten 20 Stundenkilometer. Zum Abschluss hielt Kommandeur Rolf Hoppe noch die traditionelle Totenehrung für die in den zurückliegenden Monaten verstorbenen Junggesellen.

Partymusik für zu Hause

Wer beim Anblick der Fahnen auf der Marktstraße Lust auf ein bisschen Schützenfeststimmung bekommt und die traditionellen Zeltpartys vermisst, kann sich zumindest die passende Musik nach Hause holen: Wie schon im vergangenen Jahr hat die Burgdorfer Schützengesellschaft auch diesmal als kleinen Ersatz wieder eine Playlist zusammengestellt und unter dem Namen „Schützenfest 2021“ bei Spotfiy veröffentlicht. Rund 150 Songs sorgen für acht Stunden Partystimmung! Einfach reinklicken und feiern: https://spoti.fi/
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