Familienzentrum ist in Betrieb

Freuen sich über den Start im Familienzentrum an den Hecken: Kita-Leiterin Margot Krein (von links) und die pädagogische Leiterin der Kitas im Kirchenkreis Birgit Meinig.
 
Die kleine Bücherei lockt mit einer gemütlichen Leseecke und einer großen Auswahl an spannenden Geschichten.
 
Freuen sich über die Fertigstellung des Familienzentrums: Architekt Andreas Schmotz (von links), die Vorsitzende des Familienausschusses Christiane Gersemann, Bürgermeister Armin Pollehn, der Leiter der städtischen Hochbauabteilung Andreas Fischer, die stellvertretende Kita-Leiterin Natalie König und die Pädagogische Leiterin der Kitas im Kirchenkreis Birgit Meinig. (Foto: Stadt Burgdorf)

Nach vielen Verzögerungen ist der Bau fertiggestellt / Einrichtung bietet zunächst 80 Kita-Plätze

Burgdorf (fh). Die Ziellinie ist erreicht: Fast sieben Jahre nach dem Start des Architektenwettbewerbs ist der Bau des Familienzentrums im Baugebiet An den Hecken abgeschlossen. In der vorigen Woche übergab die Stadt die Schlüssel an den Ev.-luth. Kirchenkreis Burgdorf als Träger der Einrichtung. Sie firmiert als Familienzentrum, weil zur eigentlichen Kita noch eine Begegnungsstätte für die Familien aus dem Stadtteil hinzukommt.
Am 1. April hat der Betrieb nun mit rund zweieinhalb Jahren Verspätung begonnen. Insgesamt wird die Kita künftig etwa 100 Plätze bieten. Zunächst werden 80 Kinder in zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen betreut, von denen die ersten bereits mit der Eingewöhnung begonnen haben. Später kommt noch eine inklusive Kinderkartengruppe hinzu, doch dafür müssen noch heilpädagogische Fachkräfte gefunden werden. Auch darüber hinaus sind einige Stellen unbesetzt. Bisher sind 15 pädagogische Mitarbeiter eingestellt, fünf bis sechs sollen noch hinzukommen.
Sowohl Bürgermeister Armin Pollehn als auch Birgit Meinig, die Pädagogische Leiterin der Kitas im Kirchenkreis, zeigen sich mit dem Gebäude hochzufrieden. „Das ist ein wunderschöner Bau, der gut zu unserem pädagogischen Konzept passt“, sagt Meinig. Sie hebt vor allem die offene und helle Gestaltung der Räume hervor. Und auch Pollehn lobt die Atmosphäre in der neuen Kita: „Das Außengelände bietet viel Platz und vielfältige Möglichkeiten zum Spielen und Toben. Und die Innenräume sind lichtdurchflutet. Wenn man reinkommt, fühlt man sich sofort wohl!“

Bürgermeister will Fehler aufarbeiten

Angesichts der langen Bauzeit habe er die Schlüssel mit Freude und Erleichterung an den Kirchenkreis übergeben. „Jetzt hoffe ich, dass vor allem auch die Kinder, Eltern und Mitarbeiter glücklich damit werden“, sagt er. Er wolle nun aufarbeiten, wo es bei dem Projekt gehakte habe und welche Probleme und Fehleinschätzungen zu den Verzögerungen geführt hätten. „Es geht mir nicht darum, einen Schuldigen zu suchen, sondern Erkenntnisse für künftige Projekte zu gewinnen“, betont er.
Immer wieder hatte sich der Bau verzögert. Die Kosten haben sich im Laufe der Zeit mehr als verdoppelt und belaufen sich jetzt auf rund 5,5 Millionen Euro. Von Anfang an war es bei dem Projekt nicht richtig rund gelaufen, wofür sich der damalige Architekt und die Stadtverwaltung gegenseitig die Schuld zuwiesen. Ende 2018 kündigte die Stadt ihm und beauftragte stattdessen das Burg­dorfer Architekturbüro Höhlich & Schmotz.
Damals war das Projekt bereits deutlich im Hintertreffen. Doch auch der neu kalkulierte Fertigstellungstermin Ende 2020 konnte nicht gehalten werden. Zunächst vertröstete die Stadtverwaltung auf den Sommer 2021, weil die Bauarbeiten aufgrund der Corona-Epidemie langsamer vorangingen und sich die Lieferengpässe bemerkbar machten. Dann kam es noch einmal zu einem wochenlangen Stillstand, weil der beauftragte Handwerksbetrieb den Estrich nicht fachgerecht eingebaut hatte.

Individuelle Förderung und Austausch mit Eltern

Die neue Kita mit Familienzentrum arbeitet nach dem sogenannten „Early excellence“-Konzept, das in den neunziger Jahren in Großbritannien entwickelt wurde. Ziel ist es, die Fähigkeiten jedes Kindes individuell zu fördern und den Eltern zu vermitteln, wo seine Stärken und Interessen liegen. Wichtig sind dabei auch Austausch und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern, unterstützende Angebot für Familien und in die Vernetzung im Stadtteil.
Die Krippe des neuen Familienzentrums an den Hecken ist in zwei Gruppen unterteilt, um den Ein- bis Dreijährigen einen geschützten Bereich zu bieten. Die beiden Gruppenräume sind aber durch einen großen Flur verbunden, auf dem sich die Kinder frei bewegen dürfen. „Er ist so großzügig gestaltet, dass sie dort sogar Bobbycar fahren können“, beschreibt Birgit Meinig.
Noch offener ist der Kindergartenbereich gestaltet. Dort haben die Drei- bis Sechsjährigen zwar auch jeweils eine Bezugserzieherin oder einen Bezugserzieher, aber sie können frei entscheiden, wo sie sich aufhalten und womit sie sich beschäftigen möchten. Jeder Raum hat einen anderen Schwerpunkt.
Der Rollenspiel-Raum ist beispielsweise mit Kostümen, Kaufmannsladen, Arztkoffer sowie Puppen ausgestattet und in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt, die als Zimmer genutzt werden können. „Dort können auch mal mehrere Gruppen Familie spielen und sich gegenseitig besuchen“, sagt Kita-Leiterin Margot Krein.
Im Bau-Raum können indes Schienennetze für die Spielzeug­eisenbahn, zimmerhohe Türme oder ganze Städte entstehen. Und im Kreativ-Raum stehen kindgerechte, höhenverstellbare Staffeleien, Bastelutensilien und jede Menge bunte Stifte bereit. Hinzu kommen eine „Bücherei“ mit gemütlicher Leseecke, ein Bewegungsraum und das großzügige Außengelände.
Durch diese Aufteilung könne jedem Schwerpunkt viel umfangreicher Rechnung getragen werden. „Wenn es feste Gruppenräume gibt, müssen sie ganz unterschiedlichen Interessen gerecht werden, sodass für die einzelnen Bereiche nur wenig Platz ist. Das führt auch immer wieder zu Konflikten zwischen den Kindern, weil sie sich gegenseitig in die Quere kommen oder weil die einen laut spielen und toben, während die anderen ganz konzentriert bauen oder malen wollen“, schildert Krein.

Praktische Details für den Kita-Alltag

Bei Planung, Bau und Einrichtung habe die Stadt den Kirchenkreis während der gesamten Projektdauer mit eingebunden. „Dabei wurden viele Wünsche und Ideen berücksichtigt, die uns den Alltag in der Kita leichter machen“, sagt Krein. Dazu zählen beispielsweise Matschschleusen, in denen die dreckigen Gummistiefel ausgezogen werden können, damit der Schmutz nicht in die Kita getragen wird. „Und im Garderobenbereich des Kindergartens hat jedes Kind seinen eigenen kleinen Holzspind, sodass Jacken, Schuhe und die übrigen Sachen nicht überall herumfliegen“, so Krein.
Außerdem haben nicht nur die Krippengruppen einen Schlafbereich, sondern es gibt auch einen kleinen Raum mit einigen Betten für den Kindergarten. „Das ist leider keine Selbstverständlichekeit. Aber wenn die Drei- bis Sechsjährigen zum Teil von 7 bis 17 Uhr zehn Stunden lang bei uns sind, brauchen einige von ihnen zwischendurch auch mal eine kleine Erholungspause, gerade in der Anfangszeit nach dem Wechsel aus der Krippe“, beschreibt Krein.
Der Kirchenkreis plant für den Sommer eine offizielle Eröffnungsfeier für Kita und Familienzentrum. Sie soll am Sonntag, 10. Juli, um 15 Uhr mit einem Gottesdienst beginnen. Im Anschluss stellt sich die Einrichtung bei einem Tag der offenen Tür mit vielen Aktionen für Kinder und Familien vor.