Experimente mit Muffins und Kresse

Julius hat untersucht, welches Eigenschaften Tapete haben muss und welches Papier sich dafür eignet. (Foto: RBG)
 
Veronika stellt ihre Experimente zum Wachstum von Pflanzen vor. (Foto: RBG)

Drei Siebtklässler der Gesamtschule haben am Schülerwettbewerb von "Jugend forscht" teilgenommen

Burgdorf (fh). Kann man beim Backen statt Hefe auch Backpulver verwenden? Welches Papier eignet sich besonders gut als Tapete? Und wissen Pflanzen eigentlich wo oben und wo unten ist? Mit diesen Fragestellungen haben sich die Siebtklässler Celina Bosse, Veronika Kurilov und Julius Vogel von der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule (RBG) beschäftigt.
Mit ihren Projekten haben sie sich kürzlich an dem Schülerwettbewerb von "Jugend forscht" beteiligt und dabei richtig abgeräumt: Im Regionalwettbewerb im Februar belegte Veronika den zweiten Platz. Celina und Julius sicherten sich in ihren jeweiligen Fachgebieten sogar den ersten Platz und qualifizierten sich damit für den Landeswettbewerb im März. Dort konnten sie sich zwar keinen Platz auf dem Treppchen sichern, doch Naturwissenschaftslehrerin Milena Ulbricht ist trotzdem begeistert. "Alle drei können wirklich stolz auf ihre Leistungen sein", lobt sie.
Julius wurde beim Landeswettbewerb sogar noch mit einem Förderpreis des Foto- und Druckdienstleisters Cewe ausgezeichnet, der sich für sein Tapeten-Projekt interessierte. Auch im Regionalwettbewerb hatte er bereits zusätzlich zu seinem ersten Platz einen Sonderpreis abgestaubt. Und weil auch Celina und Veronika dort so erfolgreich waren, holten die drei zusammen für die RBG auch noch den Sonderpreis "Schule", der mit 350 Euro dotiert ist. "Ich glaube die Jury hat erkannt, dass die Schüler das von der Fragestellung über die Experimente bis hin zur Präsentation wirklich eigenständig gemacht haben", sagt Ulbricht.
Zusammen mit der pensionierten Lehrerin Hendrika van Waveren hat sie in der Nachmittagsbetreuung die "Jugend forscht"-AG geleitet, wegen der Corona-Epidemie hauptsächlich per Videokonferenz. Dort seien die Projekte entstanden, die Fragestellungen hätten sie ihnen aber nicht etwa vorgegeben. "Alle drei haben die Ideen von zu Hause mitgebracht", betont Ulbricht.
Celina habe beispielsweise mit ihrer Mutter backen wollen doch aufgrund von Engpässen wegen der Corona-Epidemie plötzlich keine Hefe mehr bekommen. Stattdessen griffen sie zu Backpulver. "Celina wollte deshalb herausfinden, ob beide Produkte gleichermaßen geeignet sind", beschreibt Ulbricht. Dafür backte sie ein Muffin-Blech nach dem anderen - immer nach dem gleichen Rezept, nur dass sie mal Hefe und mal Backpulver verwendete. Dabei verglich sie auch gleich noch Produkte unterschiedlicher Hersteller.
Ganz ähnlich ist auch Julius' zu seiner Idee gekommen. Er hatte gerade mit seiner Familie renoviert und wollte deshalb die Eigenschaften von Tapeten genauer untersuchen. Außerdem fragte er sich, welche umweltfreundlichen Alternativen es geben könnte. Er befasste sich unter anderem mit selbst geschöpftem Papier und mit einem neuartigen Papier aus Ananasfasern, das Studierende der Universität Hannover in dem Projekt "eco:fibr" entwickelt haben.
Veronika hatte schon im Jahr zuvor an der Arbeitsgemeinschaft teilgenommen und wollte ihr Projekt von damals weiterentwickeln. Dabei ging es im Kern um die Frage, ob Pflanzen wissen, wo oben und wo unten ist. Dafür pflanzte sie Kresse in Petrischalen an und stellte sie auf unterschiedlich schräge Flächen. Nach einigen Tagen änderte sie die Neigung und maß schließlich die Winkel, in denen die Halme wuchsen.
Ihre Lehrerin Milena Ulbricht lobt, dass alle drei nicht nur die Fragestellungen selbst entwickel hätten, sondern auch die Experimente. "Um zu prüfen, wie reißfest unterschiedliche Papierarten sind, hat Julius zum Beispiel Gewichte daran aufgehängt", nennt sie ein Beispiel. Und dabei habe er immer auch die Vermarktung im Blick gehabt. "Er hat zum Beispiel darauf geachtet, dass sich ein Papier nur dann als Tapete eignet, wenn es sich für den Transport gut aufrollen lässt. Außerdem sollte es möglichst leicht sein, um Sprit zu sparen", so Ulbricht.
Und was für sie am Ende noch viel mehr zählt als die guten Platzierungen und die Preise: "Veronika, Celina und Julius haben sich nie als Konkurrenten gesehen, sondern sich immer gegenseitig unterstützt. Und sie sind persönlich enorm daran gewachsen", betont sie. Zu Beginn seien sie sehr zurückhaltend gewesen - am Ende präsentierten sie ihre Projekte selbstbewusst in Vorträgen beim Regional- und beim Landeswettbewerb. "Und sie haben sogar eigenständig E-Mails mit Nachfragen an die Jury und die beteiligten Firmen geschickt", sagt Ulbricht anerkennend.
Und zu welchen Ergebnissen sind die Schüler gekommen? Celina fand heraus, dass die Muffins mit Backpulver zwar nicht ganz so stark aufgehen wie mit Hefe, aber auch gut gelingen. Zwischen den unterschiedlichen Herstellern stellte sie beim Backpulver keine Unterschiede fest, bei der Hefe siegte in ihrer Versuchsreihe hingegen die von Dr.Oetker. Veronika schloss aus ihren Versuchsreihen mit der Kresse, dass Pflanzen sich nicht nur nach dem Licht ausrichten, sondern auch 'spüren', wo oben und wo unten ist. Tatsächlich richten sie sich dabei nach der Schwerkraft, wie die Schülerin recherchierte.
Julius kam zu dem Ergebnis, dass sich selbst geschöpftes Papier nicht als Tapete eigne, Ananaspapier aber durchaus Potenzial habe. Was ihn besonders freute: Nur wenig später sah er im ZDF eine Dokumentation, in dem das Ananaspapier aus Hannover vorgestellt wurde und die Studierenden berichteten, bereit mit einem Tapetenhersteller im Gespräch zu sein. Da hatte der Siebtklässler offensichtlich den richtigen Riecher.