"Es droht Perspektivlosigkeit"

Das Bewerbungstraining im Rollenspiel ist ein wichtiger Baustein in der Jugendwerkstatt. So wie auf dem Foto kann es im Moment wergen der Abstands- und Hygieneregeln allerdings nicht ablaufen. (Foto: Archiv/Jens Schulze)

Die Burgdorfer Jugendwerkstatt warnt vor den Folgen der Corona-Epidemie

Burgdorf (dno). Die Corona-Epidemie und ihre wirtschaftlichen Folgen machen sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Und ganz besonders treffe das benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene, die zusätzliche Unterstützung brauchen, um ins Berufsleben zu kommen, warnt die Leiterin der Burgdorfer Jugendwerkstatt Gunda Obst. Ihre Einrichtung ist eine Anlaufstelle für all diejenigen, die sich nach der Schule in einer Orientierungsphase befinden und sich im Bewerbungsdschungel allein nicht zurechtfinden. „Zudem leisten wir wichtige psychosoziale Unterstützung“, ergänzt Obst.
Die Corona-Epidemie stelle die Beteiligten gleich in doppelter Hinsicht vor ein Problem. „Das Beratungssystem stockt“, so die Leiterin. Denn von den 22 Plätzen können derzeit aufgrund der Hygiene- und Abstandsregeln nur neun Plätze besetzt werden. Dabei hätten die Jugendlichen die Unterstützung im Moment besonders nötig, da viele von ihnen mit Perspektivlosigkeit zu kämpfen haben. "Schon jetzt wird deutlich, dass sich die Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt 2020 und in den Folgejahren dramatisch verschlechtern wird“, begründet Obst und ergänzt: „Die Betriebe sind zurückhaltend und Ausbildungsverträge wurden teilweise aufgelöst."
Deshalb rief der Arbeitskreis der Jugendwerkstätten am 15. September zu einer Kundgebung vor dem Landtag in Hannover auf, um auf die drohende Jugendarbeitslosigkeit aufmerksam zu machen sowie auf die Situation der Jugendlichen, denen droht, dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu werden. "Für die Jugendlichen ist ein ganzes System einfach weggebrochen. Ein Ausbildungsplatz ist mehr, als in einem Beruf ausgebildet werden. Es ist vielmehr ein Weg in die eigene Zukunft, ein wichtiger Lebensabschnitt, in dem Weichen für eine Entwicklung in die richtige Richtung gestellt werden“, so Obst.
Und noch etwas bereite ihr Sorgen: Der Fortbestand der Jugendwerkstätten ab 2022 sei noch unklar. Denn die Finanzierung ist derzeit nur bis zum 30. Juni 2022 über Landes- und EU-Mittel gesichert. „Die Weichen für die weitere Finanzierung der Jugendwerkstätten müssen jetzt durch die niedersächsischen Landespolitikerinnen und Landespolitiker gestellt werden“, fordert Obst.